Hinweis: Die Tagebuchnotizen sind in chronologischer Reihenfolge angegeben. Zum einfacheren Auffinden markanter Sehenswürdigkeiten ist der folgende Index mit Verweisen auf die betreffenden Notizen in acht getrennten Kategorien jeweils alphabetisch geordnet. Zu den Verweisen in diesem Reisebericht kann man mit dem Rückpfeil des Browsers zurückkehren.
Open Pit Copper Mine (Morenci AZ);
Queen Mine, Lavender Pit & Mining Museum (Bisbee AZ)
[10./11.07.1997]
Übersicht und Details der Fahrtroute
zu diesen Kupferberggwerken in Südost-Arizona sind bereits im letzten
Punkt der Tagebuchnotizen 4 beschrieben. Als es auf der US-666 von
über 2000 m endlich wieder abwärts ging, sahen wir links voraus
merkwürdig gleichmäßige Berghänge, die sich beim Näherkommen als Halden
des Kupfertagebaus in Morenci erwiesen. Schließlich kamen wir zu
einem Parkplatz, von dem aus wir einen Blick in den Tagebau werfen konnten
(Bild 4.67). Hier werden großtechnisch
ganze Berge auseinandergenommen, um Kupfererz mit weniger als 1 %
Metallgehalt auszubeuten und den unbrauchbaren Rest auf Halde zu kippen.
Dieser Tagebau wird von derselben Bergwerksgesellschaft Phelps Dodge
betrieben wie die Bingham Canyon Mine in Utah, die wir auf unserer letzten
Reise 1994 besucht hatten. Die US-666 führt streckenweise über das
Bergwerksgelände von Morenci (Bild 4.68),
wie auf dem Bild zu sehen, sogar unter einem Erzförderband hindurch. In den
folgenden Hochtälern um 3000 ft (ca. 900 m) besteht bei Regenschauern
spontane Überflutungsgefahr (Bild
4.69), nach dem Warnschild am Straßenrand auf einer Strecke von immerhin
24 mi. Außerdem ist auf dem Bild die für Arizona typische Wüstenvegetation
zu sehen. Unser Tagesziel war die ehemalige Hüttenstadt Douglas. Sie liegt
an der mexikanischen Grenze auf weitgehend ebenem Gelände in einer Höhe
von 3990 ft (ca. 1216 m). Aufgefallen sind uns dort eine größere
Jugendstrafanstalt und die überflutungsgefährdete wie ein Düker anmutende
Staßenunterführung unter den Eisenbahngleisen hindurch
(Bild 4.70). Offenbar kann das
Regenwasser aus der 13'-2" tiefen Unterführung (13 ft + 2 in = ca.
4,01 m) nicht schnell genug abgeleitet werden, so daß in Englisch und
Spanisch davor gewarnt wird, in diese Unterführung hineinzufahren, wenn
sie geflutet ist (Do not enter when flooded).
Am nächsten Morgen ging es über die US-80 weiter nach Bisbee. Im Gegensatz zu Douglas liegt Bisbee in einem engen Tal mit recht steilen kahlen Berghängen. Hier wurde von 1880 bis 1975 hauptsächlich Kupfererz zunächst im Tagebau, dann jedoch im Untertagebau gewonnen, aber auch beachtliche Mengen an Gold, Silber, Blei und Zink. Bei unserem dortigen Aufenthalt konnten wir die Hinterlassenschaften dieser 95-jährigen erfolgreichen Bergbautätigkeit der Phelps Dodge Corp. besichtigen. Dazu gehörte der Lavender Pit als ehemaliger Tagebau, die Queen Mine als Untertage-Bergwerk und das Queen Mine Museum in dem 1897 erbauten Direktionsgebäude (General Offices) der damaligen Bergwerksgesellschaft "Copper Queen Consolidated Mining Co." an der Copper Queen Plaza (US-80). In die Queen Mine wurden Führungen angeboten (Queen Mine Tours) zu denen man mit einem Grubenzug von der Bergflanke einfuhr (Bild 4.71). Gegen Tropfwasser bekam man eine Wetterjacke, und der Schachthut hatte eine Krempe, wie man auch bei der Koautorin (dritte von links) sieht. Für die elektrische Kopfleuchte war jedoch am Schachthut keine Einstecklasche vorhanden, so daß man die Lampe in die Hand nehmen mußte. Die Erklärungen bei der Führung gaben einen guten Einblick in die Abbauverfahren von der Jahrhundertwende (1900) bis zum Ende der Bergbauaktivitäten in Bisbee. Im Freigelände (Vorgarten) vor dem gegenüberliegenden Queen Mine Museum waren u.a. eine Seilscheibe und ein Förderkorb ausgestellt (Bild 4.72), und im Museum selbst wurde anhand von historischen Bildern und Werkzeugen der Kupfererzabbau um die Jahrhundertwende gezeigt. Interessant war auch ein längeres Gespräch mit einem anwesenden Bergingenieur im Ruhestand, der sich für dieses Museum engagierte, über Unterschiede und Gemeinsamkeiten im deutschen und amerikanischen Erzbergbau. Heutzutage wirbt Bisbee mit seiner südlichen Lage (entsprechend der Breite von Port Said in Ägypten) und dem trocken-warmen Klima gegen Rheumabeschwerden als Altenwohnsitz. Bemerkenswert war in diesem Zusammenhang der Bauhof für Mobile Homes (Bild 4.73), an dem wir bei unserer Weiterfahrt in Richtung Tucson außerhalb von Bisbee vorbeigekommen sind. Die Fahrt ging zunächst über die US-80 und dann weiter auf der I-10. Kurz vor Tucson haben wir noch einen Abstecher zur Colossal Cave gemacht. [‹ Index]
Colossal Cave (28 mi östl. von Tucson AZ)
[11.07.1997]
Wie bereits erwähnt, sind wir von Bisbee aus in Richtung Nordwesten
zunächst auf der US-80 und dann auf der I-10 über Tucson nach Phoenix
gefahren (Bild 4.01) und haben einige
Sehenswürdigkeiten am Wegesrande besichtigt. Von Phoenix nach Flagstaff
AZ haben wir nicht die I-17 als direkte Verbindung genommen, sondern sind
stattdessen auf der landschaftlich schönen US-89 einen Bogen nach Westen
über Wickenburg und Prescott gefahren, um dann über die ALT-89 die
Ghosttown Jerome mitzunehmen. Am Ende der ALT-89 sind wir dann in
Flagstaff AZ wieder zur I-40 bzw. Route 66 zurückgekehrt.
Die Colossal Cave ist eine inzwischen trockene Höhle mit beeindruckenden Tropfsteinformationen etwa 28 mi vor Tucson, die man vom Exit 279 der I-10 erreicht. Führungen durch einen etwa 800 m langen Teilbereich fanden täglich nach Bedarf spätestens ½ Stunde nach dem Kauf der Eintrittskarte statt und dauerten etwa 45 bis 50 Minuten. Auf dem Weg vom Parkplatz zum Höhleneingang kam man an etlichen der in dieser Gegend wachsenden Saguaro-Kakteen vorbei (Bild 4.74). Im Größenvergleich zur Koautorin kann man abschätzen, daß der Saguaro im Bild etwa 6 m hoch ist. In der Höhle selbst kann man als normaler Besucher wegen der dortigen Lichtverhältnisse ohne professionelle Beleuchtung keine wirkungsvollen Fotos aufnehmen, da ein normales Blitzgerät für die vorhandene Raumtiefe zu schwach ist. Als wir wieder aus der Colossal Cave kamen, war es für das in der Nähe liegende Saguaro NM bereits zu spät, so daß wir zunächst zum Übernachten nach Tucson weitergefahren sind. [‹ Index]
Pima Air Museum (Tucson AZ) [12.07.1997]
Bei Tucson sind in der Wüste von Arizona zahlreiche Flugzeuge ausgestellt.
Diesem Pima Air Museum galt am Morgen unser erster Besuch. Es ist im
Bereich der Davis Monthan Airforce Base östlich von S. Tucson,
6000 E. Valencia Road, leicht zu finden. Der überwiegende Teil der
"eingemotteten" Flugzeuge steht in dem recht ausgedehnten
Freigelände (Bild 4.75), das mit einem
offenen Rundfahrtbus, dem sog. Cactus Hopper, durchfahren wird. Während der
Rundfahrt erläuterte der Fahrer auf amüsante Weise die einzelnen
Flugzeugtypen, deren Scheiben gegen die intensive Sonneneinstrahlung zugeklebt
waren. Obwohl der Bus ein Sonnenschutzdach hatte, trug der Fahrer Handschuhe,
weil sich das Lenkrad unangenehm aufheizte, sobald es nur kurze Zeit von den
schräg einfallenden Sonnenstrahlen beschienen wurde. Ein anderer Teil der
Flugzeuge war in Hallen ausgestellt und zu Fuß zu besichtigen. Diese Maschinen
waren großenteils geöffnet, so daß man auch hineinschauen konnte, jedoch
nicht hineinklettern durfte. Im Eingangs- und Kassenbereich gab es auch einen
Getränke- und den unvermeidlichen Souvenirshop. Für einen technisch
interessierten Besucher ist das Pima Air Museum jedenfalls eine beeindruckende
Ausstellung von Flugzeugen aus den letzten Jahrzehnten.
[‹ Index]
Saguaro NM (AZ) [12.07.1997]
Das Saguaro NM scheint inzwischen zum National Park avanciert zu sein, dessen
beide Teilgebiete östlich bzw. westlich von Tucson nahe der I-10 liegen.
Obwohl sich der Ostteil in der Nähe des Pima Air Museum befindet, sind wir über
die I-10 und die AZ-86 zum Westteil gefahren, weil wir die dorthin am Wege
gelegenen Old Tucson Studios besichtigen wollten (nächster Punkt). Nach etwa
5 mi auf der AZ-86 zweigt die Kinney Road nach Norden ab und führt an diesen
Studios vorbei zum Red Hills Visitor Center im Westteil des Saguaro NM/NP
(Bild 4.76). Diese großen Saguaro-Kakteen
wachsen äußerst langsam nur in den kurzen Regenperioden dieser Wüstengegend.
Sie werden in 100 Jahren etwa 7,5 m (25 ft) groß. Saguaros, die 150 Jahre alt
werden, erreichen eine Höhe bis zu 15 m (50 ft) und ein Gewicht bis zu 7,25 t
(8 tons). Damit übertreffen sie alle anderen Lebewesen in der Wüste und sind
die größten Kakteen in den USA. Gewöhnungsbedürftig ist die indianische
Aussprache dieses Kateen-Namens, die etwa wie 'Saowaro' klingt. Gut gefallen
hat uns eine Tonfilmschau im Red Hills Visitor Center, bei der auf einer
Großbildleinwand mit teilweise dramatischer Musikuntermalung eine Menge
Wissenswertes über diese "Riesenkakteen" vermittelt wurde.
Bemerkenswert fanden wir den Schluß dieses Tonfilms, der mit dem Blick auf
eine Kakteenlandschaft endete. Dabei wurde die Leinwand zur Seite gefahren
und durch ein dahinter vorhandenes wandgroßes Fenster der Blick auf eben
diese Landschaft in natura freigegeben. Vom Visitor Center aus fuhren wir
über einen Teil des Bajada Loop Scenic Drive durch einen recht dichten
Kakteenwald und dann über verschiedene lokale Straßen nach Nord-Osten
wieder auf die I-10. [‹ Index]
Old Tucson & Bioshere 2 (AZ)
[12.07.1997]
Die Überschrift dieses Punktes könnte genau so gut heißen "Was wir
letztlich doch nicht besichtigt haben". An den Old Tucson Studios
kamen wir auf dem Weg zum Saguaro NM am frühen Nachmittag an. Das Gelände
schien recht groß zu sein, soweit wir das vom Eingangsportal, 201 S. Kinney
Road, aus einschätzen konnten. Die als Freilichtanlage wieder aufgebaute
Kulissenstadt wurde jedoch bereits recht früh am Nachmittag geschlossen. Die
bis dahin noch verbleibende Zeit war uns den Eintrittspreis von 13 $ pro
Person, der für einen Tagesbesuch sicher angemessen war, allerdings nicht
wert. Deshalb beschlossen wir, zum Saguaro NM (voriger Punkt) weiterzufahren.
Auch das ein Stück weiter am Wege liegende Arizona Sonora Desert Museum, in
dem etwa 200 lebende Wüstentiere und 300 Pflanzenarten ausgestellt werden,
haben wir aus Zeitgründen nicht besucht.
Biosphere 2 ist eine in sich abgeschlossene Miniaturnachbildung des Ökosystems unserer Erde (Bioshere 1) in der Wüste der Santa Catalina Mountains zwischen Tucson und Phoenix AZ. In dieser hermetisch abgeschlossenen "Biosphäre" mit autonomen Wasser- und Luftkreisläufen sollte von der Columbia University NY im Zuge der Zukunftsforschung das Überleben von Menschen über etwa ein Jahr nachgewiesen werden. Dafür war als äußere Energiezufuhr lediglich die Sonneneinstrahlung durch die wasser- und luftdichten Glasdächer vorgesehen, um durch zahlreiche Pflanzen und Ackerbau Wasser und Atemluft zu regenerieren sowie die 8 Personen des Forscherteams mit Nahrung zu versorgen. Durch widrige Umstände wurden beide unternommenen Versuche vorzeitig abgebrochen. Zur Zeit unserer Reise nutzte die Columbia University (ab 1996) die Biosphäre 2 für ökologische Forschung und Lehre. Ende 2003 wurde das Projekt aus Kostengründen eingestellt. Die Einrichtung befindet sich seitdem wieder in Besitz ihres Erbauers, des Öl-Milliardärs Edward Bass, der sie nach unserer Kenntnis touristisch vermarktet. Auf einer normalen Straßenkarte war die Biosphere 2 nicht zu finden, sondern man brauchte schon eine Anfahrtsskizze oder Wegbeschreibung. Wir sind von der I-10 über eine Lokalstraße nach Osten zur US-89/AZ-77 (Oracle Rd) gefahren. In Oracle Jct. folgt man der AZ-77 in Richtung Oracle und biegt am Meilenstein (mile post) 96.5 zur Biosphere 2 ab. Bei unserem Besuch mußte man vor dem Eigangsportal in ¾ mi (1,2 km) Entfernung von den eigentlichen Sehenswürdigkeiten parken. Für den etwa zweistündigen Rundgang in der immer noch prallen Nachmittagssonne, den wir bis Toresschluß schon gar nicht mehr geschafft hätten, wären knapp 13 $ pro Person fällig gewesen. Daher haben wir den Gebäudekomplex nur aus der Ferne betrachtet und sind dann über die AZ-77, die über weite Strecken landschaftlich schöne US-89 (scenic route) und die US-60 nach Phoenix AZ weitergefahren. [‹ Index]
Desert Botanical Garden (Phoenix AZ)
[13.07.1997]
Obwohl Phoenix von unserer Reiseplanung nur als Übernachtungsstation
vorgesehen war, haben wir am Morgen den Desert Botanical Garden
(1201 N. Galwinparkway) besichtigt, der im Sommer (Mai – September)
von 7.00 bis 22.00 Uhr geöffnet hat. Der Rundweg führt an zahlreichen
Kakteen und sonstigen Wüstenpflanzen vorbei
(Bild 4.77). Für Leute, die in
trocken-heißen Gebieten wohnen, dürfte auch der angeschlossene "Plant
Shop" interessant sein. Dort werden Kakteen, andere Succulenten, Samen
von Wildblumen aus der Wüste und Informationsblätter über derartige Pflanzen
angeboten.
[‹ Index]
Jerome Ghost Town (AZ)
[13.07.1997]
Nachdem wir die Wildweststadt Rawhide in Scottsdale bei Phoenix wegen einer
zu ungenauen Wegbeschreibung und fehlender Ausschilderung nicht gefunden
haben, sind wir zur Ghosttown Jerome AZ weitergefahren. Der ehemalige
Bergbauort Jerome liegt ungefähr nach ¾ der Strecke von Phoenix nach
Flagstaff etwa 20 mi westlich der Hauptverbindungsstraße I-17. Um möglichst
weit auf der landschaftlich schönen ALT-89 fahren zu können, die direkt
durch Jerome verläuft, sind wir nach etwa halber Fahrtstrecke von der nach
Norden führenden I-17 auf die AZ-69 in nordwestliche Richtung bis Prescott
gefahren. Von dort ging es auf der US-89 nach Norden weiter bis zu der nach
Nordosten abzweigenden ALT-89 (Bild 4.78).
Jerome liegt als ehemaliger Bergbauort auf einer 30° geneigten
Bergflanke. Darum führt die Hauptstraße in Serpentinen (switchbacks) durch
diese Stadt. Je nach Lage unterscheidet sich die Terrainhöhe zwischen
Vorder- und Rückseite der Häuser um ein bis zwei Stockwerke, und von
den obersten bis zu den untersten Häusern des Ortes besteht ein (vertikaler!)
Höhenunterschied von etwa 457 m (1500 ft). In der Nähe von Jerome gab es
bereits im 16. Jahrhundert Grabungen nach dem dort gefundenen reichen
Kupfererz. Noch um 1880 wurden Investitionen zum Abbau dieser Erze wegen der
verkehrsungünstigen Lage für unwirtschaftlich gehalten. Aber bereits kurz
danach wurde mit Unterbrechungen dieses Erz gefördert. 1894 baute die damalige
Bergwerksgesellschaft United Verde eine Schmalspurbahn zur Santa-Fe-Linie nahe
Prescott. Daraufhin entwickelte sich das Gebiet um Jerome zu einem blühenden
Bergbaurevier. Zwischen 1897 und 1899 brannte der Ort dreimal ab, wobei einem
der Feuer der gesamte Business District mit 24 Saloons und 14 Chinesischen
Restaurants zum Opfer fiel. In Glanzzeiten um 1929 erreichte Jerome 15000
Einwohner. 1953 war das (reiche) Erzvorkommen jedoch erschöpft, und der
Bergbau wurde innerhalb weniger Monate aus nahezu vollem Betrieb
heruntergefahren und vollkommen eingestellt.
Bei unserem Besuch 1997 ruhte der Bergbau in Jerome seit 44 Jahren, und die Stadt war weitgehend zu einer Ghosttown verkommen. Sie strahlte jedoch durchaus noch einen gewissen morbiden Charme aus wie auch andere ehemalige Bergbaustädte oder großenteils aufgegebene Orte entlang der alten Route 66, denen die Existenzgrundlage weitgehend entzogen wurde. So war z.B. der Glanz eines Schnellrestaurants, das von dem annähernd 70-jährigen Inhaberpaar in einem ehemaligen Laden betrieben wurde, längst passé. Trotzdem sollte man in so einem Fall wenig Berührungsängste haben, denn dort haben wir bei ausgesprochen freundlicher Bedienung ein schmackhaftes und recht preiswertes Mittagessen bekommen. Vermutlich steht Jerome auf einer Lagerstätte von armem Kupfererz, das allenfalls im Tagebau wirtschaftlich gewonnen werden könnte und den Untergang dieses historischen Ortes mit seiner großen Bergbauvergangenheit bedeuten würde. Daher wird eher versucht, Jerome als malerisches Freilichtmuseum zum Andenken an die Städte des ehemals "stürmischen Westens" (roaring West) zu erhalten. – Umgeben von etlichen größeren Halden ist die offensichtlich weitgehend von ehrenamtlichen Helfern aufgebaute Ausstellung historischer Gerätschaften ein eher bescheidener aber durchaus interessanter Anfang. Die Unzahl verschiedener Schraubenschlüssel am Geländer eines Weges auf dem Ausstellungsgelände (Bild 4.79) lassen die Menge der hier einstmals eingesetzten Maschinen nur erahnen. Neben ein paar wieder im Betrieb vorführbereiten historischen Maschinen bestimmt jedoch hauptsächlich umherstehender Schrott aus vergangenen Zeiten den Gesamteindruck (Bild 4.80). Auch das am Eingang vollmundig angekündigte ehemalige Bordell bestand nur aus einer gerade noch nicht einsturzgefärdeten Hausruine mit ein paar verrosteten Bettgestellen und -spiralen. Dafür kostete der Eintritt auch nur ein paar Dollar, und es wurden allerlei Souvenirs für erstaunlich wenig Geld angeboten (z.B. Glasisolatoren von einer abgebauten Elektrofreileitung sowie unbearbeitetes versteinertes Holz auch in größeren Stücken). Bemerkenswert fanden wir die Vorführung einer größeren historischen Tischkreissäge mit einem Sägeblattdurchmesser von gut 2 m, die von einem langsam laufenden Petroleummotor aus dem Jahre 1903 angetrieben wurde. Immerhin hatte die Säge einen automatischen Vorschub und zeigte beim Besäumen von etwa 4 – 5 cm dicken Bohlen ohne das von modernen schnellaufenden Kreissägen gewohnte Jaulen und Heulen eine überraschend hohe Schnittgeschwindigkeit. Oben an der Säge hatte der etwas sprachbehinderte Maschinist die schnurrige Inschrift »Tipping is not a town in China« angebracht, wobei mit dem chinesisch klingenden ›Tipping‹ zweifelsohne das Spenden von Trinkgeld (Tip) gemeint war. [‹ Index]
Oak Creek Canyon (bei Flagstaff AZ)
[13.07.1997]
Von Jerome aus führte uns die ALT-89 als landschaftlich schöne Strecke durch
den Oak Creek Canyon bis nach Flagstaff AZ, wo wir wieder auf die I-40
trafen, die heute über weite Strecken auf der Trasse der Route 66 verläuft.
In der Karte (Bild 4.01) liegt Flagstaff
an der Ecke unserer Fahrtroute etwa mitten in Arizona, von wo aus wir nach
zwei Abstechern in Richtung Osten und Norden schließlich auf der I-40 nach
Westen weitergefahren sind. Die Hänge des malerischen Oak Creek Canyon
waren weitgehend mit Nadelbäumen bewaldet und sahen in natura wesentlich
eindrucksvoller aus als auf unseren dort aufgenommenen Bildern. Deshalb
haben wir hier bewußt auf ein Bild verzichtet. Deutlich mehr beeindruckte
uns dagegen in Flagstaff zwischen dem Motelparkplatz und der Durchgangsstraße
der Gaszähler (Bild 4.81), der durch
keinerlei Leitplanke oder sonstige Maßnahmen gegen Kollisionen durch Autos
geschützt war, die ggf. nur geringfügig von der Straße abkommen.
[‹ Index]
Meteor Crater, Walnut Canyon NM, Wupatki NM
& Sunset Crater NM (bei Flagstaff AZ)
[14.07.1997]
Der recht interessante Meteor Crater liegt etwa 35 Meilen östlich von
Flagstaff an der I-40. Vom Exit 233 führt eine 5 mi lange Zufahrtstraße nach
Süden direkt dorthin. Der Krater (Bild 4.82)
hat am oberen Rand einen Durchmesser von fast 1,2 km (4000 ft), ist gut 210 m
(700 ft) tief und etwa 50 000 Jahre alt. Er ist von einer eigenen
"Betriebsgesellschaft" touristisch gut erschlossen mit einem
sehenswerten Museum, Aussichtsplattformen, Snackbar und Souvenirshop.
Bemerkenswert fanden wir die Kenntnisse eines Führers in dem Museum, der uns
verschiedene Meteorkrater auch in Deutschland nennen und beschreiben konnte.
Natürlich war das Ganze nicht umsonst, sondern kostete 8,00 $ Eintritt pro
Person. Das Walnut Canyon NM liegt gleich am östlichen Stadtrand von
Flagstaff und ist vom Exit 204 der I-40 über eine 3 mi lange Zubringerstraße
nach Süden zu erreichen. Es gibt dort Pueblo- und Pit-House-Ruinen der
Sinagua-Indianer zu sehen, ähnlich wie die Cliff Dwellings im Mesa Verde NP,
nur nicht so spektakulär. Wegen der Hitze haben wir dort jedoch auf einen
längeren Rundgang verzichtet, sondern nur das Visitor Center besucht und
die Ausblicke von der Straße genossen. Die Wupatki and Sunset Crater
Volcano NMs liegen etwa 20 bzw. 8 mi nördlich von Flagstaff an der
US-89, von der eine 36 mi lange Rundstraße durch beide National Monuments
nach Osten abzweigt. Im Wupatki NM liegen verschiedene Ruinen (Lomaki ~,
Nalakiu ~, Citadel ~, Wupatki ~ und Wukoki ~) nahe der
Straße. Das kleinere Sunset Crater Volcano NM umfaßt außer dem Sunset- und
Lenox-Krater eine größere Fläche geflossener Lava und einen Aussichtspunkt
über die vulkanische Landschaft. In jedem der beiden National Monuments
gibt es außerdem ein eigenes Visitor Center.
[‹ Index]
Grand Canyon RR (Williams AZ)
[14./15.07.1997]
Nach dieser Rundreise um Flagstaff sind wir am Nachmittag auf der I-40
noch die etwa 35 mi bis Williams weitergefahren. Außer Flagstaff ist
Williams als Übernachtungsort für Besucher des Grand Canyon NP beliebt,
weil man von dort aus auf dem kürzesten Wege (ca. 60 mi) über die
landschaftlich schöne AZ-64 und US-180 (nach Norden) direkt zum
touristisch erschlossenen Südrand (south rim) dieses weltberühmten Flußtals
kommt. Außerdem verkehrt von Willams aus die nostalgische Grand Canyon
Railroad (Bild 4.83), die seinerzeit im
Sommerhalbjahr von einer Dampflokomotive aus der Zeit der Jahrhundertwende
(1900) gezogen wurde. Die Fahrpreise für die fünf verschiedenen Wagenklassen
waren allerdings von 49,50 $ bis 114,00 $ pro Erwachsenen nicht so ganz
ohne. Dafür wurde der Zug allerdings auch als zusätzliche Touristenattraktion
unterwegs von berittenen "Eisenbahnräubern" überfallen. Da wir den
Grand Canyon bereits bei unserer ersten USA-Reise (1987) besichtigt hatten,
wollten wir ihn aus Zeitgründen nicht nochmals besuchen, sondern haben nur
deshalb in Williams übernachtet, weil es sich so ergeben hat. Wegen seiner
verkehrsgünstigen Lage verfügt Williams über zahlreiche Motels, deren
Zimmerpreise jedoch dieser Marktsituation angepaßt sind. Deshalb sind wir
in einem kleinen, recht preiswerten restaurierten Motel an der Business
Route des Ortes abgestiegen. Da wir bis zum Abendessen noch Zeit hatten
und gleich nebenan ein Waschsalon lag, widmete sich die Mitautorin der
etwa allwöchentlich erforderlichen Wäsche. In dieser Coin Laundry traf sie
eine deutsche Familie, mit der sie natürlich ins Gespräch kam. Der Ehemann
arbeitete vorübergehend in den USA und war dabei, Frau und Sohn während
seines zweiwöchigen Urlaubs auf einer Rundtour mit dem Auto möglichst viel
vom Südwesten der USA zu zeigen. Dabei hatte er offensichtlich gewisse
Mühe, seiner Frau amerikanische Gepflogenheiten, z.B. die übliche
Selbstbedienung an den Wasch- und Trockenautomaten eines Waschsalons
klarzumachen. So ergab sich ein längeres Gespräch über verschiedene
Reiseerlebnisse. Diese Familie, die am nächsten Tag den Grand Canyon
besuchen wollte, reiste aus Zeitmangel mit dem Auto nahezu im
"Tiefflug" über die Interstates von einer Sehenswürdigkeit zur
nächsten. Dadurch bekam sie natürlich kaum etwas von den kleineren
Besonderheiten am Wegesrand mit und wunderte sich über unsere Gelassenheit,
mit der wir Land und Leute erkundeten. Als wir anschließend in einem recht
guten Restaurant zu Abend aßen, war nicht zu überhören, daß der Kellnerin
des Nachbarreviers eine Touristengesellschaft entwischt war, ohne das
obligatorische Trinkgeld (Tip) zu hinterlassen. Ihre lautstarke Klage
gegenüber ihren Kolleginnen diente wohl eher dazu, allen anderen
unwissenden (ausländischen) Gästen Nachhilfe zu erteilen, daß sie dadurch
um ihren gerechten Lohn gebracht worden sei.
[‹ Index]
Alt-66 (AZ): Grand Canyon Caverns,
Frontier Cafe (Truxton), Mr. D'z Diner (Kingman), Oatman Ghost Town
[15.07.1997]
Nach unserer Station in Williams sind wir im westlichen Drittel Arizonas
der historischen Route 66 gefolgt, die ab Seligman (etwa 40 mi westlich
von Williams) in einem weiten Bogen nördlich der I-40 streckenweise
parallel zu einer Bahntrasse mit entsprechend geringen Steigungen und
Gefällen verläuft (Bild 4.01). Bei
Kingman, etwa 25 mi östlich des Colorado River (Grenze nach California)
wird die I-40 zweimal gekreuzt und verläuft dann nach Südwesten über die
Ghost Towns Goldroad und Oatman nach Topock am Ostufer des Colorado River.
Von dort aus führt die I-40 über den Fluß in den ersten (und angeblich
heißesten) Ort Needles in California. Etwa 25 Meilen hinter
Seligman liegen die Grand Canyon Caverns
(Bild 4.84) an der historischen
Route 66. Diese bereits seit Millionen von Jahren trockene Tropfsteinhöhle
wurde 1927 entdeckt. Zur Besichtigung, die 45 Minuten dauerte, ging es mit
einem Fahrstuhl 64 m (210 ft) nach unter Tage. Die Grand Canyon Caverns
liegen zwar nur 60 mi von dem gleichnamigen Canyon des Colorado River
entfernt, der jedoch keineswegs direkt, sondern nur über eine
Straßenentfernung von 123 mi zu erreichen ist. Die nächsten Ortschaften
direkt an diesem historischen Straßenstück sind Peach Springs, Truxton,
Valentine, Hackberry und Kingman. In Truxton sind wir in das restaurierte
Frontier Cafe (Bild 4.85)
eingekehrt, um unseren Durst zu löschen. Wie groß das Werbetransparent
wirklich ist, kann man an dem unmittelbar dahinter geparkten Auto sowie
an der Größe der an der rechten Säule stehenden Mitautorin abschätzen.
In diesem Restaurant haben wir eine Reisegruppe aus drei niederländischen
Ehepaaren getroffen, die mit einem kleinen Wohnmobil und drei Motorrädern
unterwegs waren. Das Wohnmobil diente nur als rollender Kleiderschrank
und wurde üblicherweise von einem der drei Männer gefahren, denn die
Motorradfreaks waren die drei Frauen. Da das Wohnmobil zum Übernachten
ganz bewußt zu klein war, übernachteten die drei Paare in Motels am
Wegesrand (genau wie wir). So trafen wir sie denn prompt am nächsten
Morgen in Needles beim Frühstück wieder.
In Kingman, an der Kreuzung der historischen Route 66 mit der I-40 interessierte uns die dort aufgestellte Dampflok der Santa Fe Railroad (Bild 4.86). Zum Größenvergleich steht die Mitautorin auf der Treppe neben dem Führerstand der Lok. Geradezu Kultstatus hat das Restaurant Mr. D'z Diner (Bild 4.87) erreicht, das seit der Blütezeit der Route 66 im wesentlichen unverändert geblieben ist. Westlich von Kingman führt die historische Route 66 zunächst durch das Sacramento Valley (1835 ft = ca. 560 m) und dann über den Sitgreaves Pass (3556 ft = ca. 1084 m) durch die Black Mountains in die Ghost Town Oatman in 2700 ft (ca 823 m) Höhe. Obwohl der Sitgreaves Pass mit knapp 1100 m nicht einmal besonders hoch ist, waren diese etwa 530 m Höhenunterschied auf der gewundenen Straße mit Spitzkehren in dem Wüstenklima für damalige Autos eine der härtesten Prüfungen auf der gesamten Route 66. In der ehemaligen Goldgräberstadt Oatman scheint die Zeit in den letzten hundert Jahren stehengeblieben zu sein. Nach dem Ende des Goldbergbaus und dem Ersatz der Route 66 durch die weiträumig an Oatman vorbeiführende I-40 wirbt der Ort heute als "An Authentic Western Ghost Town and Mining Camp" um Besucher. Auffällig war die große Zahl der in Oatman frei umherlaufenden "verwilderten" Esel (Burros), die zu Zeiten des Golderzbergbaus als Transporttiere unverzichtbar waren. Von Oatman führt die historische Route 66 hinunter ins Tal des Colorado River, an dem Topock, der letzte Ort Arizonas, auf einer Höhe von nur noch 510 ft (ca. 155 m) liegt, und von dort aus auf der Brücke der I-40 über den Fluß nach Needles, dem ersten Ort in California. Needles gilt als die heißeste Stadt der gesamten USA. Natürlich gibt es noch heißere Stellen, z.B. im Tal des Todes (Death Valley), aber dort liegt nun einmal keine Stadt. Jedenfalls erinnern wir uns deutlich daran, daß wir die Badelatschen erst am Rand des hoteleigenen Pools ausgezogen haben und dann ganz schnell ins Wasser sind, weil sogar der helle Betonboden unter unseren nackten Fußsohlen viel zu warm war. Auch von dem glänzenden Edelstahlgeländer an der Treppe in den Pool sind wir mit der Hand sofort wieder zurückgezuckt, weil wir das Gefühl hatten, uns daran zu verbrennen. Zum Glück waren aber auch dort die Klimaanlagen leistungsfähig genug, um für die Nacht eine angenehme Temperatur im Hotelzimmer sicherzustellen. [‹ Index]
Alt-66 (CA): Roy's Cafe (Amboy CA), Bagdad Cafe
(Newberry Springs CA) & Calico Ghost Town (CA)
[16.07.1997]
Nach dem Frühstück sind wir von Needles aus dem Tal des Colorado River von
481 ft (ca. 147 m) Höhe über dem Meeresspiegel auf der I-40 nach Westen
weitergefahren. Hinter dem 2750 ft (ca.838 m) hohen South Pass zweigt in
der Nähe des Mountain Springs Summit die historische Route 66 ab, der wir
auf einer Strecke von 70 mi etwa 10 mi südlich der I-40 über Essex, Cadiz,
Amboy, Bagdad bis Ludlow gefolgt sind, wo sie wieder auf die I-40 trifft.
Dieses Streckenstück entspricht dem südlichen Bogen auf der Karte
unmittelbar westlich der Grenze zwischen Arizona und California
(Bild 4.01). Auch hier verläuft die
historische Route 66 großenteils neben der Trasse einer alten Bahnlinie,
um den damaligen Autos im trocken-heißen Wüstenklima stärkere Steigungen
möglichst zu ersparen. Im Gegensatz zur Eisenbahnstrecke führt die Straße
jedoch nicht über Brücken, sondern direkt durch die fast immer trockenen
Senken (Dips). Zwischen Amboy und dem Bahnhaltepunkt Bagdad hat uns diese
Bahnüberführung beeindruckt (Bild 4.88)
mit 6 Wasserdurchlässen von ca. 1,6 m Höhe und 3,5 m Breite, wie man an
der Co-Autorin mit ausgestreckten Armen vor dem zweiten Durchlaß von
rechts abschätzen kann. Bei einem der seltenen Platzregen dürfte die im
Vordergrund sichtbare Route 66 wohl so hoch überflutet werden, daß sie
mit einem normalen PKW vorübergehend nicht passierbar ist.
Nach dem aufgelassenen und ausgebrannten Roadrunner-Restaurant an dieser Wüstenstrecke kamen wir dann zu Roy's Motel & Cafe mit Tankstelle (Bild 4.89), das seinerzeit immer noch in Betrieb war und einen recht geflegten Eindruck machte. Obwohl es an beiden Zapfsäulen nur Superbenzin (Premium) zu einem in der Wüste angemessenen, aber für amerikanische Verhältnisse horrenden Preis gab, konnten wir nicht widerstehen, in dem Cafe ein erfrischendes Getränk zu bestellen. Wir waren die einzigen Gäste und setzten uns daher an die Theke. Der Inhaber Roy, der eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Schauspieler Charles Bronson hatte, bediente uns selbst. Als er nach einiger Zeit mitbekam, daß wir Deutsche sind, beugte er sich unter die Theke und brachte ein deutsch-englisches Schulwörterbuch von Langenscheidt zum Vorschein. Auf unsere Verblüffung erklärte er, daß seine Tochter das Lokal einmal übernehmen wolle und im Zuge ihrer gastronomischen Aus- bzw. Weiterbildung auch eine gewisse Zeit in Deutschland verbracht habe. So ergibt sich manchmal sogar in der kalifornischen Wüste ein überraschender Bezug zum eigenen Heimatland. Der Amboy Crater eines erloschenen Vulkans, den wir kurz nach Roy's Cafe neben der Straße zu sehen bekamen, hat uns nicht sonderlich beeindruckt, da er im Vergleich zu dem vorher besichtigten Meteor Crater recht unscheinbar ist.
Etwa 31 mi hinter Ludlow (bzw. 20 mi vor Barstow) haben wir in Newberry Springs die I-40 verlassen, um auf der historischen Route 66 durch diesen Ort zu fahren. An dieser ehemaligen Business Route 66 liegt das Bagdad Cafe (Bild 4.90), das etlichen Deutschen als Kulisse aus dem Spielfilm "Out of Rosenheim" mit Marianne Sägebrecht bekannt sein dürfte. In dem Film von 1988 wird sie als Hausfrau Jasmin Münchgstettner aus Rosenheim nach einem Streit mit ihrem Mann in der Mojave-Wüste zurückgelassen, versehentlich auch noch mit dem Koffer ihres Mannes. Zu dem Cafe der farbigen Wirtin Brenda (CCH Pounder) gehört auch ein Motel (Bild 4.91), in dem bisher nur ein Zimmer von der Tätowiererin Debby (Christine Kaufmann) belegt ist, die offenbar weniger vom Tätowieren als wohl mehr von ihrem diskreten Nebenerwerb lebt. Die Immobilien sind bereits ziemlich heruntergekommen, aber als bayerische Hausfrau bringt Jasmin gegen allerlei Widerstände wieder Schwung in den Laden. Die Charaktere der mitspielenden Personen sind allesamt mehr oder weniger schrullig. Das trifft nicht nur auf die dicke Jasmin zu, sondern auch auf die Wirtin Brenda und ihre Kinder und insbesondere auf den Maler Rudi Cox (Jack Palance) zu, der in seinem Wohnwagen hinter dem Cafe haust, von der fülligen Jasmin immer gewagtere Aktbilder im Stil naiver Malerei anfertigt und ihr schließlich sogar einen Heiratsantrag macht, als ihr Besuchervisum abgelaufen ist und sie die USA wieder verlassen müßte. Ab 1990 lief in den USA eine TV-Serie mit dem Titel Bagdad Cafe als Remake dieses Themas. Seitdem wird dieses ehemalige "Sidewinder Cafe" unter seinem neuen Namen als Touristenattraktion betrieben. Das Chili schmeckte dort übrigens hervorragend, und als deutsche Besucher konnten wir auch einem Eintrag ins Gästebuch nicht entgehen. Beim Kauf eines T-Shirt mit dem Bild des Cafes wurde die Co-Autorin von einem älteren amerikanischen Ehepaar ermutigt, das Shirt nicht nur anzuhalten, sondern auf jeden Fall anzuprobieren, ob es auch wirklich paßt. Dieses Paar aus California, das Mitte Juli mit einem Pick-up unterwegs war, hatte auf dessen offener Ladefläche offenbar seine gesamte Habe verstaut. Dazu gehörte auch ein künstlicher Weihnachtsbaum, denn man weiß ja nie, wann es völlig unvorhergesehen ganz plötzlich so weit ist. Ansonsten erweckte die Route 66 durch Newberry Springs durchaus den Eindruck einer Ghost Town, wie diese aufgelassene Tankstelle zeigt (Bild 4.92). Diesen Eindruck konnte auch der gegenüber liegende, ähnlich altertümliche Market & Video Shop kaum verbesssern, der bei unserer Reise immerhin noch in Betrieb war.
Von Newberry Springs sind wir auf der I-40 bis Barstow gefahren, von wo aus uns der in der Karte etwas übertrieben dargestellte nördliche Abstecher nach Calico Ghost Town führte (Bild 4.01). Nach deren Besichtigung ging es dann weiter auf der I-15 in Richtung Südwesten über Buena Park zurück nach Los Angeles. Nachdem wir auf unserer ersten Reise 1987 schon einmal in der ehemaligen Bergbaustadt Calico waren, wollten wir uns dort nochmals umsehen, zumal sie direkt am Wege lag. In dieser jetzigen Ghost Town, etwa 10 mi nördlich von Barstow wurden von 1881 bis 1907 reiche Silbererze und Borax abgebaut. Dabei war die Silver King Mine die erste und reichste Fundgrube. In Glanzzeiten wohnten entlang der einzigen Straße (Main Street) etwa 4000 Einwohner in dieser Stadt mit damals 22 Saloons. 1950 wurde die Stadt mit den umliegenden Mining Claims von Walter Knott (siehe auch Knott's Berry Farm) mit dem Ziel erworben und restauriert, sie als eine der wenigen Original Geister-Bergbaustädte in Südkalifornien zu erhalten. 1966 wurde die Ghost Town dem San Bernardino County gestiftet und hat damit heute den Status eines Regionalparks. Auch durch die "Bewohner" in historischer Kleidung kann man dort einen Eindruck über das Leben von vor 100 Jahren gewinnen, allerlei Souvenirs im Stil dieser Zeit erwerben, einen Teil der als Museum hergerichteten Stollen von Maggie's Mine durchwandern oder auch in eine der eigens als Touristenattraktion veranstalteten Schießereien von Gesetzlosen hineingeraten (Bild 4.93). So sah sich die Mitautorin Anne plötzlich in der Situation, den örtlichen "Sheriff" mit einem 45-er Revolver zu bedrohen, damit diese "frevelhafte Tat" auch in aller Ruhe für die Nachwelt fotografiert werden konnte. Beim anschließend zelebrierten Shoot-out (Bild 4.94) wälzten sich zwei der "angeschossenen Banditen" im Vordergrund theatralisch am Boden, damit die "Guten", in diesem Fall repräsentiert durch den Sheriff, wieder die Oberhand bekamen. Man sollte gar nicht glauben, wie laut die 45-er Platzpatronen (Kaliber 0,45 inch = 11,43 mm) sogar im Freien ballern. Nach der Besichtigung von Calico fuhren wir abends auf der I-15 noch bis Victorville zum Übernachten. [‹ Index]
Knotts Berry Farm (Buena Park CA)
[17.07.1997]
Das Route 66 Museum, Thomas Winery Plaza (an der Kreuzung des Foothill
Blvd (CA-66) mit der Vineyard Ave) in Rancho Cucamonga, das ursprünglich
auf unserem Programm stand und auf der Breite von San Bernardino nur etwa
6 mi westlich der I-15 liegt, haben wir dann doch nicht besichtigt, weil
es erst ab mittags geöffnet hatte. So viel Wartezeit wollten wir dafür
jedoch von unserem für diesen letzten Tag geplanten Besuch des
Vergnügungsparks Knott's Berry Farm, 8039 Beach Blvd in Buena Park
nicht opfern. Da die I-15 nach unserer Straßenkarte in diesem Bereich
streckenweise noch nicht ausgebaut war, sind wir auf der I-215 über
San Bernadino bis Riverside und dann auf dem Riverside Freeway (CA-91)
weitergefahren, der in Buena Park nach der Kreuzung mit dem Beach Blvd
(CA-39) direkt an Knott's Berry Farm vorbeiführt. Dieser Vergnügungspark
hat seine Bezeichnung von der gleichnamigen Beerenplantage, deren Namen
man in Südkalifornien als Konfitürenmarke allenthalben begegnet. Außer
6,00 $ Parkgebühr kostete der Eintritt für zwei Personen immerhin
63,90 $. Nach unserem Eindruck ist der Park zwar kleiner als Disneyland,
bietet aber großenteils andere Shows, Attraktionen und Fahrbetriebe
(Must Ride), deren Aufzählung hier müßig wäre. Fasziniert hat uns unter
anderem eine Wildwasserfahrt
(Bild 4.95), bei der auf die
Passagiere plötzlich ein künstlicher Wasserfall herabprasselte, sobald
ihr floßähnliches Gefährt an der richtigen Position war. So angenehm
diese Erfrischung bei dem warmen Sommerwetter vermutlich war und
so sicher die Brieftaschen und Geldbörsen auch in einem wasserdichten
Behälter untergebracht wurden, wollten wir am letzten Tag vor unserer
Rückreise dennoch nur ungern bis auf die Haut durchnäßt werden und
unser Zeug ggf. am Abend in einer Laundry trocknen müssen. Also sahen
wir uns stattdessen etliche der sonstigen zahlreichen Attraktionen und
Shows an, unter anderem auch Indianertänze sowie eine Stuntman-Show.
Am Abend fuhren wir auf der CA-91 weiter nach Westen, die zunächst
Artesia Freeway, dann Redondo Beach Freeway und zum Schluß als normale
Straße Artesia Blvd heißt, bis wir den Sepulveda Blvd erreicht hatten.
Auf diesem berühmten Highway 1 ging es dann nach Norden in Richtung
LA International Airport, bis wir kurz davor am Hazienda Hotel at
LAX, 525 N. Sepulveda Blvd in El Segundo ankamen. Dort hatten wir ein
Zimmer für die letzte Nacht gebucht, um in Flughafennähe in aller Ruhe
unsere Koffer für den Rückflug zu packen. Damit waren wir gegen 0.30
Uhr auch tatsächlich fertig.
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Rückflug von Los Angeles nach Hannover
[18./19.07.1997]
Nachdem wir gründlich ausgeschlafen und uns das letzte amerikanische
Frühstück gegönnt hatten, zog es uns zum Abschied nochmals nach Rancho
Palos Verdes an die Pazifikküste auf der Halbinsel zwischen Redondo
Beach und Long Beach bzw. dem Hafen von LA. Vom Palos Verdes Drive hat
man hier einen herrlichen Ausblick auf den Pazifischen Ozean, der uns
immer wieder gefällt (Bild 4.96).
Durch den in diesem Gebiet verlaufenden Andreasgraben am Westrand der
amerikanischen Kontinentalplatte ist der Untergrund hier dermaßen
unsicher, daß die Straße stellenweise an eine Berg-und-Tal-Bahn
erinnert und sogar eine Wasserleitung oberirdisch verlegt ist, damit
sie bei einem Rohrbruch durch die ständig auftretenden Bodenbewegungen
einfach repariert und der neuen Geländeform angepaßt werden kann. Bei
unserer ersten Reise (1987) war diese Gegend deswegen kaum bebaut, weil
die Standsicherheit der Häuser offenbar nicht zu gewährleisten ist.
Bei dieser Reise (1997), d.h. 10 Jahre später, fanden wir hier
zahlreiche Häuser in großen Gärten vor, die offensichtlich von
Gärtnern mexikanischer Abstammung gepflegt wurden. Sofern man nur
genügend Geld hat, spielt es bei der prachtvollen Aussicht vermutlich
keine Rolle mehr, wenn das Haus durch mögliche Erdverschiebungen hin
und wieder mal zu Bruch geht. Das war jedenfalls unser persönlicher
Eindruck beim Betrachten dieser Entwicklung.
Nach einem abschließenden Besuch im Del Amo Fashion Mall in Torrance haben wir dann gegen 16.30 Uhr unseren Mietwagen abgegeben und anschließend bei British Airways für den Rückflug eingecheckt. Der Flug von LAX nach London Heathrow dauerte von 20.55 Uhr bis 15.15 Uhr Ortszeit am nächsten Tag, also 10 h 20 min (18 h 20 min – 8 h Zeitdifferenz zwischen WESZ und PDT). Da wir in London gut 3 Stunden Aufenthalt hatten, gab es diesmal keine Probleme, den Anschlußflug nach Hannover zu erreichen. Dieser Flug dauerte von 18.20 Uhr bis 20.45 Uhr (jeweilige Ortszeit), abzüglich der einstündigen Zeitdifferenz zwischen MESZ und WESZ also knapp 1½ Stunden. Da wir im Gegensatz zur ursprünglichen Planung mit dem Auto vom Flughafen Hannover abgeholt wurden, waren wir bereits gegen 22.30 wohlbehalten wieder zu Hause in Braunschweig. [‹ Index]
Stand: 10.09.2009 / © MG