Hinweis: Die Tagebuchnotizen sind in chronologischer Reihenfolge angegeben. Zum einfacheren Auffinden markanter Sehenswürdigkeiten ist der folgende Index mit Verweisen auf die betreffenden Notizen in acht getrennten Kategorien jeweils alphabetisch geordnet. Zu den Verweisen in diesem Reisebericht kann man mit dem Rückpfeil des Browsers zurückkehren.
Golden Spike NHS (Promontory Point UT)
[04.07.1994]
Auf dem Weg von Ogden weiter nach Norden haben wir am Vormittag des
"Independence Day" die Golden Spike National Historic Site nördlich
des Großen Salzsees besucht, wo am 10. Mai 1869 der letzte "goldene"
Schienennagel bei der historischen Verbindung der ersten transkontinentalen
Eisenbahnstrecke am "Promontory Summit" eingeschlagen wurde. Der
Weg dorthin führt von Ogden über die I-15 bis Brigham City und von dort ca.
30 mi weiter nach Nord-Westen, zunächst auf der UT-83 und dann auf der Country
Road 504 über den Promontory Pass in Richtung Cedar Springs (bzw. Locomotive
Springs), bis die Zufahrtsstraße zum Visitor Center der NHS nach Südwesten
abzweigt. Hier am Promontory Summit wurde letztendlich die Verbindung durch
einen Kongreßbeschluß festgelegt, nachdem die beiden beteiligten
Eisenbahngesellschaften (die Central Pacific Railroad von Sacramento CA und
die Union Pacific Railroad von Omaha NE aus) in den Promontory Mountains ihre
Schienen zunächst nicht aufeinander zu, sondern auf konkurrierenden Trassen über
200 Meilen aneinander vorbei verlegt hatten. Mit diesem "Wettlauf" um
Meilen verlegten Schienenstranges sollten seinerzeit die Ansprüche auf
Landsubventionen für die jeweilige Bahngesellschaft entsprechend vergrößert
werden. Nachdem der symbolische goldene Nagel eingeschlagen (und nachträglich
durch einen eisernen Schienennagel ersetzt) war, hatte die Central Pacific RR
690 Meilen und die Union Pacific RR 1086 Meilen der insgesamt 1776 Meilen
Schienen durch Wüsten und Gebirge verlegt, um Osten und Westen der USA per
Eisenbahn miteinander zu verbinden.
Heute ist die Eintrittskarte zur NHS im Stil eines zeitgenössischen Fahrscheins (Bild 3.60) aufgemacht. Dafür bekommt man im Sommer die Nachbauten der beiden historischen Lokomotiven "Jupiter" und "119" unter Dampf zu sehen (Bild 3.61). Außerdem wird zu bestimmten Zeiten das Einschlagen des goldenen Nagels von Leuten in historischen Kostümen nachgestellt. Die umgebende Bergwüste (Höhe 4905 ft = 1495 m) vermittelt einen Eindruck, wie beschwerlich der Bau dieser Eisenbahnstrecke vor etwa 135 Jahren gewesen sein mag, als entsprechend viele Arbeiter unter dem Kommando ehemaliger Armeeoffiziere im flachen Land täglich 2 bis 5 Meilen Schienen verlegt haben. Obwohl die Lage der Golden Spike NHS oft auch als Promontory Point bezeichnet wird, trifft dieser Begriff dafür nicht zu. Die Golden Spike NHS liegt in den Promontory Mountains am Promontory Summit (Gipfel) nördlich den Großen Salzsees. Ein Teil der Promontory Mountains bildet eine ca. 16 Meilen (25 km) lange von Norden in den Salzsee ragende Landzunge, deren auf der Country Road 522 mit dem Auto zu erreichende Südspitze den Namen Promontory Point trägt. Diesen Aussichtspunkt haben wir jedoch aus Zeitgründen nicht aufgesucht. [‹ Index]
Shoshone Falls (ID) [04.07.1994]
Von der Golden Spike NHS ging es über die Country Road 504, die UT-83 und die
I-84 über Rupert ID bis Twin Falls ID. Zwischen Rupert und Twin Falls verläuft
die I-84 im Tal des Snake River, und kurz vor dem Ort Twin Falls liegen die
Shoshone Falls dieses Flusses (Bild 3.62).
Mit einer Fallhöhe von 212 ft (ca. 64 m) sind diese Wasserfälle fast 10 m höher
als die Niagarafälle mit ihren 54 m (Horseshoe Fall) bzw. 56 m (American Fall).
Die Wasserführung der Shoshone Falls kann stark schwanken, weil nicht nur die
Idaho Power Company Wasser zur Stromerzeugung abzweigt, sondern vor allem die
Bauern in Idaho dem Oberlauf des Snake River bei Bedarf noch mehr Wasser zur
Bewässerung ihrer Kartoffelfelder entnehmen.
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Shoshone Ice Cave (ID) [05.07.1994]
Auf dem Weg über die US-93 von Twin Falls nach Norden zum Craters of the Moon NM
kann man in dem Ort Shoshone einen Abstecher über die ID-75 zur Shoshone Ice
Cave machen. Bei dieser Höhle handelt es sich um eine Lavaröhre, in der sich
durch geeignete Luftströmungen Eis bildet. Sofern man nichts besseres vorhat,
kann man an einer Führung durch diese etwa 300 m lange Haupthöhle teilnehmen.
Wir selbst waren jedoch von dieser Höhle nicht so begeistert.
[‹ Index]
Craters of the Moon NM (ID) [05.07.1994]
Von der Shoshone Ice Cave gelangt man auf der ID-75 nach Norden und der US-20
nach Osten zurück auf die US-93 (zugleich US-20 und US-26), die direkt zum
Craters of the Moon NM führt. Hier bilden Lavafelder, vulkanische Schlackekegel,
Krater und Höhlen eine weit ausgedehnte seltsam anmutende unwirtliche Landschaft
(Bild 3.63). Durch das ca. 215 km² große
National Monument führt eine 11 km lange Rundstrecke mit zahlreichen Parkplätzen.
Acht Wanderwege führen von der Rundstrecke zu interessanten Formationen. Nach
Angaben in dem zugehörigen Faltblatt kann diese Strecke mit einigen kurzen
Spaziergängen in zwei Stunden bewältigt werden. Da diese Landschaft der
Mondoberfläche ähnelt, wurden hier seinerzeit die amerikanischen Astronauten auf
die Geländeverhältnisse vorbereitet, die sie auf der Mondoberfläche
erwarteten.
Vom Craters of the Moon NM sind wir auf der US-93 nach Arco weitergefahren. Da es zum Übernachten noch viel zu früh war, ging es über die ID-22 weiter nach Dubois und dann auf der I-15 am 6823 ft (2080 m) hohen Monida Pass über die Wasserscheide bis Dillon MT weiter. In dieser Gegend westlich des Yellowstone NP verläuft die I-15 streckenweise schnurgerade durch äußerst dünn besiedeltes Gebiet (Bild 3.64). An mehreren der weit auseinander liegenden Ausfahrten waren Hinweise wie "No Road Services", "No Gas" oder "No Food" ein eindeutiges Indiz für die Einsamkeit dieser Landschaft. Nach über drei Wochen der Wärme und Trockenheit kam uns die Bewölkung mit dem anschließenden Regen geradezu erfrischend vor. Bemerkenswert fanden wir eine Begebenheit am nächsten Morgen nach unserer Übernachtung in Dillon, wie sie für die Dienstleistungsbereitschaft in amerikanischen Familienbetrieben ganz typisch ist. Das Restaurant, in dem wir gefrühstückt hatten, war gut besucht, und das Personal kam mit dem Abräumen der verlassenen Tische kaum nach. Die ältere Frau an der Registrierkasse in der Nähe des Eingangs, vermutlich die Seniorchefin im Alter von Mitte 70, schien ihre Augen überall zu haben. Als wir gerade bezahlen wollten, entschuldigte sie sich bei uns für einen Moment, weil sie gesehen hatte, daß ein Paar mit mehreren Kindern das Lokal nach einem kurzen Rundblick wieder verlassen wollte. Es gelang ihr spontan, diese Gäste davon zu überzeugen, daß sehr wohl genügend Platz vorhanden sei, und wies eine Serviererin an, sofort einen geeigneten Tisch freizuräumen. Danach kam sie an die Kasse zurück, nahm nach einer weiteren Entschuldigung unseren Reisescheck entgegen und gab das Wechselgeld heraus. Die ganze Unterbrechung hatte keine Minute gedauert, und unser verständnisvolles Schmunzeln wurde ohne weitere Worte wohlwollend registriert. [‹ Index]
World Museum of Mining (Butte MT)
[06.07.1994]
Von Dillon aus sind wir über die I-15 nach Norden bis Butte MT gefahren, um
das dortige "World Museum of Mining" zu besichtigen. Der Name Butte
entspricht der englischen Bezeichnung für einen Tafelberg, dessen spanischer
Name Mesa uns erstaunlicherweise viel geläufiger ist. Der historische
Bergwerksort Butte hat heute fast 40 000 Einwohner und liegt in der
Nähe der Wasserscheide in einer Höhe von 6375 ft (ca. 1945 m). In der
Blütezeit der Bergbaus im Butte Hill gab es dort insgesamt 232 Bergwerke,
die aber vermutlich nicht alle gleichzeitig in Betrieb waren. Heutzutage ist
in Butte noch ein einziges Untertagebergwerk in Betrieb. Ansonsten kann man
in der Umgebung zahlreiche Hinterlassenschaften des Bergbaus in Form
aufgelassener Tagebaue, kleinerer Schächte und ehemaliger Bergarbeitersiedlungen
in unterschiedlichen Stadien des Verfalls bewundern. Auch an der Park Street
von Butte (Bild 3.65) als einer der
Ost-West-Durchgangsstraßen ist der Niedergang wie in vielen anderen ehemaligen
Bergwerksstädten deutlich zu erkennen.
Das "World Museum of Mining" befindet sich an der ehemaligen "Orphan Girl Mine", aus der von 1875 mit ein paar Unterbrechungen bis 1944 Silber, Blei und Zink gefördert wurde. Außer dem nicht besonders spektakulären Förderkorb im Freigelände (Bild 3.66)sind einige der erhaltenen Tagesanlagen zu besichtigen. Hierzu gehören u.a. der Förderturm, die Trommelfördermaschine für den etwa 2730 ft (ca. 832 m) tiefen Schacht, eine Grubenlokomotive mit ein paar Förderwagen und eine Einheit aus vier Pochstempeln. Alles in allem ist das jedoch zusammen mit den übrigen Ausstellungsstücken und Schautafeln nicht so überwältigend, wie nach der Historie dieses ausgedehnten Bergbaubezirks und dem verheißungsvollen Namen "The World Museum of Mining" zu erwarten. Derartige Bergbau- bzw. Bergwerksausstellungen ähnlichen Umfangs könnte man auch in etlichen ehemaligen Berwerksorten des Harzes besichtigen. Dabei ist jedoch zu bedenken, daß dieses Museum seit 1963 von Freiwilligen (volunteers) unterhalten und offenbar ausschließlich aus Spenden (donations) finanziert wird. Dazu gehören sicher auch die (vermutlich mageren) Gewinne aus dem Verkauf von Souvenirs und Broschüren. So erwies sich eine dort für knapp 6 $ erworbene Broschüre von etwa 60 Seiten über "The Orphan Girl Mine & The World Museum of Mining" als Fundgrube technischer Details und zahlreicher gut erklärter Fachausdrücke aus dem Bergbau, die in die Vokabelliste am Schluß dieser Tagebuchnotizen aufgenommen wurden. Außerdem brauchten wir bei unserem Besuch kein Eintrittsgeld zu bezahlen. Bemerkenswert ist jedoch der zum Museum gehörende Nachbau einer Straße mit zahlreichen zeitgenössischen Holzhäusern, um die Lebensumgebung der Bergleute zu Beginn des 20. Jahrhunderts darzustellen. Neben dem unvermeidbaren Saloon, einer Bank, einem General Store, der Schule und den Häusern der ansässigen Handwerker und Dienstleister wie Schmied, Tischler, Totengräber (Undertaker) und Zahnarzt darf natürlich auch ein Etablissement wie "Victoria's Room" (Bild 3.67) nicht fehlen, um die Befriedigung gewisser körperlicher Bedürfnisse einer überwiegend aus rauhen Männern bestehenden Stadtbevölkerung zu dokumentieren.
Außer Silber, Zink und Blei wurde im Bergbaurevier von Butte auch Kupfer abgebaut. So haben wir uns nach dem Museumsbesuch noch den halb abgesoffenen ehemaligen Kupfertagebau des Berkely Pit angesehen sowie ehemalige Bergarbeitersiedlungen im Stadtteil Walkerville, deren Blütezeit längst Vergangenheit ist. Anschließend sind wir über die I-90 bis Whitehall weitergefahren, wo wir übernachtet haben. [‹ Index]
Lewis & Clark Cavern SP (MT)
[06.07.1994]
Nachdem wir uns in Whitehall ein Quartier besorgt hatten, sind wir am
Nachmittag über die MT-2 zum Lewis & Clark Cavern State Park gefahren,
um die dortige Tropfsteinhöhle zu besichtigen. Die Höhle ist eine der
größten Kalksteinhöhlen des Nordwestens und liegt oberhalb der Baumgrenze.
Wir erreichten zum Glück noch die letzte Führung des Tages. Die Höhle ist
beeindruckend und hat uns gut gefallen. Als sich alle Besucher einer
Führung im Ausgangstunnel der Höhle befanden, machte sich der Ranger einen
Spaß daraus, die Tür zwischen Höhle und Tunnel von einem der Teilnehmer
zuschlagen zu lassen. Nicht nur das Geräusch war für viele Teilnehmer
erschreckend, sondern man konnte die Schwingungen der Luftsäule in dem
langen engen Tunnel mit dem eigenen Brustkorb deutlich spüren.
Zum Frühstücken besuchten wir am nächsten Morgen das Restaurant "town pump" neben der Tankstelle des Ortes Whitehall. Als wir nach dem Frühstück losfahren wollten, bekam diese Tankstelle gerade eine Benzinlieferung, und wir konnten einen der bereits unterwegs gesehenen Tanksattelzüge mit zusätzlichem Anhänger aus der Nähe bewundern (Bild 3.68). Da dem Truck Driver die Passage vom Parkplatz an seinem in den Erdtank führenden Füllschlauch vorbei für "einheimische Fahrkünste" offenbar reichlich eng erschien, fürchtete er um diesen Schlauchanschluß und sprach uns an. So erfuhren wir bei diesem Gespräch auch die in der Bildunterschrift angegebenen technischen Details seines beeindruckenden Tankzuges (Länge ca. 30,5 m; Fassungsvermögen ca. 56775 Liter). [‹ Index]
Nevada City / Virginia City (MT)
[07.07.1994]
Von Whitehall aus fuhren wir über die MT-55 und MT-41 bis Twin Bridges,
wo die MT-287 nach den beiden Ghosttowns Nevada City und Virginia City MT
abzweigt (nicht zu verwechseln mit Virginia City NV bei Reno). Auf diese
beiden Orte am Wege zum Yellowstone NP waren wir durch einen ADAC-Hinweis
[Reisekarte RR43, USA-Westküste Nördlicher Teil, Hinweis 47, ADAC TourSet,
1993] aufmerksam geworden. Es zeigte sich jedoch, daß auch schriftliche
Angaben dem tatsächlichen Zustand historischer Geisterstädte, die touristisch
erschlossen werden sollen, manchmal weit vorauseilen. In Nevada City MT
war außer der Hauptstraße mit dem alten Bahnhofsgebäde und ein paar vor
sich hin modernden Eisenbahnwagen auf einem Abstellgleis neben der Straße
nicht viel zu sehen. In der ehemaligen Goldgräberstadt Virginia City MT gab
es erfreulicherweise etwas mehr. Hier war noch ein historisches Hotel in
Betrieb, und außer dem Historical Museum mit einer Sammlung von
betriebsfähigen automatischen Musikinstrumenten waren auch der General
Store und die Schmiede durchaus sehenswert. Diese Vorgänger der Musikbox
schluckten immer noch verschiedene US-Münzen (Dimes oder Quarters) und
veranstalteten daraufhin die seinerzeit als Musik empfundene Geräuschkulisse.
Etwas befremdlich wirkten jedoch zwei Dinge auf uns. Zum einen gab es in
dieser "angehenden musealen Boomtown" nur in dem Hotel eine
Toilette, zu der jedoch normalen Passanten kein Zugang gewährt wurde.
Außerdem sollten wir für einen kurzen Spaziergang auf der zuvor befahrenen
und keineswegs abgesperrten Durchgangsstraße unvermittelt
"Eintrittsgeld" bezahlen, ohne daß wir einen angeschlagenen
Hinweis darauf entdecken konnten. Die beiden jungen Männer, die dieses
Eintrittsgeld von uns verlangten, hatten wir zwar zuvor bereits in dem
Museum bemerkt. Da sie jedoch nicht besonders vertrauenswürdig aussahen,
haben wir es vorgezogen, diese ungastliche Stätte zu verlassen und über die
MT-287, die US-287 und die US-191 nach West Yellowstone MT am Westeingang
des gleichnamigen Nationalparks weiterzufahren.
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Yellowstone NP (WY) [07. - 08.07.1994]
Nachdem wir gegen Mittag in West Yellowsstone Quartier bezogen hatten,
ging es noch am Nachmittag auf die Nordschleife des in der Nordwestecke
von Wyoming gelegenen Yellowstone NP. Nachdem wir den Park bereits auf
unserer ersten Reise 1987 besucht hatten, war dort 1988 ein großes Feuer
ausgebrochen, das weite Bereiche des Baumbestandes im Westteil des Parks
vernichtet hatte. Da unsere Route in der Nähe vorbeiführte, wollten wir
die Veränderungen durch diese Brand selbst in Augenschein nehmen. Am
Eingang fiel uns auf, daß sich der Eintrittspreis (eine Woche für ein Auto
mit Insassen) in den sieben Jahren seit unserer ersten Reise von 5 $ auf
10 $ vedoppelt hatte. Allerdings störte uns das nicht, weil wir einen sog.
Golden Eagle Pass (für 50 $) als Jahresticket zum Besuch aller National
Parks, Monuments etc. für die gesamte Reise erworben hatten. Auf unserem
Weg nach Mammouth Hot Springs konnten wir jedoch sehen, daß viele Bäume
nicht vollständig verbrannt, jedoch abgestorben sind, weil deren Rinde dem
Feuer zum Opfer gefallen ist (Bild 3.69).
Wie das Bild zeigt, stehen sie ziemlich gespenstisch in der Landschaft.
An anderen Stellen ist auch das Astwerk fast vollständig verbrannt, so
daß die hellen entrindeten Bäume wie überdimensionale Streichhölzer
wirken. Die Sinterterrassen in Mammouth Hot Springs
(Bild 3.70) haben sich durch
Veränderungen der heißen Quellen geringfügig verlagert, sahen aber immer
noch vergleichbar aus wie sieben Jahre zuvor.
Am nächsten Morgen sind wir auf der Südschleife durch den Park am Old Faithful vorbei zum Ostausgang gefahren. Im Gegensatz zu unserem ersten Besuch haben wir dabei erstmals etliche Bisons gesehen, die fälschlicherweise oft als Büffel bezeichnet werden. Dieser Tiere konnten durch das noch fehlende verbrannte Unterholz gut beobachtet werden (Bild 3.71). An einigen Stellen kamen einzelne Bisons, vor deren Gefährlichkeit ausdrücklich gewarnt wurde, den Besuchern auch erschreckend nahe. Da der Old Faithful sehr zuverlässig etwa alle 70 Minuten sein heißes Wasser in die Luft spritzt, wartet man natürlich gemeinsam mit vielen anderen Besuchern die Eruption dieses berühmten Geysirs ab (Bild 3.72). Anschließend sind wir am Yellowstone Lake entlang zum Osteingang des Parks gefahren und von dort über die mit den drei Nummern US-14 / US-16 / US-20 bezeichnete Bundesstraße am Buffalo Bill Reservoir vorbei nach Cody. Obwohl die Strecke von West Yellostone bis Cody nur etwa 150 mi (ca. 250 km) lang ist, erforderte sie durch den Park und das Gebirge (mit etlichen Baustellen) etwa 5 Stunden reine Fahrzeit. [‹ Index]
Cody (WY) [08.07.1994]
Die Stadt Cody ist 1896 von William F. Cody (1846 - 1917) gegründet
worden, der allerdings unter seinem Spitznamen Buffalo Bill
wesentlich bekannter war. Obwohl er Zeit seines Lebens eine schillernde
Persönlichkeit mit vielerlei wechselnden Berufen war, genießt Buffalo
Bill bei den Einwohnern von Cody offenbar immer noch große Sympathien.
So hat er oberhalb des Ortes eine Talsperre, das Buffalo Bill
Reservoir, anlegen lassen, deren Staumauer seither mehrfach erhöht
wurde. Durch die damit ermöglichte Bewässerung kann in dem Tal des
Shoshone River um Cody Saatzucht betrieben werden. Durch ihre
Abgeschiedenheit lebt die Stadt Cody noch heute im "Wilden
Westen", obwohl natürlich Strom und Gas schon vorhanden sind und
in USA-Manier mit Zählern außen an den Fassaden in die Häuser geführt
werden (Bild 3.73).
Sehenswert in Cody ist auf jeden Fall das Buffalo Bill Historic Center, das vier Museen vereinigt und auf dessen Eintrittskarte man an zwei aufeinanderfolgenden Tagen diese Museen beliebig oft besuchen kann. Beeindruckend sind nicht nur die persönlichen Erinnerungsstücke an William Cody und die Ausstellung von Gerätschaften der ersten Siedler, sondern vor allem die dort untergebrachte größte Sammlung der USA an historischen Waffen. Durch seine 1883 in Omaha NE gegründete Wildwestshow wurde Buffalo Bill weltweit bekannt und berühmt. Insgesamt 10 der 30 Jahre, in denen diese Show bestand, gastierte Buffalo Bill damit in Europa. 1887 war er damit die Hauptattraktion beim goldenen Jubiläum von Queen Victoria. Die wertvolle Vitrine, die er von Victoria zum Dank erhielt, steht noch heute hinter der Theke von Irma's Restaurant, das nach Buffalo Bill's dritter Tochter Irma benannt ist und in dem das Ambiente des ehemals vornehmen Wilden Westens auch heute noch weiterlebt. Als wir dort am nächsten Morgen auf Empfehlung der Motel-Managerin gefrühsückt haben, war das Lokal voll besetzt, so daß wir noch kurz warten mußten. Als wir dann jedoch an einem freien Tisch auf Stühlen mit Ledersitzen und hohen, leicht geschwungenen Rückenlehnen Platz genommen hatten, wurden wir sehr zügig bedient und das Frühstück schmeckte ausgezeichnet.
Wegen der weitgehend "einsamen" Lage des Ortes Cody gehören die dortigen Motels nicht gerade zu den billigsten im Lande. Aber offensichtlich haben wir das mit nur 9 Zimmern ziemlich kleine Uptown Motel zielsicher als preiswürdigstes Angebot am Platze erkannt und ausgewählt. Das hat uns jedenfalls die deutsche Managerin, die unsere Herkunft nicht gleich am Akzent der Sprache erkannt hat, zumindest glaubhaft versichert. Ähnlich zielsicher haben wir am Abend auf eigene Kappe ein ziemlich rustikales Lokal gefunden, wo uns das Essen hervorragend geschmeckt hat. Dieses nur mittags und abends geöffnete Lokal gehörte wohl zu den besten in Cody. Das hat uns jedenfalls die Motel-Managerin nachträglich bestätigt, als sie uns am nächsten Morgen zum Frühstücken Irma's empfohlen hat. [‹ Index]
Bighorn Canyon NRA (WY) [09.07.1994]
Von Cody führt die US-14 nach Osten zur I-90 in Richtung Devil's Tower
NM in WY und Badlands NP in SD. Direkt ab Cody verläuft die vermutlich
ältere US-14A (A = alt. = alternate) durch eine wildere Bergwelt als die
Standardstrecke US-14. Diese landschaftlich attraktivere US-14A, die durch
den Südzipfel der Bighorn Canyon NRA führt und im Winter gesperrt ist,
hätten wir auch ohne die Empfehlung der Motel-Managerin gewählt. Schon bald
hinter Cody werden auf dieser Straße die LKW-Fahrer durch große Warnschilder
mit mehreren gelben Blinklampen auf die stellenweise vorhandenen engen
Kurven und Steilstrecken hingewiesen mit der Empfehlung, diese Route nach
Möglichkeit zu meiden. Für einen PKW-Fahrer mit etwas Erfahrung im Gebirge
(z.B. in den Alpen) ergeben sich jedoch im Sommer keine Schwierigkeiten.
Der Blick in den bis zum Wasserspiegel gut 300 m tiefen Bighorn Canyon
(Bild 3.74) lohnt die Fahrt über diese
Nebenstrecke allemal. Offenbar ist dieser Aussichtspunkt in der Nähe des
Visitor Center bei Lovell WY auch für Profi-Fotografen leicht zu erreichen,
denn ähnliche Aufnahmen, wahlweise auch mit Booten auf dem Wasser, findet
man in etlichen Reiseführern, in denen der Bighorn Canyon erwähnt wird.
Die Bighorn Canyon NRA erstreckt sich längs des etwa 71 mi (ca. 114 km) langen Bighorn Lake über die Grenze von Wyoming nach Montana durch die "Crow Indian Reservation". Das Wasser in diesem unterschiedlich engen Canyon wird vom Yellowtail Dam in der Nähe von Ft. Smith MT gestaut. Das umgebende Reservat ist Privateigentum der Crow (Krähen-) Indianer und daher für die Öffentlichkeit gesperrt. Deshalb gibt es keine direkte Verbindung zwischen dem Südteil der NRA, aus dem das Bild stammt, und deren Nordteil. Östlich von Lowell MT zweigt die MT-37 von der US-14A nach Norden ab und führt noch ein Stück an der Westseite des Canyon entlang. Um den in Montana gelegenen Nordteil zu erreichen, muß man den Canyon aus den genannten Gründen weiträumig umfahren. Sofern man sich nicht bereits im Visitor Center bei Lovell das betreffende Faltblatt besorgt hat, dürfte man mit normalen Straßenkarten am einfachsten zum Nordteil gelangen, indem man in Hardin MT von der I-90 auf die MT-313 abbiegt und nach Ft. Smith fährt. Dort und am Yellowtail Dam gibt es ebenfalls zwei Visitor Center. In der Sommersaison (Memorial Day bis Labor Day, letzter Montag im Mai - erster Montag im Sept.) werden auch Führungen durch das Kraftwerk im Yellowtail Dam angeboten. Etwa 16 mi (ca. 26 km) südöstlich von Hardin liegt das Little Bighorn Battlefield NM am Abzweig der US-212 vn der I-90. Was es dort zu sehen gibt, können wir allerdings nicht beurteilen, denn wir selbst haben aus Zeitgründen nur den Südteil an der US-14A besichtigt, wo der Bighorn Lake am breitesten ist. Von dort aus sind wir, wie oben bereits angegeben, über die US-14A, US-14 und I-90 bis Gillette WY zum Übernachten weitergefahren. [‹ Index]
Devil's Tower NM (WY) [10.07.1994]
Zum Devil's Tower NM im Nordosten von Wyoming kommt man, wenn man in
Moorcroft von der I-90 abfährt, über die US-16 bis Devil's Tower Junction
und die WY-24 bis zum Abzweig der WY-110 zum National Monument. Bereits bei
der Anfahrt sieht man den 386 m hohen Felsenkegel aus dem Tal des Belle
Fourche River aufragen und kann ihn daher kaum verfehlen. Auch vom
Parkeingang ist dieser vulkanische Basaltkegel in voller Schönheit zu
sehen (Bild 3.75). Sein Durchmesser
beträgt am Fuß etwa 300 m und an der Spitze ca. 82,5 m. Er ähnelt einem
versteinerten Baumstumpf und ist als Übungsobjekt für Bergsteiger sehr
beliebt. Aus Sicherheitsgründen müssen sich diese Bergsteiger vor und nach
ihren Kletterübungen im Visitor Center registrieren lassen. Den Indianern,
die die Riefen in den Felshängen für Kratzspuren eines Bären hielten, war
dieser Felsen unheimlich. Später diente er den Pionieren als Landmarke
zur Orientierung. Heute kann man vom Visitor Center aus den beeindruckenden
Felsen bequem umwandern, teilweise sogar im Schatten der dort stehenden
Bäume.
Es ist erstaunlich, welche unbedeutenden Einzelheiten einem manchmal nach langer Zeit noch im Gedächtnis haften bleiben. So haben wir auch nach zehn Jahren immer noch nicht vergessen, daß im Souvenirshop am Devil's Tower neben vielen anderen mehr oder weniger unnützen Dingen auch eine sog. "Mosquito Trap" (Moskitofalle) angeboten wurde. Mit diesem Scherzartikel, der einer bei den früheren Trappern (Fallenstellern) gebräuchlichen Bügelfallen als Modell nachgebildet war, hätte man zwar keine einzige Stechmücke fangen können, aber Mechanismus und Wirkungsweise einer Bügelfalle waren daran einwandfrei zu erkennen. Irgendwie war uns dann aber der Preis von knapp 4 $ für diesen Schnickschnack doch zu hoch, und wir haben das Ding wieder zurückgelegt. Erst später, als wir längst weitergefahren waren, kam uns die Idee, daß dieses Modell gut geeignet wäre, jemandem die Funktion einer solchen Falle zu erklären, der diese Dinger nicht kennt und sich nicht vorstellen kann, warum sie sich auch mit viel Kraft nicht einfach wieder aufdrücken lassen. Leider haben wir ein solches Modell weder vorher noch nachher in irgend einem anderen Souvenirshop entdeckt. [‹ Index]
Deadwood / Lead (SD) [10.07.1994]
Vom Devil's Tower sind wir dann über die Nebenstrecken WY-24 und SD-84
in Richtung Belle Fourche SD und von dort weiter auf der US-85 über
Deadwood bis Lead in SD gefahren. Als Quartier haben wir ein rustikales
Motel zwischen diesen beiden Orten gefunden, bei dem jeweils zwei
Zimmer in einem separaten Blockhaus unter hohen Tannen untergebracht
waren. Auf dem Weg dorthin kamen wir an der Broken Boot Gold
Mine vorbei, die nach einem bei der Öffnung für Touristen dort
gefundenen beschädigten Arbeitsschuh benannt ist. Die Erläuterungen des
historischen Abbaus von Golderz waren durchaus interessant. Der zugängliche
Teil bestand jedoch nur aus einem kurzen Stollen und einer einzigen durch
den Abbau entstandenen Kaverne, so daß es nicht viel Besonderes zu sehen
gab. Die nach dem Einchecken im Motel besichtigten Tagesanlagen der noch
betriebenen Homestake Gold Mine in Lead werden im nächsten Abschnitt
beschrieben. In Deadwood hat man den Bergbau inzwischen jedoch auf die
Taschen der Touristen umgestellt. Dort ist das Metallerz bereits verhüttet,
und die handlichen runden Metallstücke sind sogar mit ihrem Wert amtlich
gekennzeichnet. So ist es nicht verwunderlich, daß Deadwood durch
zahlreiche Casinos, in denen diese "moderne" Art des Bergbaus
betrieben wird, als blühende Stadt erscheint
(Bild 3.76) und nicht als Ghosttown
wie viele andere alte Bergwerksorte. Um Spieler anzulocken, gibt es in den
einzelnen Casinos die verschiedensten Sonderangebote. Im Silverado,
das uns von unserem Motelwirt empfohlen wurde, waren dies Prime Ribs zum
Sonderpreis von nur 6,25 $.
[‹ Index]
Homestake Gold Mine (Lead SD)
[10. - 11.07.1994]
Im Nachbarort Lead wurde dagegen 1994 während unserer Reise noch klassischer
Untertage-Bergbau nach Gold betrieben. Die Homestake Gold Mine war bereits
seit 1876 als Tagebau vom Ausbiß des dortigen Golderzganges bis in eine
Tiefe von 8000 ft (mehr als 2400 m) gefolgt und galt als die größte
Goldmine der westlichen Welt. Bei den dortigen Gesteinstemperaturen von
133 °F (56 °C) reichte eine gewöhnliche Bewetterung nicht mehr aus,
sondern die Abbaue mußten auf 85 °F (29,5 °C und 75 %
Luftfeuchtigkeit) klimatisiert werden, um die Arbeitsbedingungen erträglich
zu machen. Die Tagesanlagen, d.h. Schachthalle, Fördermaschine und Teile
der Erz- und Abwasser-Aufbereitung, sowie ein angeschlossenes
Berwerksmuseum konnten besichtigt werden. So haben wir am Sonntag nachmittag
(10.07.) noch einen aufgelassenen Tagebau in Lead und die Tagesanlagen am
Yates-Schacht besichtigt (Homestake Surface Tours) und am Montag (11.07.)
vormittag das zugehörige Bergbaumuseum (Mining Museum). Inzwischen hat die
Homestake Mine nach gut 125 Jahren kontinuierlichem Goldabbau ihren Betrieb
zum 31.12.2001 eingestellt. Nach einer Internet-Recherche am 16.11.2004 sind
diese Tagesanlagen jedoch auch heute noch vorhanden, und die damaligen
"Homestake Surface Tours" werden nahezu unverändert angeboten.
Vielleicht können wir mit unseren damals gewonnenen Eindrücken den einen
oder anderen Interessenten zum Besuch dieser beachtlichen Bergwerksanlage
begeistern. Die folgenden technischen Einzelheiten, die großenteils auch bei
der Führung genannt wurden, sind zur Sicherheit mit den Angaben in einem
Sachbuch über die Homestake Mine [RF 26]
überprüft worden.
Der von 1938 bis 1941 abgeteufte Yates-Schacht ist für eine Teufe von 5000 ft (1524 m) ausgelegt und war mit einem Querschnitt von 15 ft x 27 ft 8 " (4,57 m x 8,43 m) seinerzeit der größte Schacht der Homestake Mine. Die tiefer gelegenen Abbaue bis 8000 ft (ca. 2438 m) des Bergwerks wurden später über verschiedene Blindschächte erschlossen. Die Schachtscheibe war in 7 Trume*) (compartments) unterteilt, 2 Fördertrume für Körbe (cages), 2 Fördertrume für Gefäße (skips for 8 tons of ore), 1 Schnell-Fördertrum (runabout cage), 1 Leitungstrum (pipe and electrical) und 1 Fahrtrum mit Fahrten, d.h. Notleitern (ladder way for emergency exit). Der Förderturm war wegen der winterlichen Wetterbedingungen in Lead über der beeindruckend großen Schachthalle vollständig verkleidet. Als erste Zerkleinerungsstufe über Tage befand sich fast unter dem Dach der Schachthalle neben dem Fördergerüst ein entsprechend großer Symons Kegelbrecher, dessen Einbauort und Größe gleichermaßen beeindruckten. Am Sonntag unserer Besichtigung wurde nicht gefördert, so daß der ansonsten vermutlich ebenso beeindruckende Lärmpegel fehlte und man die Erläuterungen der Führerin gut verstehen konnte.
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| *) | Das "Trum" bedeutet hier eine Abteilung im Schachtquerschnitt (der sog. Schachtscheibe) für einen bestimmten Zweck, z.B. für die Förderung (Förderkörbe mit Spurlatten), Fahrten (Notleitern), Leitungen (Rohre und Kabel) oder Bewetterung (Lutten, in Gruben mit nur einem Schacht). Es gibt (regional) verschiedene Pluralbildungen: die Trume, die Trümer oder auch die Trümern (alle mit nur einem m!). |
Die nächste Überraschung boten die Seildurchlässe in der Wand des Fördermaschinenhauses, aus denen man auf die Art der dahinter verborgenen Fördermachine schließen kann. Zwei nahezu quadratische Durchbrüche in entsprechendem Abstand übereinder gehören zu einer Maschine mit Koepescheibe, die ich bei einem Schacht dieser Tiefe erwartet hätte. Zwei seitlich und in der Höhe versetzte waagerechte Schlitze sind für eine Trommelfördermaschine mit zylindrischer Trommel erforderlich, bei der je ein Seil von oben bzw. unten auf die entsprechende Trommelhälfte aufläuft. Verlaufen die beiden in dieser Weise versetzten Schlitze dagegen in gleicher Richtung schräg, dann verbirgt sich dahinter eine Maschine mit konischer Trommel zum besseren Ausbalancieren des Seilgewichtes. Dabei sind die beiden konischen Trommelteile aus technichen Gründen üblicherweise mit ihrem dickeren Konusende in der Mitte gekuppelt. Am Fördermaschinenhaus des Yates-Schachtes lagen jedoch die schrägen Schlitze für konische Trommeln ohne seitlichen Versatz übereinander, was ich zuvor noch nicht gesehen hatte. Diese Anordnung gab es zweimal nebeneinander, eine Maschine für die beiden Förderkörbe und eine zweite unabhängige Maschine für die beiden Skipgefäße. Erfreulicherweise gehörte die Besichtigung des Fördermaschinenhauses zur Tour. Um zwei derartige Fördermaschinen dicht genug nebeneinander aufbauen zu können, waren die beiden konischen Teiltrommeln einer jeden Maschine gegensinnig voreinander angeordnet und nicht direkt, sondern über ein entsprechend stabiles Getriebe miteinander gekuppelt. Dabei führten die beiden Förderseile von unten auf die vordere bzw. von oben auf die hintere Trommel, damit sie ungestört schräg nach oben zu den Seilscheiben im Förderturm laufen können. Da jede der konischen Teiltrommeln für 5600 ft (ca. 1707 m) des 1 7/8" (ca. 47,6 mm) dicken Förderseils vorgesehen ist, hat sie eine Länge von 16 ft (ca. 4,88 m) und einen Durchmesser von 25 ft (7,62 m) am dicken bzw. 12 ft (ca. 3,66 m) am dünnen Ende mit je einer Welle von 30" (762 mm). Und das Ganze zweimal nebeneinander, eine auch heute noch beeindruckende Anlage. Jede der zwei Fördermaschinen wird durch einen 1500-PS-Gleichstrommotor angetrieben, der über einen separaten Ilgner-Umformer (Leonard-Umformer mit Schwungradausgleich) versorgt wird. Die von der Firma Nordberg, entsprechend dem damaligen Stand der Technik gelieferten Maschinen waren bei unserer Besichtigung noch nahezu unverändert in Betrieb und dürften auch heute noch vorhanden sein. Auffällig waren auch hier die in Amerika verbreiteten Teufenzeiger mit je einem drehenden Zeiger auf zwei entsprechend großen runden Skalen. In Deutschland sind dagegen bei Fördermaschinen aus dieser Zeit Teufenzeiger mit einer langen vertikalen Skala (als direktes Modell des vertikalen Schachtes) üblich, auf der zwei durch Wandermuttern auf Gewindspindeln bewegte Zeiger die Stellung der beiden Förderkörbe (oder Skips) anzeigen.
Die ebenfalls besichtigte Aufbereitung war auch am Sonntag in Betrieb. Hier liefen mehrere Kugel- und Stabmühlen, um das Erz so fein zu mahlen, daß die geringen goldhaltigen Anteile vom tauben Gestein so gut und vollständig wie möglich getrennt und zu metallischem Gold verarbeitet werden können. Das geschah durch die sog. Zyanidlaugung (siehe nächsten Absatz). Dieser weltweit angewandte ausgesprochen giftige Prozeß erfordert eine aufwenige Abwasseraufbereitung. So wurde uns nicht nur das Aufbereitungsverfahren in groben Zügen erklärt, sondern auch vorgeführt, wie in eigens dafür vorhandenen Becken mit Hilfe darin schwimmender Fische nachgewiesen wird, daß dieses Abwasser auch wirklich ungiftig ist, bevor es in den Vorfluter abgelassen wird. Am Anfang dieser Erklärungen hat es etwas gedauert, bis wir in der hier recht lauten Umgebung verstanden haben, daß es sich bei dem breit ausgesprochenen Wort "Cyanide" um Zyanid handelt. Obwohl mir natürlich bekannt war, daß Gold als Edelmetall erstaunlicherweise mit der, wenn auch giftigen, so doch äußerst schwachen Blausäure reagiert, bewirkte erst ein gelbes Warnschild, auf dem u.a. das Wort Cyanide zu lesen war, das richtige Verständnis. Selbstverständlich führte unsere Besichtigungstour nicht durch Räumlichkeiten, in denen metallisches Gold in Staub- oder Barrenform vorlag. Dazu wurde uns allerdings erläutert, daß es sich wirtschaftlich lohnt, die Arbeitskleidung der dort Beschäftigten in einer speziellen Firmenwäscherei zu waschen und den dabei aus dem Gewebe und den Nähten herausgespülten Goldstaub aus dem Waschwasser zu filtern.
Beim klassischen Aufbereitungsverfahren wurde Golderz in Pochwerken (stamp mills) hinreiched zerkleinert, bevor man mit Quecksilber das begehrte Edelmetall als Goldamalgam aus dem Gestein lösen und damit konzentrieren konnte.
Quecksilber (Hg) ist ein recht edles, bei Raumtemperatur flüssiges Metall und löst zahlreiche, auch edle Metalle wie Silber und Gold. Solche sog. Amalgame sind keine chemischen Verbindungen, sondern Legierungen, die häufig flüssig oder sehr weich sind. Manche Amalgame können auch hart sein oder mit der Zeit aushärten, wie z.B. das für Zahnfüllungen verwendete Silberamalgam. Metallisches Quecksilber und seine löslichen Verbindungen sind sehr giftig und verursachen die typischen Schwermetallvergiftungen, sofern sie nicht bereits binnen kurzer Zeit zum Tode führen. Zahnfüllungen aus Silberamalgam werden dagegen für unschädlich gehalten. Goldamalgam ist eine knetbare Masse, aus der das Quecksilber durch Erhitzen verdampft wird und das metallische Gold hinterläßt.
Mit der Amalgamation gelang es jedoch nur, etwa 75 % des Goldes aus dem Erz zu extrahieren, während die restlichen 25 % mit den Abgängen (tailings) aus diesem Aufbereitungsverfahren auf Halde gekippt wurden. Das entscheidende Verdienst einer besseren Ausbeute ist dem Metallurgen und Ingenieur Charles W. Merrill zu verdanken, der 1898 im Alter von 29 Jahren an die Homestake Mine geholt wurde, um zu untersuchen, inwieweit die Aufbereitung der dortigen armen Pyriterze optimiert werden könne. Merrill interessierte sich jedoch schon bald mehr für den unwirtschaftlich hohen Goldgehalt in den Abgängen der Amalgam-Aufbereitung, die man mit diesem Verfahren nicht mehr gewinnen konnte. Nach einigen Voruntersuchungen erfand er 1899 die Zyanidlaugung (cyanidation process), die zu weltweitem Ruhm führte.
Bei der Zyanidlaugung wird das Gold mit lufthaltiger Natriumzyanidlösung (NaCN) aus dem fein gemahlenen Golderz gelöst. Die Salze NaCN bzw. KCN der Blausäure HCN sind noch giftiger als Quecksilber, d.h. die tödliche Dosis ist noch geringer (150 mg). Außerdem ist die Blausäure eine so schwache Säure, daß ihre Salze bereits vom Kohlendioxid der feuchten Luft (Luftkohlensäure) zersetzt werden und leicht nach Blausäure (Bittermandeln) riechen. Damit ist die Zyanidlaugung ein ebenso giftiges Geschäft wie die Amalgamation. Allerdings wird bei der Laugerei keine Legierung gebildet, sondern es läuft folgende chemische Reaktion ab:
Anschließend wird das Gold mit Zinkstaub (Zn) gefälllt und elektrolytisch raffiniert (Elektrolyt H[AuCl4 ] + HCl).
Merrill führte die Zyanidlaugung als ergänzenden Aufbereitungsschritt nach der Amalgamation ein. In den folgenden 10 Jahren bis 1909 [RF 26, S. 166 - 175] wandte er diesen Prozeß in immer größerem Stil an und verbesserte ihn kontinuierlich. Er war derart von seinem Verfahren überzeugt, daß er ein Honorar nur für den Fall eines wirtschaftlichen Erfolgs forderte. Allerdings zahlte die Minengesellschaft die immer größer werdenden Pilot- und Fertigungsanlagen (cyanide plants), in denen schließlich insgesamt 94 % des gesamten Goldes (gegenüber zuvor 75 %) aus dem Erz extrahiert werden konnten. Dafür widmete Charles Merrill jede Stunde, in der er wach war, der Optimierung "seines" Aufbereitungsprozesses, was ihm den Spitznamen "Cyanide Charlie" (Zyanid-Charlie) einbrachte. Seine Frau war den Einwohnern von Lead durch ihr soziales Engagement wohlbekannt, aber fast niemand kannte ihren Ehemann. Zweifellos hatte Cyanide Charlie durchaus seine Probleme mit der optimalen Prozeßführung. Die chemische Reaktion der Zyanidlösung mit dem Erz hing von dessen Art ab, und die richtige Durchlüftung des goldhaltigen Sandes bzw. Schlamms war manchmal extrem schwierig. Selbstverständlich hatte er für einzelne Teilaufgaben entsprechende Mitarbeiter, und Fortschritte in der Zerkleinerungstechnik, Kugel- und Stabmühlen (ball and rod mills) statt Pochwerken (stamp mills), Klassierer (classifier), Eindicker (thickener), Filtertechnik u.a.m. trugen zum Erfolg seiner Bemühungen bei. Jedenfalls ist es Cyanide Charlie gelungen, nicht nur etwas zu erfinden, sondern auch so weit zu vervollkommnen, daß es in den nächsten 60 Jahren bis zum Erscheinen der o.a. Literaturstelle unverändert in Betrieb war und trotz verschiedener Versuche von keinem anderen Metallurgen weiter optimiert werden konnte. Nach unserer Erinnerung wurde das Golderz zur Zeit unserer Besichtigung ausschließlich durch Zyanidlaugung aufbereitet. [‹ Index]
Stand: 09.09.2009 / © MG