Hinweis: Die Tagebuchnotizen sind in chronologischer Reihenfolge angegeben. Zum einfacheren Auffinden markanter Sehenswürdigkeiten ist der folgende Index mit Verweisen auf die betreffenden Notizen in acht getrennten Kategorien jeweils alphabetisch geordnet. Zu den Verweisen in diesem Reisebericht kann man mit dem Rückpfeil des Browsers zurückkehren.
Independence Day am Gateway Arch
(St. Louis MO) [04.07.1997]
Wie wir zuvor am Welcome Center erfahren hatten, sollten in St. Louis die
meisten Attraktionen zum amerikanichen Nationalfeiertag, dem Independence
Day, am Gateway Arch stattfinden bzw. von dort aus zu beobachten sein. Als
wir dort am frühen Vormittag eintrafen, war leicht zu erkennen, daß
wir dort keinesfalls unter Einsamkeit zu leiden hätten
(Bild 4.42). Sehenswert waren die
zahlreichen Flugvorführungen über dem Mississippi, an den dieses Gelände
unmittelbar angrenzt. Dort wurden nicht nur viele verschiedene Flugzeuge
vorgestellt, sondern auch Prototypen, die nie in Serie produziert worden
sind. Bei dem einen oder anderen Tiefflug hielt man sich freiwillig die
Ohren zu, um den entsprechenden Fluglärm ertragen zu können. Am
beeindruckendsten fanden wir den Kunstflug eines kleinen Doppeldeckers,
dessen Pilot das Stottern des Motors mit anschließendem Ausfall und Brand
einschließlich Geräuschkulisse und Rauchfahne simulierte, dann fast
senkrecht auf den Mississippi zutrudelte, bis er das Flugzeug im wahrlich
letzten Moment abfing, knapp über dem Wasserspiegel entlangschoß und
dann wieder in Steigflug überging. Auch die Zielsprünge von
Fallschirmspringern auf eine recht kleine freie Rasenfläche inmitten der
Besucher ließen viele Ahs Ohs und den entsprechenden Applaus vernehmen.
Für die Fahrt mit der Kabinenbahn auf den Gateway Arch gab es Tickets für
feste Abfahrtszeiten, die trotz des starken Andranges an diesem Feiertag
nur etwa 2 Stunden nach dem Kartenkauf lagen. Sofern man zur Abfahrtszeit
pünktlich zur Stelle war, konnte man sich in der Zwischenzeit auf der
Festwiese vergnügen. Aus 192 m Höhe hatten wir einen hervorragenden Ausblick
nach Osten über den Mississippi auf die Anlegestelle des Casinodampfers
(Bild 4.43) und nach Westen auf die
Innenstadt von St. Louis (Bild 4.44).
Da wir wegen des langen Wochenendes nach dem Independence Day in St. Louis
ohne Reservierung kein Motelzimmer für die folgende Nacht bekommen hatten,
brachen wir vom Gateway Arch bereits am Nachmittag auf, um uns vor dem
Verlassen der Stadt noch zwei weitere Sehenswürdigkeiten anzuschauen.
Beim Rückblick von der Market Street konnten wir noch ein Luftschiff am
Gateway Arch beobachten (Bild 4.45).
Eine Besichtigung der größten US-Brauerei Anheuser-Busch (Budweiser), die
etwas südlich des Gateway Arch in dem Industriegebiet am Mississippi
(Ecke 13th St. / Lynch St.) liegt, haben wir wegen des Trubels und der
Übernachtungssituation an diesem Wochenende nicht ernsthaft erwogen.
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Union Station & National Museum of
Transportation (St. Louis MO) [04.07.1997]
Selbstverständlich gibt es in und um St. Louis dermaßen viel zu sehen und
zu besichtigen, daß etwa ein Tag dafür bei weitem nicht ausreicht. Wegen
des Trubels am Independence Day und der dadurch unerwarteten Zimmerknappheit
hatten wir außer dessen Teilnahme für den Nachmittag in St. Louis nur noch
etwas Eisenbahngeschichte vorgenommen, und zwar die Union Station als
ehemaligen Bahnknotenpunkt und das National Museum of Transportation. Die
Union Station liegt 14 Blocks vom Gateway Arch entfernt 1820 Market
Street, und wegen der gesperrten Parkmöglichkeiten am Straßenrand sind wir
dort zu Fuß hingegangen. Entweder hatten wir vorher nicht die richtigen
Reiseführer studiert oder deren Beschreibungen nicht richtig verinnerlicht,
denn die Union Station war inzwischen ein Bahnhof ohne Eisenbahn. Das immer
noch imposante Gebäude von 1894 ist zwar hervorragend restauriert, jedoch
zu einer Einkaufspassage mit etlichen kleineren Restaurants und Imbissen
umgebaut worden. Nach dem Fußmarsch dorthin waren wir zwar froh, dort
eine Erfrischung zu uns zu nehmen und dabei zur Feier des Tages auch einem
Jongleur zuzuschauen, aber allein deswegen hätten wir bei der knappen Zeit
den Weg dorthin nicht auf uns genommen. Nachdem wir den Rückweg zu unserem
Auto auf einem Hotelparkplatz am Gateway Arch ebenfalls zu Fuß hinter uns
gebracht hatten, verließen wir die Innenstadt von St. Louis auf der I-44,
die hier auf der Trasse der historischen Route 66 verläuft
(Bild 4.01). Durch Missouri sind wir
im wesentlichen dieser in südwestlicher Richtung verlaufenden Interstate
bis zur Grenze von Kansas bzw. Oklahoma gefolgt. Lediglich vor Springfield
sind wir einen nördlichen Bogen über Camdenton und die Bridal Cave
gefahren, ohne jedoch dort etwas zu besichtigen.
Für das Museum of Transportation wird zwar meistens der Ort St. Louis angegeben, aber es liegt tatsächlich außerhalb der Stadtgrenzen in Kirkwood im St. Louis County nahe an der I-44. Am einfachsten findet man hin, wenn man von der I-44 nach Norden auf die I-270 abzweigt, die man an der Ausfahrt Dougherty Ferry Road verläßt. Diese Straße führt nach Westen bis zur Barret Station Road, in die man nach links (Süden) abbiegt und dann direkt bis zum Museum of Transportation fährt, das auf der rechten Seite liegt (3015 Barret Station Rd.). Hier wurden unsere Erwartungen durch eine umfangreiche Ausstellung der unterschiedlichsten Transportmethoden aus neuerer Vergangenheit erfüllt, denn es gab Lokomotiven, Personen- und Güterwagen, Straßenbahnen, Autos uam. zu sehen. Dabei lag der Schwerpunkt eindeutig auf der Eisenbahngeschichte. Außerdem gab es eine Miniatureisenbahn für Rundfahrten durch das Freigelände. Ältere bzw. wertvollere Waggons und die Autos waren in Gebäuden untergebracht. Nach John H. White, einem emeritierten Kurator der Smithsonian Institution, hat das Museum of Transportation eine der größten und besten Sammlungen von Transportfahrzeugen in der Welt. Nachdem das Museum am Abend geschlossen wurde, sind wir zur I-44 zurückgefahren und dieser Interstate nach Südwesten gefolgt. Etwa 30 Meilen weiter waren wir offenbar weit genug von St. Louis entfernt und haben in St. Clair problemlos ein Quartier für die Nacht gefunden. [‹ Index]
Meramec Caverns (MO) [05.07.1997]
Schon seit den Anfangszeiten der Route 66 gehören die Meramec Caverns
bei Stanton MO zu den markanten Sehenswürdigkeiten am Wegesrand. Nur 10 mi
südwestlich von St. Clair liegt Stanton als nächste Ausfahrt (Exit) der
I-44, von wo aus der Weg zu den Höhlen ausgeschildert ist. In den frühen
1870-er Jahren dienten die Meramec Caverns dem bekannten Eisenbahnräuber
Jesse James und seiner Bande als Versteck (Hideout). Daran erinnert heute
ein entsprechendes Denkmal (Historical Marker) vor dem Höhleneingang
(Bild 4.46). Die Höhlenführung, bei der
wir einige der weltweit größten Einzelformationen aus Tropfstein zu sehen
bekamen, dauerte etwa 1½ Stunden. Besonders beeindruckend ist der
Stage Curtain (Theater- bzw. Bühnenvorhang) aus Tropfstein
(Bild 4.47), der wie andere Formationen
nicht nur mit weißem, sondern auch mit farbigem Licht illuminiert wurde.
Sehr zur Freude der amerikanischen Besucher wurde zum Abschluß auch noch die
Nationalflagge (Stars and Stripes) auf diese flächige Tropfsteinformation
projiziert. Alles in allem eine sehenswerte Tropfsteinhöhle.
Etwa 30 mi weiter liegt der kleine Ort Cuba MO mit ca. 2500 Einwohnern. In dem dortigen Wagon Wheel Motel mit seinen 18 Zimmern schien durch die liebevolle Pflege seiner Eigentümer die Zeit stehen geblieben zu sein. Trotz der niedrigen Preise verirrte sich jedoch kaum noch ein Gast in diesen Motel-Klassiker, und es war fraglich, wie lange dessen Niedergang noch aufgehalten werden konnte. Wir haben es geradezu bedauert, daß es in der Mittagszeit für uns zum Einkehren und Übernachten noch zu früh war. Statt dessen sind wir über die I-44 bis Laquey (Exit 150) und dann nach Nordwesten über die MO-7 nach Camdenton weitergefahren, um dort die Bridal Cave an der MO-5 3½ mi nordwestlich dieses Ortes zu besichtigen. Die Zufahrt zur Höhle war schwer zu finden. Außerdem erschien uns der Eintrittpreis zu hoch, so daß wir auf eine Besichtigung verzichteten, nachdem wir sie endlich gefunden hatten. Unser zweites Ziel in Camdenton war das Automuseum Kelsy's Cars an der MO-5. Leider hatte dieses Museum geschlossen, so daß wir unverrichteter Dinge über die US-54, MO-73 und US-65 auf dem direkten Wege nach Springfield MO zum Übernachten weitergefahren sind. [‹ Index]
Connie's Antiques (Joplin MO)
[06.07.1997]
Entsprechend den Empfehlungen unseres neuesten Reiseführers über die
Route 66 (Chowanetz: Route 66) sind wir
von Springfield aus nicht auf dem Freeway I-44 nach Westen weitergefahren,
sondern zunächst der MO-266 und dann der MO-96, die hier teilweise auf der
Trasse der alten Route 66 verläuft, bis Carthage gefolgt. Von dort aus ging
es über die US-71 South weiter in Richtung Joplin MO, in dessen
Außenbezirken an der US-71 Business Route die Halle mit Connie's Antiques
liegt (Bild 4.48). Die knappe
Wegbeschreibung in dem erst ein Jahr alten Reiseführer traf wegen neuer
Straßenumbauten nicht mehr exakt zu, aber wir haben dennoch hingefunden.
Connie's Antiques könnte man am ehesten als eine Art permanenten Flohmarkt
(Flea Market) bezeichnen. Unter dem Dach der beeindruckenden täglich
geöffneten Hall stellen ca. 500 Nippes-Händler ihre angebotenen Waren aus,
die man durch Selbstbedienung zu den ausgezeichneten Preisen erwerben und
an einer zentralen Kasse bezahlen kann.
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Alt-66 (OK): Impressionen in Oklahoma
[06./07.07.1997]
Von Joplin MO verläuft die alte Route 66 knapp durch die Südostecke von
Kansas, während die heutige I-44 an Kansas vorbei von Missouri direkt
nach Oklahoma führt (Bild 4.01). Durch
Oklahoma sind wir dem Verlauf der Route 66 über Tulsa und Oklahoma City
(OKC) bis zur Westgrenze und dann weiter nach Amarillo TX gefolgt. Von
der Ostgrenze Oklahomas bis kurz vor Tulsa OK und zwischen Tulsa und
Oklahoma City ist die I-44 als Will Rogers Turnpike bzw. Turner Turnpike
mautpflichtig (Toll Road). Daher haben wir wie die "Okies" die
neben diesen Turnpikes verlaufenden gut erhaltenen Stücke der klassischen
Route 66 benutzt. Um in der Nordostecke von Oklahoma der Straßenmaut zu
entgehen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Der Weg auf der Route 66 und der
Alt-69 über Galena, Riverton und Baxter Springs in Kansas erschien uns
nicht lohnend. Statt dessen sind wir von Joplin MO auf der MO-43 nach
Süden über Seneca bis zur US-60 gefahren, der wir bis 4 mi über Vineta OK
hinaus nach Westen gefolgt sind. Dort zweigt die historische R-66 nach
Südwesten ab, die im wesentlichen bis Oklahoma City neben der mautpflichtigen
I-44 verläuft. Lediglich in der Ortsdurchfahrt von Tulsa liegt die R-66
auf der hier mautfreien I-44. Von Oklahoma City, wo wir übernachtet haben,
führt die mautfreie I-40 weiter nach Westen direkt bis Amarillo TX. In dem
bereits erwähnten Reiseführer (Chowanetz:
Route 66) sind zahlreiche Straßenstücke und Business Routes neben der
I-40 beschrieben, auf denen man Reststücken der historischen Route 66 noch
folgen kann. An einer solchen BR-40 gleich hinter OKC entdeckt man dann
zum Beispiel diese aufgelassene historische Tankstelle mit ihren
handbetriebenen Benzinpumpen und einem zeitgenössischen Pick-up
(Bild 4.49). Weiter abseits gelegene Orte
wie Calumet und Geary an der US-270 bzw. US-281/OK-8 haben wir wegen der
streckenweise unbefestigten Straßen vermieden. Interessant ist jedoch die
gut 7 Meilen lange Nebenstrecke vom Exit 108 über Spur-281 und US-281 zum
Exit 101 wegen der historischen Brücke mit ihren 38 Bögen über den South
Canadian River (Bild 4.50). Danach
fanden wir die Ortsdurchfahrt von Clinton OK auf der BR-40 zwischen
Exit 69 und Exit 65 recht eindrucksvoll, weil sie den morbiden Charme einer
Wildweststadt ausstrahlt, in der die Zeit seit über 50 Jahren offensichtlich
stehen geblieben ist und deren Entwicklung durch den Niedergang der Route 66
geprägt wird (Bild 4.51).
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Palo Duro Canyon SP (Amarillo TX)
[07.07.1997]
Als wir am frühen Montag nachmittag in Amarillo angekommen und Quartier
bezogen hatten, war noch genügend Zeit, um den Palo Duro Canyon State Park
im Südosten der Stadt anzuschauen. Von Amarillo fährt man ca. 17 mi auf der
I-27 nach Süden bis zur TX-217, die nach Osten bis zum Palo Duro Canyon
führt. Vom Aussichtspunkt am Visitor Center bot sich ein guter Überblick über
weite Teile dieses Canyon (Bild 4.52),
den der Palo Duro River in den roten Sandstein geschnitten hat. Auf einer
Freilichtbühne unten im Canyon wurde an Sommerabenden vor dieser
Wildwestkulisse das Musical "Texas" aufgeführt, das wir uns jedoch
nicht angesehen haben. Nicht weit von dieser Freilichtbühne entfernt gab es
einen größeren Coffee Shop, in dem man allerlei Erfrischungen und Souvenirs
erwerben konnte, u.a. auch geflochtene Wildwest-Lederpeitschen "Made
in China". Bei unserer Rundfahrt durch den Canyon sind wir durch
insgesamt fünf sog. Dips bzw. Crossings (Geländesenken) gefahren, in denen
bei Regenfällen das Wasser einfach über die Straße läuft. Bei Crossing 5 stand
vom letzten Regenguß noch etwas Wasser auf der Straße, obwohl der mitgeführte
Schlamm bereits weggeräumt war (Bild 4.53).
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Viehauktion (Amarillo TX)
& Cadillac Ranch [08.07.1997]
Mit einiger Knobelei haben wir die Reiseroute so geplant, daß wir an einem
Dienstag vormittag in Amarillo sein konnten. An diesem Tag findet hier
nämlich die berühmte wöchentliche Viehauktion statt, üblicherweise
ab 10.00 Uhr, an diesem Tage jedoch ausnahmsweise ab 11.00 Uhr. Diese größte
Viehbörse von Texas, an der bisher über 300 000 Sück Vieh verkauft
wurden, befindet sich 3000 East 3rd Ave. Die zugehörige Auktionsarena
(Bild 4.54) erreicht man jedoch über 300
South Manhatten St. Die dahinter liegenden weitgehend ungenutzten Stockyards
(Bild 4.55) ließen bei uns allerdings den
Verdacht aufkeimen, daß die große Zeit dieser "Livestock Auction"
bereits überschritten ist, sofern nicht zu anderen Jahreszeiten deutlich mehr
Vieh aufgetrieben wird. Trotzdem war eine solche Auktion, an der man ohne
Eintrittsgeld teilnehmen konnte, ein äußerst beeindruckendes Erlebnis. Es ist
immer wieder fast unvorstellbar, daß ein Viehauktionator schneller sprechen
als man selbst zuhören kann. Das Gewicht jedes vorgeführten Tieres wurde
angezeigt, und die Gebote wurden in $ / 100 lbs Lebendgewicht
abgegeben. Vorsorglich haben wir uns jedoch mit Gesten jeder Art zurückgehalten,
die als Abgabe eines Gebotes hätten angesehen werden können. Trotz alledem
waren wir für die anwesenden Farmer und Viehhändler als Touristen erkennbar
und wurden dementsprechend gemustert. Weitere Details sind in der Erläuterung
unter dem o.a. Bild 4.54 enthalten.
Die sog. Cadillac Ranch, etwa 5 mi westlich von Amarillo, ist an sich nur der Gag eines Farmers, der vor vielen Jahren auf einem seiner Felder zehn schrottreife Cadillacs mit der Frontpartie in die Erde eingegraben hat, so daß deren Hecks schräg nach oben ragen (Bild 4.56). Trotzdem findet man Bilder dieser Autos immer wieder in den verschiedensten Touristik-Veröffentlichungen. Daher konnten auch wir der Versuchung nicht widerstehen, dieses 'Kultdenkmal' aufzusuchen. Es war nicht so ganz einfach zu finden, weil die westlich von Amarillo ausgeschilderte Route 66 nicht an der Cadillac Ranch vorbeiführt und wir auch keinerlei Hinweisschilder entdecken konnten. Von Amarillo kommend fährt man am besten auf der I-40 nach Westen zunächst an der Cadillac Ranch vorbei bis zum Exit 62 (Hope Rd) und dann auf der südlichen I-40 Access Road (Service bzw. Frontage Road) nach Osten in Richtung Amarillo zurück (One Way = Einbahnstraße). In der Nähe der kreuzenden Helium Rd, die keine Ausfahrt von der I-40 hat, sieht man dann die aufragenden Autos rechter Hand im Feld stecken. Man kann am Straßenrand parken und über einen Feldweg zu Fuß dort hingehen. Der Besucherandrang ist eher gering, wenn man überhaupt noch jemand anderen antrifft. Wie das Bild zeigt, sind die zehn Autos inzwischen bereits ziemlich verrottet und mit Graffiti besprüht. Zurück zur Interstate kommt man auf der I-40 Access Road in Einbahnrichtung weiter bis zum nächsten Exit 64 (Soncy Rd).
Weiter westlich von Amarillo in Richtung New Mexico gelangt man von der I-40 über Exit 28 zwischen Vega und Adrian TX zu dem Geschäft Route 66 Antiques (Bild 4.57), einer Mischung aus Restaurant im Diner's Look, Museum und Trödel-Laden, das durchaus einen Besuch wert ist. Von dort aus führte uns der Weg längs der I-40 quer durch ganz New Mexico (Bild 4.01) über Tucumcari, Santa Rosa, Clines Corners zunächst bis Moriarty (ca. 35 mi vor Albuquerque), wo wir übernachtet haben. Den in die Reiseroute eingetragenen Abstecher von Albuquerque nach Norden (Los Alamos) sind wir dann doch nicht gefahren. Stattdessen ging es am nächsten Tag weiter nach Arizona und dort auf der US-666 nach Süden bis zur mexikanischen Grenze. Auf unseren älteren Goushã-Straßenkarten (von etwa 1986) ist in Texas und New Mexico die I-40 meistens auch noch als US-66 gekennzeichnet. Da die Interstate weitgehend auf derselben Trasse liegt, ist die historische Route 66 hier natürlich über weite Strecken untergegangen, sei es, indem sie direkt überbaut wurde, oder sei es, daß die I-40 zwar dicht daneben verläuft und die US-66 dadurch zu einem desolaten Zustand verkommen ist. Der Freeway I-40 umgeht jedoch alle kleineren Ortschaften, so daß in den meisten Ortsdurchfahrten die historische Route 66 mit ihren Motels und Restaurants als Business Route der I-40 noch erhalten geblieben ist. Bemerkenwert fanden wir auch dieses Mal wieder den Truck Stop in Clines Cornerns an der Kreuzung der I-40 mit der US-285, den wir bei unserer letzten Reise bereits kennengelernt hatten. Diese Mischung aus Tankstelle, Schnellrestaurant und großangelegtem Souvenirshop inmitten der Wüste von New Mexico hatte für uns auch bei diesem Besuch wieder ihren ganz besonderen Reiz. Auf die Business Route durch den nächsten Ort Moriarty wurde an dem betreffenden Exit der I-40 nicht einfach mit der sonst üblichen Angabe "Gas, Food, Lodging" hingewiesen, sondern es wurde die jeweilige Anzahl von Restaurants, Motels und Kirchen genannt. Diese Praxis, mit der Reisende von der Interstate in den Ort gelockt werden sollen, war uns auch schon bei einigen anderen Ortschaften an der I-40 aufgefallen, in denen die historische Route 66 gepflegt wird. In dem recht großen preiswerten Motel gab es im Gegensatz zu dem gut besuchten gegenüberliegen Restaurant nur recht wenige Gäste. Als wir am späten Nachmittag noch zum Waschsalon aufbrachen, flogen uns auf dem geschotterten Motelparkplatz durch ein paar starke Windböen die Sandkörner nur so um die Ohren sowie in Mund und Nase. Den Waschsalon hätten wir ohne Nachfrage im Motel-Office vermutlich kaum gefunden, denn er lag direkt neben einer Autowaschstraße am Ortsrand schon fast in der Feldmark. [‹ Index]
Sandia Peak (Albuquerque NM)
[09.07.1997]
Am Morgen ging es weiter nach Albuquerque und dort mit der längsten Seilbahn
der USA auf den 10 378 ft (ca. 3163 m) hohen Sandia Peak. Die Stadt
liegt 1507 m über dem Meer, und die Talstation der Seilbahn liegt 2000 m hoch.
Von der I-40 führt Exit 167 zum Tramway Blvd, auf dem man nach etwa 9 mi in
nördlicher Richtung die Talstation erreicht. Da wir bereits vor 10.00 Uhr da
waren, bekamen wir noch Tickets zum günstigen "Early Bird Tarif".
Bei strahlendem Sonnenschein hatten wir einen guten Rundblick auf die
umgebende Landschaft. Gut gefallen hat uns das Hinweisschild mit numerierten
Peilrohren, durch die man die jeweiligen Landschaftspunkte (z.B. Berggipfel)
eindeutig auffinden konnte (Bild 4.58).
Bei der Talfahrt ist neben der entgegenkommenden Gondel ein Teil der Stadt
Albuquerque am Fuße des Sandia Peak zu erkennen
(Bild 4.59).
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Alt-66 (NM): Zeichen des Verfalls
[09.07.1997]
Westlich von Albuquerque haben wir auf der Straßenkarte ein etwa 18 mi
(ca. 29 km) langes Stück der historischen Route 66 zwischen den Exits 114
(Laguna) und 96 (McCartys) parallel zur I-40 entdeckt, dem wir nicht
widerstehen konnten. Diese alte Parallelstrecke führt durch den kleinen
Ort San Fidel, in dem es immerhin ein modernes, solide gebautes
Postamt gab (Bild 4.60), in der sich die
Koautorin mit Briefmarken für die noch zu schreibenden Urlaubskarten an
die Daheimgebliebenen eindecken konnte. Ich selbst war im Auto geblieben
und hatte Muße, auch die gegenüberliegende Straßenseite zu betrachten und
auf Film zu bannen (Bild 4.61). Der
Unterschied ist offensichtlich bemerkenswert, auf der Südseite das fast
neue Postamt, und auf der Nordseite der für manche Stellen an der Route 66
so typische Niedergang und Verfall, der auch durch das offenbar schon vor
Jahren ausgebrannte Motel etwas weiter am Ortsausgang von San Fidel sichtbar
wurde (Bild 4.62).
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Mining Museum (Grants NM) &
Swap Meet 66 (Milan Bluewater NM) [09.07.1997]
Etwa 20 mi westlich von San Fidel liegt der Bergwerksort Grants, in dessen
Gebiet 1950 Uran gefunden wurde und der Ortschaft eine kurze Blütezeit als
"Welthauptstadt der Uranförderung" bescherte. Das dortige
Mining Museum (100 Iron St., Ecke Santa Fe Ave./Route 66) ist als
angeblich einziges Museum der Welt diesem Thema gewidmet. Außer der Bohrkrone zum
Schildvortrieb (Bild 4.63) am
Museumseingang mit der Koautorin zum Größenvergleich gibt es ein paar
weitere Exponate im Freigelände. Ansonsten sind im Inneren des
Museumsgebäudes Teile von Untertageanlagen zur Besichtigung nachgebaut
worden, in denen auch die typischen Einrichtungen und Abbaumaschinen
eines solchen Bergwerkes ausgestellt sind.
Vom Mining Museum in Grants sind wir der alten Route 66 (Santa Fe Ave.), die hier nordöstlich der I-40 verläuft, weiter in westlicher Richtung gefolgt. Vom nächsten Ort Milan an wird diese Straße zur Verwirrung der Reisenden bis zur Grenze des Cibola County als NM-122 bezeichnet, auf der wir durch Milan und Bluewater weitergefahren sind. Kurz hinter Bluewater liegt der Route 66 der Swap Meet 66 (Bild 4.64), auf den in unserem Reiseführer (Chowanetz: Route 66) eigens hingewiesen wird. Natürlich trifft man sich hier nicht mehr zum Tauschen, sondern der ältere Inhaber dieses sog. Tausch-Treffs handelte statt dessen mit allerlei Trödel, insbesondere jedoch mit gebrauchten Autokennzeichen (License Plates) aus den verschiedensten Bundesstaaten, von denen er sicher Tausende im Angebot hatte. Da konnten wir nicht widerstehen und haben uns mit einem kleinen Sortiment aus halbwegs preiswerten nicht ganz so alten Kennzeichen eingedeckt, teils als Souvenirs für uns selbst und teils als Mitbringsel für ein paar Fans daheim. [‹ Index]
Bergstrecke US-666 in Arizona (AZ)
[09./10.07.1997]
Da wir den Petrified Forest NP bei Holbrook AZ von unserer letzten
Reise (1994 durch die Rocky Mountains) bereits kannten, haben wir ihn
bei dieser Reise ausgelassen und statt dessen einen Abstecher nach
Süden bis zur mexikanischen Grenze unternommen
(Bild 4.01), um das Bergbaurevier
um Bisbee zu besichtigen. Etwa 20 mi hinter der Grenze zwischen
New Mexico und Arizona zweigt die großenteils als landschaftlich schöne
Strecke gekennzeichnete US-666 nach Süden von der I-40 ab. Sie
führt über die uns zuvor unbekannten Orte St. Johns, Edgar, Alpine,
Morenci, Stafford, Willcox bis Douglas direkt an der mexikanischen
Grenze. Von dort aus ging es dann wieder nach Nordwesten auf der US-80
über Bisbee und Tombstone bis zur I-10 und auf der zunächst bis Tucson
(auf der Karte bei etwa
1/3 der nach
Nordwest verlaufenden Reiseroute in Süd-Arizona).
Am Abend des 09.07. sind wir nach den Besichtigungen in New Mexico noch bis St. Johns AZ weitergefahren, wo wir in einem der beiden vorgefundenen Motels übernachtet haben. Zum Abendessen und Frühstücken bot sich Katy's Kountry Kitchen (Bild 4.65) an, das einzige Schnellrestaurant, das wir dort entdeckt haben. Bei seinem in eigenwilliger amerikanischer Orthographie geschriebenen Namen war die Einrichtung dieses Lokals einfach und rustikal, das Essen jedoch gut und reichlich. Gefallen hat uns auch die Galerie amerikanischer Autokennzeichen am Dachkasten, die auf dem Bild im Schatten unter dem Dachüberstand kaum zu erkennen ist. Auf den nächsten gut 50 mi liegen die US-666 und die US-180 aufeinander. Hier herrschte noch der übliche schwache Verkehr, und es gab auch eine Straßenbaustelle mit zwei "Flagmen" als selbsttätig mitwandernde Signalanlage zum Regeln des Einbahnverkehrs (Bild 4.66). Wie auf dem Bild deutlich zu erkennen, ist ein solcher Flagman, der uns hier zum Anhalten veranlaßte, heutzutage meistens weiblich. Hinter Alpine machte uns ein großes Schild am Straßenrand auf die hier beginnende Servicewüste entlang der allein verlaufenden US-666 aufmerksam. Die beiden entscheidenden Sätze lauteten: "No Road Services next 95 Miles." und "No Snowploughing in Winter." Im Juli konnten wir natürlich auf das Schneepflügen gut verzichten, und mit fast vollem Tank hatten wir auch vor 95 Meilen (ca. 153 km) ohne Tankstellen keine Bedenken. Die Strecke war wirklich malerisch, und wir haben fast kein anderes Auto zu sehen bekommen. Wir fuhren aus einer Höhe von 8030 ft (ca. 2448 m) in Alpine immer wieder durch Senken und über Anhöhen des Sitgreaves National Forest durch frisches Grün eines Laubwaldes. Stellenweise regnete es dort sogar, was gar nicht zu unserer Vorstellung von dem Wüstenstaat Arizona passen wollte. Nach über 70 mi waren wir bei Granville immer noch auf einer Höhe von 6948 ft (ca. 2118 m). Erst danach ging es auf den nächsten 14 mi über Morenci (4710 ft = ca. 1436 m) hinunter auf 3464 ft (ca. 1056 m) in Clifton, und die erwartete Wüste Arizonas hatte uns wieder. In diesem Höhenbereich ging es dann weiter bis zu unserem Tagesziel Douglas (3990 ft = ca. 1216 m) an der mexikanischen Grenze. Details der in Südost-Arizona gesehenen oder besichtigten Kupferbergwerke werden im ersten Punkt der Tagebuchnotizen 5 beschrieben. [‹ Index]
Stand: 10.09.2009 / © MG