Hinweis: Die Tagebuchnotizen sind in chronologischer Reihenfolge angegeben. Zum einfacheren Auffinden markanter Sehenswürdigkeiten ist der folgende Index mit Verweisen auf die betreffenden Notizen in acht getrennten Kategorien jeweils alphabetisch geordnet. Zu den Verweisen in diesem Reisebericht kann man mit dem Rückpfeil des Browsers zurückkehren.
Cumbres & Toltec Scenic RR (Chama NM)
[20.06.1997]
Von Montrose aus sind wir nicht direkt nach Denver, sondern zusätzlich
eine Schleife nach Süden über Chama NM und Antonito CO gefahren, um die
"Cumbres & Toltec Scenic Railroad" als zweite im Grenzgebiet
der San Juan Mountains zwischen Colorado und New Mexico noch betriebene
Schmalspurbahn zu besichtigen (Bild 4.01).
Obwohl ein entsprechender Abstecher nach Norden von der Route 66 bei der
Rückfahrt nach LA kürzer gewesen wäre, haben wir unsere Reiseroute auf
diese Weise geplant und abgefahren, um eine der nur dienstags stattfindenden
Viehauktionen in Amarillo TX besuchen zu können. Von Antonito aus ging es
dann, wie in den folgenden Punkten beschrieben, weiter nach Denver.
Unsere Fahrt von Montrose CO nach Chama NM führte zunächst über die US-50 nach Osten und ab 9 mi vor dem Ort Gunnison über die CO-149 nach Süden. Ab South Fork CO ging es weiter auf der US-160 nach Pagosa Springs CO und von dort auf der US-84 in Richtung Santa Fe, bis etwa 18 mi hinter der Grenze nach New Mexico der Hwy-17 nach Chama NM abzweigt. Alle genannten Straßen sind durchgehend als landschaftlich schöne Strecken (Scenic Roads) gekennzeichnet und führen über mehrere 10850 ft (ca. 3307 m) bis 11360 ft (ca. 3463 m) hohe Pässe. Der schön restaurierte Bahnhof mit einer unter Dampf stehenden Lokomotive der ehemaligen Denver & Rio Grande RR aus der Zeit um 1925 waren schnell gefunden (Bild 4.15). Allerdings war am Nachmittag kein Fahrkartenschalter geöffnet, so daß wir nicht herausbekommen haben, ob am nächten Tag noch Tickets für eine der wenigen Zugfahrten erhältlich waren. Andererseits fand an diesem bevorstehenden Wochenende in Chama ein größeres Jugendtreffen statt, durch das offenbar sämtliche Quartiere ausgebucht waren. Wir haben deshalb gar nicht mehr alle 21 Unterkunftsbetriebe in diesem Ort mit etwa 1100 Einwohnern abgeklappert, sondern bereits vorher beschlossen weiterzufahren. Wegen der unerwartet zahlreichen Besucher hätten wir vermutlich am nächsten Tag ohnehin keine Plätze mehr für eine der Zugfahrten bekommen. Obwohl der Bahnhof und auch die Lokomotiven offensichtlich in einem guten Zustand waren, machten die bereitgestellten Wagen einen durchaus sanierungsbedürftigen Eindruck. Für diesen Zweck wurde um Spenden bzw. Mitgliedschaft in einem Förderverein für diese Schmalspurbahn geworben, die nach Angaben in einem Werbefaltblatt offenbar den beiden Bundesstaaten New Mexico und Colorado gehört (Jointly Owned by New Mexico & Colorado). Der Wagenpark der während der letzten Reise (1994) besuchten Durango & Silverton NGRR, die von einer eignen Betriebsgesellschaft unterhalten wird, machte auf uns seinerzeit einen deutlich gepflegteren Eindruck.
Nachdem wir Bahnhof, Lokomotiven, Wagen und Souvenirshop ausreichend inspiziert hatten, sind wir auf dem Hwy-17 in Richtung Antonito CO gefahren. Diese Straße führt zunächst bis über den 10022 ft (ca. 3055 m) hohen Cumbres Pass parallel zur Bahnlinie, auf der wir noch einen Zug beobachten konnten. Einige Meilen hinter diesem Pass trennen sich Bahn und Straße. Die Bahnline folgt dem Rio De Los Pinos durch die Toltec Gorge, und der Hwy-17 führt über den mit 10230 ft (ca. 3118 m) um 63 m höheren La Manga Pass ins Tal des weiter nördlich verlaufenden Conejos River, dem sie bis Antonito folgt. Obwohl der Ort Antonito mit ca. 1100 Einwohnern fast genau so groß ist wie Chama, wirkte er auf uns am späten Nachmittag mit den verlassen daliegenden Bahnanlagen so wenig einladend wie eine Ghosttown. Vielleicht haben wir ja eine in dem kleinen Ortskern versteckt liegende Business Route nur nicht gefunden, aber weder an der CO-17 noch an der US-285 haben wir einen Hinweis darauf entdeckt. Also sind wir zum Übernachten auf der US-285 bis in den nächsten größeren Ort Alamosa CO weitergefahren. [‹ Index]
Country Boy Mine (Breckenridge CO)
[21.06.1997]
Da wir wegen der ausgefallenen Eisenbahnfahrt mit der Cumbres & Toltec
Scenic Railroad fast einen Tag Zeit hatten, verlief unser Weg von Alamosa
CO in Richtung Denver etwas im Zickzack, um ein paar Sehenswürdigkeiten
mitzunehmen, die wir bei unseren bisherigen Reisen ausgelassen hatten.
Dieser im Folgenden beschriebene Abstecher nach Breckenridge und zurück
zum Pikes Peak verläuft südwestlich von Denver in der Nähe der
eingezeichneten Route (Bild 4.01) und
ist in der Karte nicht im Detail dargestellt. So ging es zunächst über
die CO-17 und US-285 direkt nach Norden über Mineral Hot Springs, Poncha
Springs, Johnson Village, Antero Jct bis Fairplay und von dort weiter
auf der CO-9 nach Breckenridge CO, wo wir gegen Mittag ankamen, um die
Country Boy Mine zu besichtigen. Breckenridge ist ein bekannter
Wintersportort in den Rockies mit zahlreichen vornehmen und entsprechend
teuren Hotelklötzen und Restaurants, neben dem die vergleichbaren
Nobelorte in den Alpen nahezu verblassen dürften. Da dies selbst im
Sommer nicht unsere Welt war, suchten wir schon bald die etwa 2 Meilen
östlich der Main Street an der French Gulch Road gelegene Country Boy
Mine auf (Bild 4.16). Deren Stollen
führt wie auch bei vielen anderen historischen Bergwerken von der Talflanke
mit leichter Steigung in den Berg, um das Gefälle des Stollens in Richtung
Mundloch zum Ablaufen des Grubenwassers und zum leicheren Fördern des
gewonnenen Erzes nutzen zu können. Sofern so ein altes Bergwerk keinen
weiteren Ausgang, z.B. durch einen zu Tage führenden Schacht hat, wird
eine ausreichende Bewetterung (Belüftung) heutzutage durch eingeblasene
Druckluft erzwungen, die mit einem manchmal bereits recht betagten
Kompressor erzeugt wird (Bild 4.17).
Außer der geführten Einfahrt in den Stollen (hier zu Fuß) mit den üblichen
Erläuterungen des historischen Golderzbergbaus gab es auf dem Vorplatz
eine Ausstellung zeitgenössischer Bergbaugerätschaften und -materialien
sowie die Möglichkeit, sich im Goldwaschen (Gold Panning) zu versuchen.
In der Umgebung waren außerdem etliche Halden und Ruinen als Überreste
ehemaliger Bergbautätigkeit zu bewundern. Da die vornehme Hotellerie von
Breckenridge unserer Reisekasse nicht so recht zuträglich gewesen wäre,
sind wir am späten Nachmittag über die CO-9 und die US-24 nach Südosten
in Richtung Colorado Springs gefahren, um in Woodland Park, dem
letzten größeren Ort vor dem Pikes Peak zu übernachten. Dort haben wir am
Ortsrand das etwas rustikale, dafür aber recht erschwingliche Wishing Well
Motel (Wunschbrunnen-Motel) gefunden (Bild
4.18). Bemerkenswert war auch das Abendessen in Austin's Restaurant
(228 East Highway 24), einem traditionellen amerikanischen Speiselokal mit
seiner landestypischen Mischung zwischen "rustikal und vornehm".
Nachdem uns die sehr zuvorkommende Kellnerin die "Specials of the
Day" nicht nur genannt, sondern auch geduldig beschrieben hatte,
haben wir es riskiert, eines dieser Gerichte zu bestellen, und es sehr
genossen.
[‹ Index]
Pikes Peak (CO) [22.06.1997]
Der Pikes Peak gehört mit einer Höhe von 14110 ft (ca. 4301 m) zu den
53 höchsten Gipfeln der Rocky Mountains von über 14000 ft (ca. 4267 m)
im Kernland der USA, die alle in der Nähe von Denver CO liegen. Auf
den 31. Gipfel in dieser Rangfolge führt nicht nur der durch zahlreiche
Bergrennen bekannte Pikes Peak Highway, sondern auch eine Zahnradbahn
(Cog Wheel Train bzw. Cog Railway). Von Woodland Park sind es nur 8 mi
auf der US-24 in Richtung Colorado Springs, bis man über einen der Orte
Chipita Park bzw. Cascade zum Anfang des mautpflichtigen Pikes Peak
Highway (Toll Road) kommt. Die Talstation der Zahnradbahn (Depot) liegt
im nächsten 4 mi entfernten Ort an der US-24, 515 Ruxton Ave., Manitou
Springs. Die bereits seit 1891 bestehende Zahnradbahn verwendete früher
im Schiebebetrieb spezielle Dampfloks mit schräg liegendem Kessel, die
man heute nur noch im Museum bewundern kann
(Bild 3.03). Heute werden
Züge mit zwei Dieseltriebwagen verwendet. Die Zahnstange entspicht dem
europäischen "System Abt" mit zwei unmittelbar benachbarten,
um eine halbe Zahnteilung versetzten Zahnrädern. Im Jahr unserer Reise
(1997) verkehrte die Bahn von Ende April bis Ende Oktober je nach Saison
mit täglich 2 bis 8 Zügen, im Sommer von 8.00 Uhr bis 17.20 Uhr im
Abstand von 1 h 20 min. Die Gesamtfahrzeit einschließlich eines
Gipfelaufenthaltes von 30 bis 40 min betrug 3 h 10 min. Wegen des
Andrangs werden vorherige Reservierungen dringend empfohlen, und wegen
des Höhenunterschieds von 7539 ft (ca. 2298 m) zwischen der Talstation
in Manitou Springs (6571 ft = ca. 2003 m) und dem Gipfel (14110 ft = ca.
4301 m) werden Leute mit ernsthaften Kreislauf- oder Atembeschwerden
ausdrücklich gewarnt, vor der Auffahrt ihren Arzt zu konsultieren.
Aus diesen Gründen haben wir die Fahrt mit dem Auto auf dem Pikes
Highway vorgezogen, wo man als Flachländer jederzeit anhalten kann, um
sich an die "dünnere Luft", d.h. den geringer werdenden
Luftdruck zu akklimatisieren, und ggf. sogar umzukehren, falls sich
dadurch irgendwelche unerwarteten Beschwerden einstellen sollten.
Obwohl wir den geringeren Luftdruck deutlich spürten und wir etwas wackelig auf den Beinen waren, ging jedoch ansonsten alles gut, und wir mußten nicht umkehren. Im Gegensatz zu der asphaltierten Straße auf den Mt. Evans, die wir bei unserer letzten Reise hinaufgefahren waren, erwies sich der legendäre Pikes Peak Highway als Schotterpiste mit zahlreichen mehr oder weniger großen und tiefen Schlaglöchern. In einer entsprechend niedrigen Fahrstufe des Automatikgetriebes war die Bergfahrt auf dieser 12,42 mi (ca. 20 km) langen Gravel Road jedoch problemlos zu schaffen. Dabei haben wir allerdings drei Pausen eingelegt, um die Aussicht zu genießen, uns die Beine vertreten und den Kreislauf in Gang zu bringen sowie wärmeres Zeug überzuziehen, denn auf dem Gipfel liegt auch gegen Ende Juni zumindest stellenweise immer noch Schnee (Bild 4.19). Auch bei der Talfahrt gab es immer wieder imposante Ausblicke ins Tal (Bild 4.20). Etwa auf halber Strecke wurde man angehalten, und ein Ranger prüfte durch Anfassen der Felgen die Betriebstemperatur der Bremsen. Offenbar sind zahlreiche Touristen durch die automatischen Getriebe derart verwöhnt, daß sie bei der Talfahrt nicht bzw. nicht weit genug zurückschalten, um genügend mit dem Motor zu bremsen, sondern statt dessen die Bremsen ihrer Autos heißfahren. Daher sehen sich die Ranger genötigt, die Beachtung dieses Sicherheitshinweises in den "Highway Driving Tips" bei jedem Auto zu überprüfen, um damit einem Versagen der Bremsen in den tiefer gelegenen Spitzkehren durch Überhitzung vorzubeugen. In unserem Fall zeigte der nach oben gestreckte Daumen des Rangers, daß die Bremsen kalt genug waren, da uns als ehemalige Harzbewohner das richtige Fahren im Gebirge seit der Fahrschule immer noch geläufig ist. [‹ Index]
Seven Falls (Colorado Springs CO)
[22.06.1997]
Nachdem wir am frühen Nachmittag vom Pikes Peak wieder zurück im Tal
waren, wollten wir ursprünglich die Manitou Cliff Dwellings an der
US-24 in Manitou Springs besichtigen. Diese an sich beeindruckenden
historischen Felsenwohnungen der Anasazi-Indianer sind den Ruinen
von Mesa Verde recht ähnlich und sollten 12 $ Eintritt kosten, da
sie nicht zum Nationalparkservicve gehören und daher der Golden
Eagle Pass dort nicht gilt. Durch Zufall waren wir jedoch auf einem
Faltblatt über "Pikes Peak Attractions" auf die im
benachbarten Colorado Springs gelegenen Seven Falls aufmerksam
geworden, einen Wasserfall in sieben Kaskaden über eine Granitklippe
von insgesamt 300 ft (ca. 91 m), den wir statt dessen besichtigt
haben. Seven Falls liegt im Cheyenne Canyon im Südwesten von
Colorado Springs ebenfalls auf Privatgelände und kostete deshalb
12 $ Eintritt. Der Weg dorthin war zwar ausgeschildert, die
Wegweiser waren jedoch unscheinbar und leicht zu übersehen. Von
Manitou Springs fährt man auf der US-24 am einfachsten bis zur I-25,
darauf nach Süden (Richtung Pueblo) bis zur nächsten Ausfahrt (Exit
140 B), weiter nach Süden auf der Tejon St. bis zum Cheyenne Blvd,
darauf nach Westen bis zur Cheyenne Canyon Rd, die direkt bis zu den
Wasserfällen führt. (Die Cheyenne Canyon Rd. ist alternativ über
verschiedene weiter südlich gelegene Straßen ebenfalls zu erreichen.)
Von einer den Fällen gegenüberliegenden Aussichtsplattform (Eagle's
Nest), zu der man durch einen Tunnel und einen Aufzug innerhalb des
Felsens leicht gelangen kann, hat man einen hervorragenden Blick
auf die meisten der Kaskaden (von oben nach unten: 1. Ramona,
2. Feather, 3. Bridal Veil, 4. Shorty, 5. Hull,
6. Weimer und 7. Hill) sowie die darunter befindliche
Freilichtbühne (Bild 4.21).
Nachts können die Fälle mit farbigem Licht illuminiert werden. Für
Besucher mit "athletischen Ambitionen" führen neben den
Kaskaden Stahltreppen mit insgesamt 265 Stufen
(Bild 4.22) zu mehreren
Plattformen und einer Brücke vor der obersten Ramona-Kaskade,
von denen man einen beeindruckenden Blick von oben auf die Fälle
werfen kann. Da am Nachmittag noch genügend Zeit war, sind wir
über die I-25 noch bis nach Denver gefahren, und haben in dem
von unserer letzten Reise bekannten Wheat Ridge wieder Quartier
bezogen.
[‹ Index]
Grandpa's Depot Shop (Denver CO)
[23.06.1997]
Da wir für einen befreundeten Eisenbahnfan ein Reiseandenken
mitbringen wollten, erinnerten wir uns an "Grandpa's Depot
Shop" innerhalb der Union Station in Denver, wo ein älteres
Original, von dem nur der Spitz- bzw. Markenname "Grandpa"
(Opa) bekannt ist, allerlei Erinnerungsstücke aus Amerikas großer
Eisenbahnzeit feilhielt. Zum Glück war im Motelzimmer ein
vollständiges Telefonbuch vorhanden, aus dessen Branchenteil sich
ergab, daß Grandpa aus dem Bahnhof an der Wynkoop St. in das
nur einen Block entfernte Oxford Hotel, 1616 17th St., Suite 267,
umgezogen war. Der Telefonbucheintrag enthielt den ausdrücklichen
Hinweis "Visit our Showroom". Bei unserem Anruf erfuhren
wir von einer Angestellten, daß zwar schon geöffnet sei, Grandpa
an diesem Tag zwar etwas später so gegen 10.00 AM komme. Wir
wunderten uns noch, wieso Grandpa mit seinem Shop aus dem Bahnhof
in ein Hotel umgezogen war, aber das klärte sich, als wir dann da
waren. Das historische Oxford Hotel vermietete neben dem
eigentlichen Hotelbetrieb in einem Nebengebäude auch leere Zimmer
und Suiten für Wohn-, Büro- und Gewerbezwecke. Grandpa's Suite
267 bestand aus zwei Lagerräumen mit Regalen, angefüllt mit
ausgesondertem Speisewagengeschirr über Signallaternen und
Schwellennägel bis hin zu ungebrauchten ehemaligen Fahrkarten
und Lochzangen, was auch immer Grandpa für Eisenbahnfans hatte
beschaffen können. In dem ersten Raum der Suite stand außerdem
ein Schreibtisch mit Telefon, Fax, Schreibmaschine und dem
unerläßlichen Abrollgerät für Kreditkarten, während der zweite
Raum nur mit überquellenden Regalen angefüllt war; soviel zum
Showroom. Genau wie drei Jahre zuvor, zog Grandpa immer noch ein
Beatmungsgerät hinter sich her, von dem aus ein dünner
Plastikschlauch in seine Nase führte. Über dem Schreibtisch hing
ein mit Luftballons dekoriertes Transparent "Happy
Birthday", allerdings war nicht herauszubekommen, wie alt
Grandpa denn nun wurde. Seine Angestellte war eine Frau mittleren
Alters, die sich über den langen Jahresurlaub in Deutschland
wunderte und uns vehement motivierte, ihrem Arbeitgeber Grandpa
ganz genau darüber zu berichten.
Grandpa ließ uns ungestört in den Regalen seines Showrooms kramen, bis wir etwas geeignetes gefunden hatten. Die meisten der oben bereits erwähnten Stücke hatten jedoch entsprechende Liebhaberpreise oder waren zum Mitnehmen für einen Transatlantikflug ohnehin zu schwer, zu sperrig oder zu zerbrechlich. Allerdings lieferte Grandpa weltweit, sofern UPS das betreffende Land bediente. Trotz aller Auswahl wurden es dann doch zwei der typischen Lochzangen (ticket punchs), die sich grundlegend von den hierzulande gebräuchlichen unterscheiden und die wir mit Kreditkarte bezahlen und mitnehmen konnten. Zum Abschied erkundigte sich Grandpa, durch welchen Eingang wir heraufgekommen seien, und empfahl uns, das historische Hotel durch die Halle zu verlassen. Damit wir auch richtig hinfanden, begleitete er uns durch einen geschlossenen Übergang über die Wazee St. in das Hauptgebäude des vierstöckigen Hotels (1600 17th St.), dessen Fahrstuhl direkt in die Halle führte. Dort schien die Zeit seit etwa hundert Jahren stehengeblieben zu sein, egal, wohin man auch schaute. Einrichtung, Geschirr sowie Kleidung und Habitus der Kellner in der Halle und dem anschließenden Frühstücksraum hatte die Ausstrahlung einer längst vergangenen vornehmen Epoche, so daß wir aus dem Staunen kaum herauskamen. – Ob es Grandpa bzw. seinen Depot Shop (eventuell unter einem Nachfolger) heute noch gibt, ist nicht bekannt. Ein Google-Suchlauf Anfang November 2005 hat noch einen Treffer unter "Grandpa's Railroad Depot" mit der o.a. Adresse und der US-Telefonnummer 303-628-5590 in einer Liste von Antiquitätenhändlern ergeben. Inwieweit diese Angaben noch aktuell sind, müßten interessierte Eisenbahnfans ggf. durch einen Anruf klären bzw. in einem aktuellen Telefonbuch von Denver nachschlagen.
Nach unserem Einkauf in Grandpa's Depot Shop sind wir in Richtung Niagara Falls aufgebrochen. Für diese längere Fahrstrecke von Denver CO nach North Platte NE (Bild 4.01) sind wir dem Freeway I-76 / US-6 zur Nordostecke von Colorado gefolgt, der danach in Nebraska als I-80 weiterführt. North Platte liegt etwa an der nördlichen Ecke der Route fast mitten in Nebraska. Zwischen Ogallala und North Platte haben wir auf unserer Reise zum zweiten Mal eine Zeitzonengrenze überschritten, die in verwirrend anmutenden Mäandern (offenbar großenteils auf County-Grenzen) durch Nebraska verläuft (Zeitzonen). Damit haben wir die Central Daylight Time Zone erreicht (CDT), in der es nur noch 7 Stunden früher ist als in Deutschland (MESZ). [‹ Index]
Buffalo Bill Ranch State Hist. Park &
amerikanische Benzinpreise (North Platte NE) [23./24.06.1997]
Das Abendessen nach unserer Ankunft in North Platte NE in einem
normal anmutenden amerikanischen Restaurant erwies sich als nicht ganz
problemlos, was sicher teilweise auf Mißverständnissen durch den
nahezu unverständlichen Dialekt der zuständigen Serviererin beruhte.
Nachdem ich mich durch wortreiche Anpreisungen zur Teilnahme am
angebotenen Buffet hatte beschwatzen lassen, stellte sich heraus,
daß das Buffet keinesfalls so umfangreich war wie zuvor beschrieben.
So wurde mir denn auch prompt nach meinem ersten Gang zum Buffet
am Tisch angeboten, weitere Ergänzungen, z.B. ein geeignetes Stück
Fleisch gegen separate Berechnung in der Größenordnung eines
vollständigen Abendessens, zusätzlich zum ebenfalls nicht gerade
billigen Buffet zu bestellen. Dazu konnte ich mich jedoch nicht
durchringen, sondern habe erfolgreich versucht, von den Segnungen
des Buffets satt zu werden. Dabei habe ich jedoch immer wieder
sehnsüchtig zum Teller meiner Frau geschaut, die es mit ihrem
normal bestellten Gericht deutlich besser getroffen hatte. Als die
Serviererin beim Bezahlen an der Registrierkasse ihr merkwürdiges
Verhalten auch noch rechtfertigen wollte, sah ich mich jedoch
genötigt klarzustellen, daß ich nach ihren Angaben und bei den
verlangten Preisen das Buffet in gutem Glauben als vollständiges
Abendessen und etwa als Beilagen zu einem anderen Gericht bestellt
hätte.
Überrascht waren wir, daß es im Nordwesten von North Platte eine Buffalo Bill Ranch gibt, die zu einem seit 1965 bestehenden State Historical Park gehört. Sie liegt am Ende der Buffalo Bill Ave., die westlich des Stadtzentrums (Richtung Ogallala) direkt direkt von der US-30 (Rodeo Road) nach Norden abzweigt. Diese Ranch wurde zur Blütezeit von Buffalo Bill's Wild West Show Ende des 19. Jahrhunderts mit deren Gewinnen aufgebaut. Das große Wohnhaus (Bild 4.23) entstand 1886. Hierher zog sich Colonel William F. Cody alias Buffalo Bill zwischen den Auftritten seiner Wild West Show zurück. Die umfangreichen Scheunen und Stallungen dienten auch zum Rekrutieren und Abrichten der für seine Show erforderlichen Rinder und Pferde. Bisher hatten wir Bill Cody nur mit dem gleichnamigen Ort in Wyoming in Verbindung gebracht, den er jedoch erst 1896 gründete. Obwohl Cody durch seine Show nicht nur bekannt wurde, sondern auch viel Geld verdiente, steckte er es in vielerlei Projekte und Unternehmungen und geriet so noch vor dem Ersten Weltkrieg in finanzielle Schwierigkeiten. 1911 verkaufte er die Ranch, und 1913 zog seine Familie nach Cody WY um. Haus, Scheunen, Stallungen und Außenanlagen sind von der Nebraska Game and Parks Commission restauriert und werden als State Historical Park mit wechselnden Ausstellungen dem Publikum zur Reflexion der faszinierenden Geschichte von Amerikas berühmtestem Showman-Scout dargeboten. Diese Ranch in North Platte ist natürlich längst nicht so umfangreich wie das Buffalo Bill Historic Center in Cody, und man würde vielleicht auch keine längere Reise dorthin unternehmen, nur um sie zu besuchen. Wenn man sich jedoch in der Gegend befindet, ist sie als restaurierter Originalschauplatz der erfolgreichsten Zeit eines bekannten Mannes sicherlich sehenswert.
Wenigstens einmal auf der gesamten Reise wollten wir die niedrigen amerikanischen Benzinpreise durch ein Foto dokumentieren (Bild 4.24). Der Preis von 1,15 $ erscheint nur auf den ersten Blick recht hoch, denn im Land der nichtmetrischen Einheiten gilt er natürlich nicht pro Liter, sondern pro Gallone (ca. 3,7854 Liter). Diese Tankstelle war allerdings besonders preiswert, denn während der gesamten Reise haben wir durchschnittlich 1,33 $/gal bezahlt. Mit dem mittleren Wechselkurs von 1,85 DM pro $ ergibt das 1,33 $/gal × 1,85 DM/$ / 3,8754 l/gal = 0,635 DM/l. mit 1,95583 DM je € wären das heute 0,325 €/l. Weitere Umrechnungen sind in der Bildunterschrift angegeben. [‹ Index]
Union Station (Omaha NE)
[24./25.06.1997]
Von North Platte aus fuhren wir noch am 24.06.1997 auf der I-80
weiter nach Osten durch Nebraska bis Omaha am Missouri, dem Grenzfluß
nach Iowa, um das Museum der Union Pacific RR anzuschauen, deren
Hauptverwaltung dort ansässig ist. Das Museum befand ich jedoch
nicht mehr in dem Direktionsgebäude 1416 Dodge St., wie in unserem
Reiseführer angegeben, sondern vom dortigen Pförtner erfuhren wir,
daß es in die Union Station, 801 S. 10th St. verlegt wurde und von
Dienstag bis Samstag, 10 am – 5 pm geöffnet war.
Damit lohnte sich an diesem späten Nachmittag ein Besuch nicht mehr,
und wir fuhren zum nahegelegenen Missouri, um ihn anzuschauen.
Dabei überquerten wir den Fluß und landeten in dem unmittelbar
angrenzenden Council Bluffs IA, wo wir gleich an der Hauptstraße
ein passendes Motel fanden und in einem nahen Restaurant auch zu
Abend aßen. Danach war noch genügend Zeit, um mal wieder unsere
Wäsche zu waschen, und so erkundigten wir uns nach dem nächsten
Waschsalon (Bild 4.25),
der ziemlich versteckt lag. In dieser Münzwäscherei konnten wir
noch bis etwa ½ Stunde nach Feierabend unsere Wäsche waschen
und trocknen. Unser Motel war offensichtlich auf Geschäftsreisende
eingestellt, die allein unterwegs waren, denn außer den üblichen
Fernsehgeräten in den Zimmern gab es im Office auch Videorecorder
mit Sexfilmen der verschiedensten Sparten zu mieten. Uns reichte
jedoch das Naturschauspiel eines plötzlich hereinbrechenden
Gewittersturms mit Blitz, Donner und wolkenbruchartigem Regen,
vor dem wir gerade noch rechtzeitig in unser Zimmer gekommen
waren, als abendliche Unterhaltung vor dem Schlafengehen aus.
Am nächsten Morgen war das Wetter wieder schön, und wir besuchten nach dem Frühstück das Eisenbahnmuseum in der Union Station an der S. 10th St., die in Omaha von der an dieser Stelle in Einbahnstraßen aufgeteilten Dodge St. (US-6 Business Route) als letzte durchgehende Straße vor den Missouri-Brücken nach Süden abzweigt. Dieser ehemalige Bahnhof zeigt in seiner pompös restaurierten Halle immer noch die Pracht einer großen Eisenbahnzeit am Standort der Hauptverwaltung (Bild 4.26). An den ehemaligen Fahrkartenschaltern gibt es jedoch inzwischen die verschiedensten Souvenirs bzw. die Eintrittskarten für dieses Museum zu kaufen. Offenbar sahen wir der Verkäuferin am Eingang alt und seriös genug aus, denn sie räumte uns ohne weiteren Nachweis den Seniorenpreis von 2,50 $ je Person ein. Im Tiefgeschoß unterhalb der Empfangshalle war eine Ausstellung mit vielerlei Exponaten aus der Anfangszeit der Eisenbahngeschichte zu besichtigen, angefangen mit ein paar Lokomotiven und Waggons über historische Eisenbahnsignale und Gerätschaften zur Landvermessung bis hin zu einem ausgestopften Bison (Bild 4.27) mit seiner typischen Silhouette. Alles in allem nicht nur für Eisenbahnfans eine interessante Station am Wege. [‹ Index]
Scenic Valley Railroad (Boone IA)
[25.06.1997]
Nach der Besichtigung der Union Station in Omaha ging es über
Council Bluffs auf der I-80 weiter nach Osten in Richtung Des
Moines, der Hauptstadt von Iowa
(Bild 4.01). Des Moines
liegt auf unserer Reiseroute etwa mitten in Iowa und ist bei
der Kartenauflösung mit etwas Phantasie gerade noch zu erkennen.
Etwa 40 mi (ca. 65 km) nordwestlich von Des Moines, d.h. ungefähr
eine Autostunde entfernt, liegt der Ort Boone, von dem aus die
"Boone & Scenic Valley Railroad" 1¾-stündige
Rundfahrten über eine 14 mi (ca. 22,5 km) lange historische
Eisenbahnstrecke durch das landschaftlich schöne Tal (Scenic
Valley) des Des Moines River anbot. An Werktagen fand jedoch nur
eine Fahrt um 1.30 pm ab Boone mit einem Dieselzug statt, während
an Sonn- und Feiertagen drei Fahrten mit einem Dampfzug angeboten
wurden. Die Eisenbahnwaggons stammen noch aus den 20-er Jahren,
wogegen die Dampflok als Neubau der chinesischen Datong
Lokomotivwerke die erste aus China importierte Dampflok und bisher
einzige ihrer Klasse in den USA ist. Von Des Moines aus gelangt
man entweder über die I-35 nach Norden bis Ames, dann auf der US-30
nach Westen und schließlich die IA-17 nach Boone, oder man fährt
auf der IA-415 nach Nordwesten am Sailorville Lake entlang bis zur
IA-17 nach Norden bis Boone. Der Bahnhof befindet sich an der
11th St. / Ecke Division St. und war durch die vorhandenen
Hinweisschilder gut zu finden. Er lag jedoch am späten Nachmittag
nach der Rückkehr des einzigen Zuges einsam, verlassen und
verrammelt da. Für eine Zugfahrt von 13.30 bis 15.15 Uhr nicht
einmal unter Dampf wollten wir jedoch nicht den ganzen nächsten
Tag opfern und haben deshalb darauf verzichtet. Bei dem in den USA
üblichen Personenkult war in Boone allerdings nicht zu übersehen,
daß in diesem Ort Mamie Geneva Doud geboren ist, die als Gattin
des 34. US Präsidenten Dwight D. Eisenhower (Wahlkampfslogan
"I like IKE") von 1953 bis 1961 First Lady der USA war.
Ihr Geburtshaus, 709 Carroll St., ist als Museum hergerichtet,
auf das zahlreiche überlebensgroße Plakate hinwiesen, so daß es
nicht zu verfehlen war. General Eisenhower war während des Zweiten
Weltkrieges Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte in Europa
und als Präsident Nachfolger von Harry S. Truman und Vorgänger
von John F. Kennedy.
[‹ Index]
Amana Colonies Amana/Homestead IA)
[26.06.1997]
Von Des Moines aus sind wir am nächsten Morgen auf der I-80 weiter
nach Osten in Richtung Davenport an der Ostgrenze von Iowa nach
Illinois gefahren, die vom Mississippi gebildet wird. Etwa auf halber
Strecke, d.h. ca. 20 mi vor Iowa City zweigt die US-151 (auf älteren
Karten IA-149) von der I-80 nach Norden ab (Richtung Cedar Rapids)
und kreuzt nach wenigen Meilen die US-6. In diesem Gebiet liegen die
in den USA einmaligen Amana Colonies, die 1854 von deutschen Pietisten
als religiöse Gemeinschaften gegründet und erst 1932 in eine säkulare
Gemeinschaftsform überführt wurden. Die Colonies bestehen aus den
sieben Dörfern West ~, East ~, South ~, Middle ~ und High Amana sowie
Amana und Homestead. Die Qualität handwerklicher Produkte, z.B.
Möbel, die auch heute noch auf traditionelle Weise von Hand gefertigt
werden, sowie später auch technischer Geräte haben den Amana Colonies
zur Anerkennung verholfen. Nach einem unserer Reiseführer
(Aral Auto-Reisebuch)
gibt es in den vier Dörfern Homestead, Amana, Middle Amana und
South Amana Museen mit verschiedenen Themenschwerpunkten, von denen
wir aus Zeitgründen nur das Museum of Amana History an der Main St.
(Hwy 149, auf neueren Karten US-151) in Amana besichtigt haben. Dort
wurde die Geschichte der Kolonie dargestellt, angefangen mit der
Verfolgung in Deutschland. Bemerkenswert fanden wir die historische
Schule
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mit Schulbüchern in Frakturschrift und Heften in deutscher
Schreibschrift (Vorläufer der Sütterlinschrift). Der bereits ältere
Museumswärter, der jedoch selbst kein Deutsch mehr konnte, war
ziemlich beeindruckt, als ich ihm beides nicht nur flüssig vorlesen,
sondern auch noch zügig übersetzen konnte.
[‹ Index]
Maquoketa Caves (Maquoketa IA)
[26.06.1997]
Von den Amana Colonies sind wir auf der US-151 nach Nordosten über
Cedar Rapids bis Anamosa gefahren und von dort weiter auf der IA-64
bis Maquoketa. Auf der Routenkarte
(Bild 4.01) ist dieser Abstecher
nach Norden nur durch einen senkrechten Strich zwischen Cedar Rapids
ind der Ostgrenze von Iowa angedeutet. Die Maquoketa Caves liegen
etwa 7 mi nordwestlich dieses Ortes. Sie sind zwar für Besucher mit
entsprechender Ausrüstung (Lampen, Gummistiefel u.ä.) sogar kostenlos
zugänglich, jedoch ansonsten kaum erschlossen. Insbesondere gab es
dort bei unserem Besuch weder eine Ranger Station, noch wurden
Führungen angeboten. Lediglich aus einem Spender gab es ein Faltblatt,
auf denen die Höhlen grafisch dargestellt waren. Geeignet ausgerüstete
Besucher, die gerade aus dieser Höhle kamen, legten ein beredtes
Zeugnis davon ab, wie naß und schmutzig es dort unten war. Da wir
weder die passende Ausrüstung hatten, noch begierig auf so viel
Nässe und Dreck waren, verließen wir diesen ungastlichen Ort, ohne
in die Höhle hinabgestiegen zu sein.
[‹ Index]
Mississippi (Davenport IA)
[26.06.1997]
Von Maquoketa fuhren wir noch an diesem Nachmittag auf der US-61
etwa 40 mi nach Süden bis Davenport, einer Großstadt über
100 000 Einwohner direkt am Mississippi, um dort zu übernachten.
Nach dem Beziehen eines Quartiers (Motel 6) und dem Abendessen war
noch genügend Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang am Mississippi,
den wir erstmals zu sehen bekamen. Bei einem malerischen
Sonnenuntergang gefiel uns besonders das Westufer an dem dortigen
Yachthafen (Bild 4.28). Im
Vergleich zu den zehn Bootsliegeplätzen kann man nur ahnen, wie
weit das gegenüberliegende Ostufer entfernt, d.h. wie breit der
"Old Man River" an dieser Stelle bereits ist.
[‹ Index]
Stand: 09.11.2009 / © MG