Hinweis: Die Tagebuchnotizen sind in chronologischer Reihenfolge angegeben. Zum einfacheren Auffinden markanter Sehenswürdigkeiten ist der folgende Index mit Verweisen auf die betreffenden Notizen in acht getrennten Kategorien jeweils alphabetisch geordnet. Zu den Verweisen in diesem Reisebericht kann man mit dem Rückpfeil des Browsers zurückkehren.
Mt. Rushmore NMem. (Keystone SD)
[11.07.1994]
Nachdem wir am Vormittag das Bergbaumuseum (Mining Museum) der Homestake
Gold Mine besichtigt hatten, fuhren wir über die US-385 nach Süden in
Richtung Custer. Nach etwa 37 mi zweigt die Zufahrtsstraße nach Keystone
SD ab, von wo aus man direkt zum Mt. Rushmore National Memorial gelangt.
Hier sind die Köpfe der vier bedeutenden US-Präsidenten George
Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln
in den nahezu unzerstörbaren Granit des zu den Black Hills gehörenden
Mt. Rushmore gehauen worden. Dieser sog. "Schrein der
Demokratie" wird von derart zahlreichen Amerikanern besucht, daß
man den Eindruck hat, sich auf einem Jahrmarkt zu befinden. Wir haben
selten erlebt, wie routiniert die zahlreichen Parkwächter den
ankommenden Strom von Autos zu den immer wieder frei werdenden
Parkplätzen leiten (Bild 3.77).
Da sich die meisten Besucher offenbar ähnlich lange an dem Denkmal
aufhalten, "wandern" die freien Bereiche durch das geordnete
Einparken zyklisch über den gesamten ziemlich großen Parkplatz. Der
im Schatten der umgebenden Bäume liegende Weg vom Parkplatz zur
Aussichtsterrasse führte durch ein Spalier von Flaggen aller 50
Bundesstaaten. Von dieser Aussichtsterrasse (Main View Terrace) am
Visitor Center ist das Monumentaldenkmal in voller Größe zu bewundern
(Bild 3.78). Von dort aus führt
ein Fußweg zur Aussichtsterrasse des damaligen Bildhauers John Gutzon
Borglum und zu dessen Studio, in dem zahlreiche Entwürfe und Modelle
zu besichtigen sind. Die Köpfe des Monuments wirken mit den Schatten
in der Morgensonne am eindrucksvollsten, aber auch am frühen
Nachmittag, als wir dort waren, sind sie sehenswert.
Anschließend sind wir auf der US-385 nach Custer SD weitergefahren, wo wir auch übernachtet haben. An sich wollten wir an diesem Nachmittag noch das in der Nähe gelegene Jewel Cave NM besichtigen, mit 80 Meilen eine der längsten Höhlen der Welt. In einer einstündigen Führung sind die schönsten Kalkspatkristalle mit juwelenhaftem Glanz sowie reiche Tropfsteinformationen zu sehen. Bedauerlicherweise war die letzte Führung des Tages um 17.00 Uhr bereits ausgebucht, und uns wurde auf erstaunlich unfreundliche Weise klargemacht, daß wir frühestens am nächsten Morgen um 8.00 Uhr an der ersten Führung teilnehmen könnten. Wegen unserer weiteren Reiseplanung haben wir deshalb auf diese vermutlich sehenswerte Höhle verzichtet und statt dessen das Museum in Custer besichtigt, wo General Custer als Namenspatron des Ortes bei seiner Expedition im Jahre 1874 Gold fand. [‹ Index]
Wind Cave NP (SD) [12.07.1994]
Am nächsten Morgen ging es über die US-385 weiter zum Wind Cave NP.
Zu dem ca. 11500 ha großen Nationalpark aus gemischter Grasprärie mit
Ponderosa-Kiefernwald, in dem auch zahlreiche amerikanische Baumarten,
Yucca und Kakteen stehen. Er ist nach der gleichnamigen Höhle benannt, aus
bzw. in deren einzigen natürlichen Eingang ein zeitweise so starker
Wind bläst, daß dabei pfeifende Geräusche entstehen. Die Kalksteinhöhle
hat bisher 115 km entdeckte Gänge, und weitere werden noch erforscht.
Sie ist in den USA die drittlängste und weltweit die sechstlängste Höhle.
Aus diesem großen Höhlenvolumen bläst der Wind durch den natürlichen
Eingang, wenn sich durch das Wettergeschehen der äußere Luftdruck ändert.
Er bläst heraus, wenn sich ein Tiefdruckgebiet bildet, bzw. er strömt
hinein, wenn sich ein Hochdruckgebiet aufbaut. Besondere Merkmale der
Wind Cave sind neben zahlreichen anderen Formationen das sog. Boxwork,
eine wabenförmige Struktur aus Kalspat (Calcite) an den Wänden und
Decken. Wegen ihrer Länge und der vielen verschiedenen Stufen gehört
die Wind Cave mit ihren Spalten und Schluchten zu den kompliziertesten
"Verirrungshöhlen" der Welt. Aber eine solche Gefahr besteht
bei einer der sehenswerten Besucherführungen selbstverständlich nicht.
Im Park selbst sind wir wegen des Regenwetters an diesem Tag nicht
besonders viel umhergelaufen.
[‹ Index]
Custer SP (SD) [12.07.1994]
Vom Wind Cave NP sind wir über die SD-87 und die US-16A durch den Custer
SP gefahren und dann weiter über die SD-36 und SD-79 nach Rapid City SD.
In diesem State Park haben wir erstmals ein Warnschild mit dem Text
"Game at Large" an der Straße gesehen, das mit dem üblichen
Englischvokabular aus der Schule zunächst Unverständnis hervorrief. Mit
Spiel (für Game) bzw. groß (für Large) bekam das Ganze keinen rechten
Sinn. Ein Jäger oder Förster mit englischen Fachkenntnissen hätte sicher
sofort gewußt, daß Game auch Wild bedeuten kann, und 'at large' ist ein
feststehender Begriff für 'auf freiem Fuße' oder hier sinngemäß 'in freier
Wildbahn'. Damit warnt dieses Schild ganz einfach vor Wildwechsel in
diesem recht wildreichen Park. So haben wir neben anderem Niederwild auch
eine Bisonherde von etwa 30 Stück in größerer Entfernung von der Straße
gesehen. Wegen der großen Entfernung und der schlechten Lichtverhältnisse
zwischen den dicht stehenden Bäumen ist das entsprechende Bild allerdings
nicht so recht gelungen und daher hier nicht zu sehen. Die Bisons waren
jedoch an ihrer typischen eindrucksvollen Silhouette eindeutig zu
erkennen.
[‹ Index]
Badlands NP (SD) [13.07.1994]
Nach der Übernachtung in Rapid City sind wir am nächsten Morgen über die
I-90 zum Badlands NP, dem östlichsten Punkt unserer Rundreise,
aufgebrochen. Von Wall ging es über die SD-240 zum Pinnacles-Eingang des
Parks. Von dort aus führt eine etwa 22 mi (35 km) lange Straße an
zahlreichen Aussichtspunkten auf dieses "schlechte" unwegsame
Land bis zum Cedar Pass Visitor Center am Nordost-Eingang des Parks.
Stellenweise endet grüner Rasen abrupt an steil abfallenden nackten
Felswänden aus Kalkstein (Bild 3.79),
während anderswo nur unwegsame nackte Kalksteinformationen zu sehen sind
(Bild 3.80). Abseits der Straße gibt
es ein paar Trails zum Wandern, denn das Klettern in den Felswänden ist
wegen der damit verbundenen Gefahren verboten. Auf den in einem coffee
shop in der Nähe des Osteingangs angebotenen "Nickel Coffee",
einen Becher Kaffee, der dort noch immer für einen Nickel (5 ¢)
angeboten wird, haben wir wegen des Andrangs verzichtet. Um den Park nach
Süden zu verlassen, fährt man durch die Pine Ridge Indian Reservation.
Von zwei möglichen Routen sind wir die Strecke mit den Straßen und
Orten SD-377, Interior, SD-44, Scenic, SD-27 gefahren, die zunächst
südlich des Parks wieder nach Westen führt und dann die südlichen Zipfel
des Nationalparks noch dreimal kreuzt, zum letzen Mal beim südlich
gelegenen White River Visitor Center.
[‹ Index]
Massacre NHS (Wounded Knee SD)
[13.07.1994]
An der nächsten Straßengabelung war die SD-27 über Sharps Corner und
Porcupine zum Ort Wounded Knee und der gleichnamigen Massacre NHS
gesperrt, und nur die Parallelstrecke SD-33, SD-28 über Manderson zum
gleichen Ziel frei. Auf den nächsten gut 30 mi (ca. 50 km) nach dem
Visitor Center wurde diese Strecke zwischen den Bergen immer öder, und
an keiner der folgenden Abzweigungen standen Wegweiser. So haben wir
zur Sicherheit ein paarmal nach alter Pfadfindermanier mit der Armbanduhr
und dem Sonnenstand überprüft, ob wir wenigstens noch in Richtung Süden
fuhren, bis wir allmählich wieder in besiedeltes Gebiet kamen. Allerdings
wirkten weder die Gebäude noch die zahlreichen am Straßenrand sichtbaren
Kinder auf Grund ihrer äußeren Erscheinung besonders vertrauenerweckend.
An der Massacre NHS, die an die vernichtende Niederlage der Sioux-Indianer
im Dezember 1890 erinnern soll, gab es außer einem großen Parkplatz mit
einer Gedenktafel zunächst nicht viel zu sehen. Als wir dort gerade
anhalten und aussteigen wollten, kamen im Handumdrehen plötzlich etwa
zehn mehr oder weniger zerlumpte Indianerkinder aus dem Gebüsch hervor
und johlend auf unser Auto zugelaufen. Diese Situation erschien uns dann
doch so suspekt, daß wir auf den Halt verzichteten und weiterfuhren, noch
bevor die Kinder unser Auto erreicht hatten. Die Lebensbedingungen in einem
solchen Indianerreservat sind sicher nicht erstrebenswert, und den Indianern
ist von den weißen Siedlern im Verein mit der Armee sicher viel Unrecht
zugefügt worden. Insofern wäre gegen eine angemessene Spende nichts
einzuwenden gewesen, aber wir hatten trotz unseres bedrückenden Gefühls in
diesem Moment doch Bedenken, bei geöffneten Autotüren unser gesamtes
Reisegepäck ggf. gegen eine solche Überzahl bettelnder Kinder mit
unbekannten Absichten verteidigen zu müssen. Also fuhren wir weiter
zur US-18, auf dieser Straße ein Stück nach Westen, um in Pine Ridge auf
die SD-407, NE-87 abzubiegen und durch Nebraska weiter nach Süden zu
fahren.
Kurz hinter der Staatsgrenze, also außerhalb des Indianerreservats lag die Ghosttown Whiteclay NE, in der die meisten Fenster der paar Häuser an der Durchgangsstraße mit Brettern vernagelt waren. Lediglich der Liquor Shop (Schnapsladen) mit vergitterten Fenstern wie bei einem Gefängnis schien noch in Betrieb zu sein. Auf der Straße trieben sich ein paar offensichtlich angetrunkene junge Männer herum, von denen einer im Rollstuhl saß und damit versuchte, ein weit vor uns fahrendes Auto zum Anhalten zu veranlassen. Das Auto fuhr dann jedoch unbeschadet weiter, und noch bevor wir diese noch bedrückendere Lage richtig erfaßt hatten, waren wir schon recht nahe herangekommen. Entweder wenden, und einen längeren Umweg in Kauf nehmen, oder versuchen, unbeschadet durchzukommen? Meine Frau Anne fuhr, und viel Zeit zum Überlegen hatten wir nicht. Also entschieden wir uns spontan, so lange wie möglich mit unverminderter Geschwindigkeit (etwa 30 mph = knapp 50 km/h) in Bremsbereitschaft weiterzurollen, daß rechtzeitiges Anhalten noch möglich wäre. Ein Versuch, den quer zur Fahrtrichtung hin- und herrollenden Rollstuhl zu umfahren, erschien uns zu riskant. Zum Glück verlor der angetrunkene Rollstuhlfahrer rechtzeitig genug die Nerven und rollte schwungvoll zurück, so daß wir unbeschadet passieren konnten. Im Rückspiegel konnten wir dann sehen, daß er seine Manöver quer zur Fahrbahn fortsetzte und wohl auf das nächste Auto auf dieser einsamen Straße wartete. Obwohl alles gut ausgegangen ist, haben wir dieses Erlebnis als das bedrückendste auf allen unseren USA-Reisen empfunden.
Die weitere Fahrt über die NE-87 und US-20 bis Chadron NE zum Übernachten verlief wie gewohnt ohne weitere Zwischenfälle. Dort bot sich die Gelegenheit, ein paar neue, gerade fertiggestellte Mobil Homes auf einem Bauhof zu bewundern (Bild 3.81). [‹ Index]
Agate Fossil Beds NM (NE) [14.07.1994]
Von Chadron aus erreicht man über die US-20 nach Westen und dann ab
Harrison über die NE-29 nach Süden das in vielen Reiseführern erwähnte
Agate Fossil Beds NM. Also fuhren auch wir am nächsten Morgen dorthin. In
diesem National Monument gibt es genau das zu sehen, was der Name sagt,
nämlich die Lagerstätten (beds) von Fossilien, die man allerdings
allesamt ausgegraben und vollzählig in ein weit entferntes Museum
gebracht hat. Das Visitor Center machte zwar einen im bewährten Stil der
Nationalparkverwaltung gepflegten Eindruck, und man konnte dort auch allerlei
über Flora und Fauna der Gegend erfahren. Auch ein paar Bilder von dort
gefundenen Fossilien und den Ausgrabungen gab es zu bewundern, aber in natura
haben wir kein einziges Fossil gesehen. Vielleicht hätten wir uns vorher
einschlägige Beschreibungen genauer durchlesen müssen, aber so waren wir
doch ziemlich enttäuscht, denn wenigstens ein paar Fossilien zum Anschauen
hätten wir doch erwartet. Nur für Hochglanzbilder muß man nicht extra
dorthin fahren, zumindest wenn es nicht unmittelbar am Wege liegt.
[‹ Index]
Chimney Rock NHS (NE) [14.07.1994]
Von der für uns enttäuschenden von Fossilien leergeräumten Fundstätte
sind wir über die NE-29 weiter nach Süden bis zum North Platte River
gefahren, dem wir dann auf der US-26 an seinem Nordufer vorbei am Ort
Scottsbluff NE stromab gefolgt sind. Wo die US-26 den Fluß kreuzt und
auf die am Südufer entlangführende NE-92 trifft, erhebt sich ganz in
der Nähe der Chimney Rock (Bild 3.82).
Dieser weithin sichtbare markante Felsen, der heute den Status einer NHS
(National Historic Site) hat, diente den Pionieren als weithin sichtbare
unverwechselbare Landmarke. Durch die wasserführenden Gräben neben diesem
Aussichtspunkt an der US-26 wurde man dort schon bald von zahlreichen
Mücken heimgesucht. Das bekam vor allem eine Familie zu spüren, die an
einem dort vorhandenen Tisch mit Bänken picknicken wollte. Der
Picknickkorb war noch nicht halb ausgepackt, als die Mücken bereits
die Oberhand hatten und die Familie fluchtartig wieder zusammenräumte
und die so gastlich anmutende Stätte wieder verließ. Zum Fotografieren
war dort außer uns noch ein ernsthafter Hobby- bzw. Profifotograf am
Werk, dessen Auto mit Fotoausrüstung vollgestopft war. Er war gerade
dabei, diesen Felsen mit einem 600-mm-Teleobjektiv (mit angeflanschter
Spiegelreflex-Kamera) vom Stativ aus aufzunehmen. Beim Blick durch
diese Kamera war es schon beeindruckend, den Chimney Rock
formatfüllend auf der Fresnellinse zu sehen, wenngleich dabei natürlich
kein Vordergrund, wie bei dem obigen Bild mit meiner Rollei 35 bei nur
40 mm Brennweite, mit aufs Bild kam.
[‹ Index]
Scotts Bluff NM (Scottsbluff NE)
[14.07.1994]
Vom Chimney Rock führt die NE-92 am Südufer des North Platte River etwa
20 mi (ca. 32 km) stomauf direkt zum Scotts Bluff NM, das südwestlich
von dem danach benannten (jedoch in einem Wort geschriebenen) Ort
Scottsbluff NE liegt. Scotts Bluff ist eine 244 m hohe Klippe, die
ähnlich wie der Chimney Rock als charakteristische Landmarke diente.
Im Visitor Center erfuhren wir einiges über die Historie des hier
entlangführenden Oregon Trail und den ebenso legendären Pony Express.
Auf die Klippe konnten wir durch zwei Tunnel mit dem Auto hinauffahren.
Von mehreren über einen Wanderweg erreichbaren Aussichtspunkten hat
man einen guten Überblick über die umgebende Landschaft
(Bild 3.83).
[‹ Index]
Fort Laramie NHS (WY) [14.07.1994]
Wenn man von Scotts Bluff dem North Platte River auf der US-26 etwa 50 mi
(ca. 80 km) stromauf folgt, erreicht man am Zufluß des Laramie River das
legendäre Fort Laramie. Dieses Fort und der gleichnamige kleine Ort in WY
mit nur 360 Einwohnern sind keineswegs mit dem ca. 80 mi südwestlich davon
am Laramie River liegenden wesentlich größeren Ort Laramie (ohne Fort) mit
ca. 25 000 Einwohnern zu verwechseln. Der Vorläufer von Fort Laramie
wurde 1834 als Stützpunkt der Fellhändler (Trading Post) am Laramie River
etwa eine Meile oberhalb seiner Mündung in den North Platte River als
Fort Williams gegründet und entwickelte sich zu einem größeren
Fellhandelszentrum. 1841 wurde dieses inzwischen verrottete Fort als
Fort John an die heutige Stelle verlegt, aber schon bald üblicherweise
Fort Laramie genannt. Es war an zwei Seiten durch die beiden Flüsse
geschützt, hatte aber ansonsten weder Palisaden noch Wälle. In den 1840-er
Jahren wurde es zum wohlfeilen Halt für Reisende und Emigranten, die dem
Oregon Trail folgten. 1849 kaufte die Armee das Fort und machte es zu
einem Militärstützpunkt am Oregon Trail. Ställe, eine Bäckerei und
Mannschaftsquartiere wurden von den Soldaten gebaut. Im amerikanischen
Bürgerkrieg (Civil War 1861 - 1865) wurde der Oregon Trail zur Hauptroute
der Überlandpost mit Fort Laramie als wichtigem Stützpunkt, weil die
bisherige Südroute wegen der Kriegsereignisse nicht mehr passierbar
war. In diese Zeit 1860/61 fiel auch das nur etwa 18 Monate dauernde
kostspielige Experiment des legendären Pony Express, der daraufhin durch
die transkontinentale Telegraphenlinie überflüssig wurde. Pony Express
und Telegraph hatte selbstverständlich eine Station in Fort Laramie. In
Spitzenzeiten lebten in Fort Laramie, das mehr einer Grenzstadt (Frontier
Town) als einem klassischen Fort ähnelte, etwa 700 Leute, die in dieser
Abgeschiedenheit mit allem Lebensnotwendigen versorgt werden mußten. Nach
dem Ende der Indianerkämpfe und dem Niedergang der Postkutschenzeit ging
die Bedeutung des Forts jedoch soweit zurück, daß es 1890 aufgegeben
wurde.
Nach teilweisem Verfall und wechselnder Nutzung in den folgenden ca. 100 Jahren ist Fort Larammie heute eine NHS unter der Nationalparkverwaltung. Bei unserem Besuch konnten wir sowohl Ruinen (teilweise nur Grundmauern), aber auch erhaltene und restaurierte Gebäude besichtigen. Einige leere Gebäude konnten wir als Besucher allein betreten, andere eingerichtete Räume oder Häuser nur in Begleitung eines Rangers, damit alle Ausstellungsstücke am Ort bleiben. Ohne Ranger konnte man hier nur durch Scheiben oder Gitter schauen. Gegen 16.00 Uhr, etwa ½ Stunde vor Schließung waren nicht mehr viele Besucher da, als wir einem Ranger begegneten, der seine Wehrpflicht in Deutschland abgeleistet hatte. Nachdem er uns als Deutsche erkannt hatte, schloß er für uns von sich aus zunächst Annie's Saloon und danach den General Store (Kramladen) auf, die beide der Zeit gemäß komplett eingerichtet waren. Wir fanden es sehr interessant, uns dort zu zweit, also ohne Gedränge, in aller Ruhe umsehen zu können. [‹ Index]
Unwetter im Juli (Wheatland WY)
[14.07.1994]
Als wir aus Fort Laramie abfuhren, um uns ein Quartier für die Nacht zu
suchen, zogen bereits dunkle Wolken auf. Während der Fahrt auf der US-26
nach Westen und dann weiter auf der I-50 nach Süden gerieten wir in ein
schweres Gewitter mit starkem Regen, so daß wir aus Sicherheitsgründen nur
langsam vorankamen. Als wir in Wheatland WY die Interstate verließen,
wunderten wir uns noch über das Feuerwehrfahrzeug am Ortseingang und die
besorgten Blicke der Feuerwehrmänner zum Himmel. Im Ort sahen wir dann die
Folgen des Unwetters in ihrem ganzen Ausmaß. In Wheatland hatte es nicht
nur geregnet, sondern auch gehagelt, und die Hagelkörner hatte so viele
Blätter von den Bäumen abgeschlagen, daß die am Straßenrand geparkten
Autos mit entsprechendem Grün bedeckt waren. Weiter in der Stadt schoß
schmutziges Wasser aus nicht asphaltierten (unpaved) Seitenstraßen auf
die Hauptstraße, wo sich bereits ein See gebildet hatte. Da dessen Tiefe
schlecht abzuschätzen war und wir darin nicht steckenbleiben wollten,
fuhren wir erst einmal rechts ran und ließen ein einheimisches Auto
passieren, um dessen Tiefe abschätzen zu können. Zum Glück war die
"Pfütze" noch so flach, daß ein PKW darin nicht absoff. Im
Ortszentum, das in einer Senke liegt, standen die Motelgäste in ihren
Zimmertüren, als wollten sie das steigende Wasser hypnotisieren, nicht
über ihre Türschwelle einzudringen. Diese Aussichten dämpften unseren
Elan, uns dort einzuquartieren, ganz erheblich, zumal auch die Parkplätze
dieser Motels unter Wasser standen und man von dort gar nicht trockenen
Fußes ins Zimmer gelangt wäre.
Am südlichen Ortsausgang von Wheatland fanden wir dann "Vimbo's Motel" mit angeschlossenem Restaurant in Hanglage, dessen obere Zufahrt und Parkplatz nicht überschwemmt waren. Wegen eines etwa neunstündigen Stromausfalls ging natürlich kein Fernsehgerät, und so blieben wegen des schlechten Wetters fast alle Motelgäste bei Kerzenlicht in dem Restaurant sitzen. Da in der Restaurantküche mit Gas gekocht wurde, wirkte sich der Stromausfall dort nicht aus. Hinter dem Restaurant lief lediglich ein größeres fahrbares Notstromaggregat, das offenbar die Kühlanlagen versorgte, damit die eingefrorenen Lebensmittel nicht verdarben. Nach dem Essen kam man leicht mit den übrigen Gästen ins Gespräch. Am Nachbartisch saß ein Amerikaner, der früher eine Zeitlang Bergmann in der Homestake Gold Mine war, die wir ein paar Tage zuvor besichtigt hatten. Damit war außer dem Bericht über unsere Rundreise genügend Gesprächsstoff vorhanden. Am nächsten Morgen schien wieder die Sonne und nur noch ein Rest von Blättern auf einem Auto vor der Tür des Nachbarzimmers (Bild 3.84) erinnerte an das Unwetter vom Vortag. [‹ Index]
Rocky Mountain NP (CO) [15.07.1994]
Von Wheatland WY aus sind wir, wie bereits erwähnt, bei strahlendem
Sonnenschein auf der I-25 nach Süden in Richtung Denver gefahren. Kurz
nach Cheyenne, der Hauptstadt von Wyoming überquerten wir die Staatsgrenze
nach Colorado. Etwa 45 mi vor Denver ging es dann auf der US-34 über
Loveland ca. 30 mi nach Westen bis Estes Park am Rocky Mountain NP. Kurz
vorher gab es nochmals ein Gewitter mit Blitz, Donner, Regen und Hagel.
Am 11797 ft (ca. 3596 m) hoch gelegenen Visitor Center war es sehr windig
und für Mitte Juli auch recht kalt. Die gut ausgebaute US-34 führt mit
zahlreichen Kurven und einigen Steilstrecken durch den Nationalpark und
bot trotz gemischten Wetters etliche sehenswerten Ausblicke. Am 10759 ft
(ca. 3279 m) hohen Millner Pass wird die Wasserscheide überquert
(Bild 3.85). Wir sind dann auf der
US-34 nach Süden am Shadow Mountain Lake und am Lake Granby vorbei zum
Südeingang des Nationalparks und ein kurzes Stück auf der US-40 bis
Granby gefahren, um dort zu übernachten. In der Nähe unseres Motels
lag einer der für viele kleine Orte so typichen General Stores, hier
mit dem wohlklingenden Namen Grand County Market
(Bild 3.86) sowie ein Lokal im
Stil einer Alpenhütte. Die Überraschung war vollkommen, als wir dort
Speisenkarten mit der in Deutschland wohlbekannten Warsteiner-Reklame
erhielten. Außerdem standen nicht nur die typisch amerikanischen Gerichte
(American Food), sondern auch deutsche bzw. europäische Spezialitäten,
z.B. Wiener Schnitzel, Bratkartoffeln und Sauerkraut auf der Karte. Das
Geheimnis war schnell gelüftet, denn die Wirtsleute stammten aus Österreich
und ließen das Warsteiner offenbar extra einfliegen. Jedenfalls habe ich
in den USA nirgendwo bzw. niemals sonst so teures Bier getrunken, aber
eine schnurrige Abwechslung war dieses eigentümliche Restaurant allemal.
Vor allem die neugierigen Fragen der amerikanischen Gäste an den
Nachbartischen zu den unbekannten Zubereitungsarten sowie die darauf
folgenden Erklärungen der Kellnerin waren genau so interessant wie die
Todesverachtung mancher Gäste, etwas ihnen völlig Unbekanntes zu bestellen,
bzw. deren an Ängstlichkeit grenzende Vorsicht, das doch besser bleiben zu
lassen und sich lieber für etwas "weniger Gefährliches" zu
entscheiden.
[‹ Index]
Edgar Mine (Idaho Springs CO) [16.07.1994]
Von Granby aus sind wir über die US-40 nach Süden bis zur I-70 gefahren,
der wir in Richtung Denver nach Osten zunächst bis in den Ort Idaho
Springs gefolgt sind. Dort betreibt die Bergschule von Colorado (Colorado
School of Mines) die Edgar Mine als Lehrbergwerk (Experimantal Mine) zur
praktischen Ausbildung ihrer Studenten. In diesem Bergwerk, das nach dem
gleichnamigen Erzgang benannt ist und als Stollen von der Flanke in den
Berg führt, werden auch Führungen für die Allgemeinheit (general public)
veranstaltet. Dieser Eingang liegt am Ende der steilen geschotterten 8th
Street, die in Idaho Springs von der Colo. Ave. abzweigt. Am Samstag
vormittag unseres Besuchs war dort eine Grubenrettungsübung für 16
Studenten (8 Frauen und 8 Männer) der Bergschule vorgesehen, die mit
ihren Rettungsgeräten darauf warteten, in die für diesen Zweck
teilweise vernebelte Grube geschickt zu werden. Deshalb waren für die
Besucher (außer uns beiden noch ein amerikanisches Paar) nicht alle
vorgesehenen Besichtigungspunkte zugänglich, so daß die etwas kürzere
Führung kostenlos veranstaltet wurde. Unser Führer war klein und
schlank, wodurch er offensichtlich jünger wirkte. Seine Erklärungen
zeugten jedoch von guter Sachkenntnis, und seine Qualifikation erfuhren
wir beim Erklären der Sprengtechniken quasi im Nebensatz. An einem Ort,
dessen Sprenglöcher zu Lehrzwecken mit Sprengstoff-Atrappen besetzt war,
erklärte er uns die übliche Anordung der Sprenglöcher und die zeitlich
verzögerte Auslösung der Sprengladungen, damit möglichst viel Gestein
hereinbricht. Diese Verzögerung wurde früher mit unterschiedlich langen
Zündschnüren bewerkstelligt. Bei der heutigen elektrischen Zündung
werden dafür farblich gekennzeichnete Zündhütchen mit unterschiedlicher
Auslösezeit verwendet. Dann folgte eine längere Erklärung über die
gebräuchliche Anordnung der Sprenglöcher vor Ort, an die sich der
bereits erwähnte Nebensatz anschloß: "Wie ich jedoch in meiner
Dissertation gezeigt habe, würde diese und jene Modifikation der
Lochanordnung die Sprengleistung um soundsoviel Prozent verbessern."
Die genauen Einzelheiten haben wir bis heute wieder vergessen, aber
es war schon erfrischend, wenn man als Besuchergruppe von vier Personen
solche Details des Gangerzbergbaus von einem als Bergschullehrer
geübten promovierten Bergmann (d.h. Bergingenieur) erklärt bekommt.
[‹ Index]
Argo Gold Mine & Mill (Idaho Springs CO)
[16.07.1994]
In mehreren Reiseführern hatten wir Hinweise auf die stillgelegte Argo
Gold Mine & Mill (Argo Goldbergwerk mit Aufbereitung) in Idaho Springs
gefunden, die als Museum besichtigt werden könne. Von der Durchgangsstraße
aus erkannten wir die eindrucksvollen rostbraun gestrichenen Gebäude der
ehemaligen Aufbereitung am Berghang nach dem Bild in einem Reiseführer
sofort wieder. Trotz vorheriger Warnungen, daß es dort nicht viel und
nichts besonderes zu sehen gebe, besuchten wir die Argo Gold Mine, weil wir
unserem Zeitplan etwas voraus waren und an diesem Nachmittag nichts anderes
vorhatten. Für den happigen Eintrittspreis von 10,00 $ pro Person wurde
dann immerhin folgendes geboten:
Die Fahrten mit dem maroden vom Führer als Bergziege (mountain goat) bezeichneten Kleinbus und mit der Kindereisenbahn mögen für Kinder ja ganz unterhaltsam sein, für Bergbauinteressierte erschien uns die Ausbeute jedoch eher kläglich und dem Eintrittspreis kaum angemessen. Der äußere Eindruck der Gebäude, deren Anstrich offenbar ganz bewußt in gutem Zustand gehalten wurde, ließ deutlich mehr Substanz im Inneren erwarten. Sofern man also noch nicht vor Langeweile krampfhaft nach irgend einer Ablenkung sucht, kann man nach unserer Erfahrung auf den Besuch dieses "Bergwerksdenkmals" getrost verzichten. Obwohl wir am nächsten Tag noch auf den Mt. Evans in der Nähe von Idaho Springs fahren wollten, bezogen wir für die letzten drei Nächte vor unserem Rückflug in Wheat Ridge, einem westlichen Vorort von Denver, Quartier. [‹ Index]
Mt. Evans Highway (Idaho Springs CO)
[17.07.1994]
In der Nähe von Denver CO sind die Rocky Mountains im Kernland der USA am
höchsten, denn hier liegen 53 Gipfel über 14000 ft (4267 m). Auf den 13.
Berg dieser Hitliste, den Mt. Evans mit 14264 ft (4348 m), führt bis zu einer
Höhe von 14127 ft (4306 m) der höchste mit dem Auto befahrbare Highway der
USA. Von Wheat Ridge bei Denver verläuft der kürzeste Weg über die auf diesem
Stück landschaftlich interessante I-70 nach Westen direkt in die Rockies,
wo kurz hinter Idaho Springs die CO-103 nach Süden abzweigt und dann die CO-5
am Echo Lake vorbei auf den Mt. Evans führt. Die CO-5 war eine schmale gut
asphaltierte Straße mit etlichen Ausweich- und Parkplätzen, jedoch weitgehend
ohne Leitplanken. Als für diese Höhe ungeübte Leute aus dem Flachland, deren
Haus nur 95 m über dem Meeresspiegel steht, haben wir auf der Fahrt nach dort
oben mehrere Rasten eingelegt, um die Vegetation am Straßenrand und die
Aussicht zu genießen, uns die Beine vertreten und den Kreislauf in Gang zu
bringen sowie wärmeres Zeug überzuziehen. An einer Stelle mußten wir auch
warten, bis eine Gruppe von Bergziegen die Straße wieder freigegeben hatte.
Vom Parkplatz am Ende der Straße in einer Höhe von 14127 ft (4306 m) hatten
wir einen traumhaften Ausblick über die umliegenden Berge
(Bild 3.87). Für die letzten 42 m bis zum
Gipfel, den man vom Parkplatz aus nur zu Fuß erreichen konnte, fühlten wir uns
allerdings in dieser Höhe etwas wackelig auf den Beinen, so daß wir darauf
besser verzichtet haben.
[‹ Index]
Phoenix Mine (Idaho Springs CO)
[17.07.1994]
Wieder zurück vom Mt.Evans sind wir auf die historische kleine Phoenix Mine
außerhalb von Idaho Springs aufmerksam geworden, die wir am Nachmittag besucht
haben (Bild 3.88). Diese aufgelassene Mine
ist von fünf jungen Männern gegen Nachzahlen der aufgelaufenen Steuern (5000 $)
übernommen worden. Obwohl sie vorgaben, zumindest im Winter, wenn keine Besucher
kommen, wieder Golderz abzubauen, erschien uns das eher als Vorwand, um mit dem
Slogan "Tour a Working Mine" (Besichtigen einer in Betrieb befindlichen
Mine) für Besichtigungen werben zu können. Wir vermuten, daß lediglich das beim
Aufwältigen der alten Baue für den sicheren Besucherzugang anfallende Golderz
verkauft wird. Jedenfalls war die Begehung des Bergwerksstollens mit den auf die
Besucher abgestimmten Erklärungen vor Ort (Personalized Tour) für 6 $ pro Person
eine erfrischende Alternative zum Besuch der Argo Gold Mine am Vortag. Da sich
die Besucher hier nicht gerade drängten, ergab sich nach unseren Fragen im
Anschluß an die Tour noch ein längeres interessantes Gespräch mit zwei Inhabern
der Phoenix Mine über allerlei Einzelheiten und Unterschiede des Erzbergbaus in
den USA und in Deutschland, bevor wir gegen Abend nach Wheat Ridge zurückfuhren.
[‹ Index]
Denver (CO) [18. - 19.07.1994]
Die letzten Tage dieser Reise hatten wir für verschiedene Sehenswürdigkeiten in
Denver vorgesehen. Erstaunlicherweise waren in der Innenstadt ziemlich leicht
Parkplätze auf etlichen unbebauten Grundstücken zu finden, etwas ungewöhnlich war
lediglich das Inkasso der Parkgebühr. Jeder Stellplatz war mit einer Nummer
versehen, und statt der üblichen Parkuhren oder eines Parkautomaten gab es ein
zentrales Metallschränkchen,das entsprechend viele Fächern mit Einwurfschlitzen
aufwies, die mit den Nummern der Stellplätze beschriftet waren. Diese
Kassenschränkchen hatten große Ähnlichkeit mit den sog. Sparschränken, wie sie
bei uns nach dem Krieg in zahlreichen Läden und Kneipen verbreitet waren und in
ein paar altertümlichen Kneipen auch heute noch zu finden sind. In Denver mußte
man einfach die Münzen für eine vorgegebene Parkdauer (z.B. 3 Stunden) in das
zu dem benutzen Stellplatz gehörende Schrankfach werfen, und dann ohne Parkscheibe
oder desgleichen selbst darauf achten, die vorgegebene Parkzeit nicht zu
überschreiten. Wie gut bzw. mit welchen Stichproben die Füllung der Schrankfächer
überprüft wurden, auf deren Stellplätzen Autos standen, wissen wir nicht. Aber
ein leeres Schrankfach mit einem belegten Stellplatz hätte einen auf jeden Fall
entlarvt. Also waren die Autofahrer wohl ehrlich genug, so wie wir auch.
Das erste Ziel unserer Besichtigungstour war die US Mint, in der seit 1862 in Denver Münzen geprägt werden und die an Werktagen nur vormittags für Besucher geöffnet ist (Bild 3.89). Diese Münzanstalt liegt in der Nähe des Kapitols 320 W. Colfax Ave. und hat ihren auf dem Bild sichtbaren Eingang von der Cherokee St. Wegen des erwarteten Andrangs, den man auf dem Bild an der Besucherschlange deutlich erkennen kann, hatte die Münze unsere höchste Priorität, weil wir diese Besichtigung auf keinen Fall verpassen wollten. Anschließend haben wir uns am und im State Capitol von Denver umgesehen. Am blumengeschmückten Kapitolvorplatz wird die Colfax Ave., die hier als Business Route der I-70 vorbeiführt, in die West bzw. East Colfax Avenue unterteilt. Von diesem Platz aus erblickt man im Norden die typische Skyline der Innenstadt von Denver (Bild 3.90), im Osten das State Capitol des Bundesstaates Colorado (E. Colfax Ave. / Sherman St.) mit seiner vergoldeten Kuppel (Bild 3.91) und im Westen das Rathaus (City Hall) von Denver (Bild 3.92). Auf der Eigangstreppe des State Capitol ist durch eine Plakette gekennzeichnet, wo genau eine Meile über dem Meeresspiegel liegt (Bild 3.93). Dadurch hat Denver den Beinamen Mile-High City bekommen. Besonders hat uns gefallen, wie ungezwungen wir uns als Besucher im Kapitol bewegen konnten. Sogar Mittagessen wurde uns in der Selbstbedienungs-Kantine des Kapitols ohne weiteres verkauft. Ob das nach den Terroranschlägen des 11. Sept. 2001 noch in dieser Form möglich ist, darf wohl eher bezweifelt werden.
Das Gebiet um den Larimer Square, insbesondere das 14th St. Mall wurde in mehreren Reiseführern als Einkaufsparadies hoch gelobt. Die dortige Restaurierung ist sicher gut gelungen, allerdings entsprach das Angebot nicht so ganz unseren Wünschen und unserem Geschmack. Vielleicht waren wir inzwischen auch einfach nur zu "pflastermüde" oder mit falschen Vorstellungen dort hingegangen, indem wir etwas Ähnliches erwartet hatten wie z.B. den Del Amo Fashion Square in Torrance (Los Angeles), den wir bei unserer ersten Reise zu schätzen gelernt hatten. Als interessanter erwies sich dagegen die Union Station an der Wynkoop St. (Bild 3.94). Der Bahnhof selbst war zwar großenteils eine Baustelle, aber er beherbergte Grandpa's Depot Shop, einen Laden mit allen nur denkbaren Erinnerungsstücken an die große Zeit der amerikanischen Eisenbahnen. Der Inhaber, ein älteres Original, von dem nur der Spitzname Grandpa (Opa) bekannt ist, hielt von ausgesondertem Speisewagengeschirr über Signallaternen und ausgebaute Schwellennägel mit "Zertifikat", auf welcher demontierten Strecke sie ihre Verschleißspuren bekommen hatten, bis hin zu ungebrauchten ehemaligen Fahrkarten und Lochzangen für Eisenbahnfans alles feil, was er hatte beschaffen können. Die meisten Stücke hatten daher auch entsprechende Liebhaberpreise oder waren zum Mitnehmen für einem Transatlantikflug einfach zu schwer, zu sperrig oder zu zerbrechlich. Einer Lochzange (ticket punch) nach einem US-Patent von 1887 konnte ich dann doch nicht widerstehen und ein echt amerikanischer Schwellennagel mit Zertifikat für den benachbarten Eisenbahnfan zu Hause waren dann aber doch noch drin.
Die klassische Business Route durch Denver entlang der W. 6th Ave., die wir interessehalber einmal entlaggefahren sind, zeigte bereits unverkennbare Anzeichen des Niedergangs. Offenbar fahren immer weniger Reisende zum Übernachten und Essen in die Zentren der Großstädte, sondern nutzen die modernen preiswerten Motels und Restaurants an Verkehrsknotenpunkten der Peripherie. So volle Parkplätze wie an dem Kettenrestaurant neben unserem Motel in Wheat Ridge (Bild 3.95) haben wir an der innerstädtischen klassischen Business Route der W. 6th Ave. nämlich nirgendwo entdecken können. Nachdem wir dann unsere Koffer für den Rückflug gepackt hatten, konnten wir von unserem Motelzimmer aus zum Abschied noch einen Blick auf die Kette der Rockies vor der untergehenden Sonne genießen (Bild 3.96). [‹ Index]
Rückflug (Denver CO - Hannover)
[19. - 20.07.1994]
Der Rückflug nach Hannover startete am späten Nachmittag um 17.00 Uhr, so daß
wir vorher noch eine Rundfahrt durch Denver unternehmen konnten, um einen
abschließenden Eindruck von dieser Stadt zu bekommen. Der Rückflug startete
pünktlich nach Minneapolis / St.Paul, da vom Stapleton Airport in Denver
wegen der Höhenlage die Startbahn für einen zum Transatlantikflug vollgetankten
Jumbo nicht ausreicht. In Minneapolis / St. Paul konnte das aus Omaha
kommende Anschlußflugzeug wegen der dortigen Wetterbedingungen nicht pünktlich
starten, und so verspätete sich unser Anschlußflug nach Amsterdam um etwa vier
Stunden. Nachdem die Läden in der Abflughalle wegen dieses unvorhergesehenen
Andrangs durch eine Flugzeugladung von Passagieren alles Eß- und Trinkbare
verkauft hatten, schlossen sie entgegen aller sonst üblichen amerikanischen
Geschäftstüchtigkeit gegen 23.00 Uhr. Wer sich in der Hoffnung auf einen
baldigen Weiterflug bis dahin nichts zu essen oder zu trinken besorgt hatte,
der konnte nur noch hungern bzw. dursten, bis es dann endlich weiterging. In
Amsterdam Schipol war unser Anschlußflieger nach Hannover natürlich schon weg,
und wir mußten weitere 2½ Stunden warten, bis wir mit dem nächsten
Cityhopper nach Hannover weiterkamen. Flughafenbus und Bundesbahn funktionierten
jedoch einwandfrei, so daß wir kurz vor Mitternacht des nächsten Tages dann
wohlbehalten wieder in Braunschweig ankamen.
[‹ Index]
Stand: 09.09.2009 / © MG