Hinweis: Die Tagebuchnotizen sind in chronologischer Reihenfolge angegeben. Zum einfacheren Auffinden markanter Sehenswürdigkeiten ist der folgende Index mit Verweisen auf die betreffenden Notizen in acht getrennten Kategorien jeweils alphabetisch geordnet. Zu den Verweisen in diesem Reisebericht kann man mit dem Rückpfeil des Browsers zurückkehren.
Carlsbad Caverns NP (Carlsbad NM) [20.06.1994]
Nachdem wir in Carlsbad Quartier gemacht hatten, ging es weiter zu dem
außerhalb in der Nähe von Whites City gelegenen Nationalpark mit den
sehenswerten Tropfsteinhöhlen. Trotz zahlreicher Werbetafeln am Straßenrand
haben wir in Whites City im Vorbeifahren nicht mehr als ein Motel und eine
Tankstelle entdeckt. Die Calsbad Cavers sind das größte Kalkstein-Höhlensystem
der Welt. Von den 70 bekannten Höhlen wird regulär nur eine besichtigt. Dafür
werden zwei unterschiedlich lange Touren angeboten, die sog. Blue Tour (ca. 3
Stunden) mit einigen steilen Strecken und die einfachere und kürzere Red Tour
(ca. 1½ Stunden). Wir selbst haben die Red Tour gewählt, bei der man
mit einem Fahrstuhl in den sog. Big Room einfährt, in dem es sogar ein
Schnellrestaurant gibt. Von dort aus spaziert man ohne Führer allein oder in
kleineren Gruppen durch die weiträumige Höhle
(Devils Den, Bild 3.16 und
Temle of the Sun, Bild 3.17). Dabei
orientiert man sich entweder anhand des mitgenommenen Faltblatts und der
Beschriftungen am Wegesrand, oder man kann vor der Einfahrt einen Walkman (mit
Kopfhörer) mieten, um die jeweiligen Erklärungen anzuhören.
Die etwa 25 Meilen entfernte sog. New Cave kann nach Anmeldung in kleinen Gruppen besichtigt werden, was wir jedoch nicht getan haben. Außerdem dient ein Bereich des Höhlensystems in der Nähe des natürlichen Eingangs tausenden von Fledermäusen als Unterkunft, deren Guano früher kommerziell verwendet wurde. Noch heute ist der abendliche Ausflug der Fledermäuse, der von einem eigens dafür vorhandenen Amphitheater aus beobachtet werden kann, eine Touristenattraktion. [‹ Index]
Guadalupe Mountains NP (TX) [21.06.1994]
Die Guadalupe Mountans liegen im Westzwickel von Texas, nur knapp 50 Meilen
südwestlich der Carlbad Caverns (in New Mexico). Obwohl in die höchste
Kategorie schützenswerter Landschaft, nämlich als Nationalpark, eingestuft,
sind uns die entscheidenden Sehenwürdigkeiten der Guadalupe Mountains beim
Durchfahren des Parks offenbar entgangen. Das mag daran liegen, daß die US-62
bzw. US-180 am Rande des Parks verläuft mit zwei Stichstraßen zu den beiden
Visitor Centers. Alles andere kann über verschiedene Trails von etwa 80
Meilen Gesamtlänge nur zu Fuß erschlossen werden. Die im Park gelegene
historische Williams Ranch ist auch von Fahrzeugen mit Allradantrieb
erreichbar, also nicht mit einem normalen Mietwagen. Natürlich waren die
Berge selbst schon beeindruckend, aber bei einer Rundreise durch die Rockies
ist man in dieser Hinsicht natürlich verwöhnt und daher durch Ausblicke auf
Berglandschaften nicht mehr so leicht zu beeindrucken. Vielleicht lag es
ja auch daran.
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McDonald Observatory, Mt. Locke (TX)
[21.06.1994]
Auf dem Weg zum Big Bend NP im großen Bogen des Rio Grande kann man von den
Guadalupe Mountains über die TX-54 - Van Horn - I-10 - Kent - TX-118 in
Richtung Fort Davis zum McDonald Observatory und weiter zur Fort Davis NHS
fahren. Das McDonald Observatory wird von der University of Texas auf dem
Mt. Locke betrieben, der mit 6792 ft (= 2070 m) zu den höchsten Berge des
Staates gehört. Auf die beiden Spiegelteleskope des Observatoriums wird durch
zwei auffallend rot gestrichene Modelle der Telesopspiegel (82" = 2,08 m
bzw. 107" = 2,72 m) am Straßenrand hingewiesen
(Bild 3.18). Wir hatten Glück und sind
zufällig zu der nicht einmal täglich stattfindenden Besucherführung dort
eingetroffen, bei der die Aufgaben des Obstervatoriums und die
Spiegelteleskope von einem Astronomen sehr sachkundig erklärt wurden. Wegen
der dafür aufgewendeten Zeit haben wir uns die Fort Davis NHS auf der
Weiterfahrt nach Marathon über TX-118 - Alpine - US-90 nicht mehr angeschaut.
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Big Bend NP (TX) [22.06.1994]
Der Big Bend NP im großen Bogen des Rio Grande an der mexikanischen Grenze ist
hierzulande weniger bekannt. Dieser Nationalpark im Westzipfel von Texas als
südlichster Punkt unserer Reise kann von den vier Orten Alpine und Marathon
(im Norden), Presidio (im Westen) und Marfa (im Nordwesten) aus erschlossen
werden. Wir wählten Marathon und Marfa als Übernachtungsorte vor bzw. nach dem
Parkbesuch aus. Als Logis haben wir das Motel of Marathon
(Bild 3.19) gleich am Ortseingang ausgewählt,
weil uns das historische Gage Hotel im Ortskern dieser angehenden Ghosttown
irgenwie zu "vornehm" erschien. Zum Essen sind wir dann doch im
Restaurant des Gage Hotels gelandet, weil es in Marathon keine andere Möglichkeit
zu geben schien und dies außerdem vom Motelwirt empfohlen wurde. Das Abendessen
und auch das Frühstück am nächsten Morgen waren ausgezeichnet und längst nicht
so teuer wie befürchtet, und das in dem Ambiente eines Wildwest-Restaurants wie
vor 100 Jahren.
Danach ging es über die US-385 zum nördlichen Parkeingang (Bild 3.20), dessen Schild ebenso gewaltig aussah wie bei nahezu allen übrigen Nationalparks. Der Park war nicht nur der südlichste Punkt unserer Reise, sondern mit einer Höhe von 1143 ft (348 m) am Fluß auch der tiefste, wenngleich der höchste Pass 5400 ft (1646 m) und die höchsten Bergkuppen bis zu 7835 ft (2233 m) über dem Meeresspiegel liegen. Den Blick über den Rio Grande nach Mexiko (Bild 3.21) empfanden wir eher als entäuschend, da wir uns unter einem "großen Fluß" etwas Beeindruckenderes vorgestellt hatten. Aber in einer Wüste mit Wassermangel ist offenbar auch "Größe (Grande)" wohl relativ. Deutlich beeindruckender fanden wir das Chisos Basin, (Bild 3.22), ein von Bergen vulkanischen Ursprungs umgebener Kessel, in dem das einzige Motel des Parks, ein Restaurant und ein Souvenir-Shop zu finden sind. Die Fahrt in das Basin führt über eine sehenswerte Paßstraße. Neben der Pflanzen- und Tierwelt dürften die drei Canyons des Rio Grande die eigentlichen Attraktionen des Parks sein. Der Boquillas Canyon und der Mariscal Canyon sind jedoch nur zu Fuß zu erreichen. Dafür hätten wir das mit dem gesamten Reisegepäck beladene Auto auf unbewachten Parkplätzen zurücklassen müssen, auf denen durch Schilder ausdrücklich vor Autoaufbrüchen gewarnt wurde. Da wir dort in der Vorsaison die einzigen Besucher waren, war uns das zu riskant, und so haben wir nur den mit dem Auto erreichbaren Santa Elena Canyon (Bild 3.23) aufgesucht, wo der Parkplatz in Sichweite lag.
Interessant war die Weiterfahrt aus dem Park über die Farm Road TX-170 nach Presidio, von wo aus es dann über die US-67 weiter nach Marfa ging. Da die TX-170 entlang des Rio Grande ohne Brücken durch alle Senken (Dips) führt, warnt das Texanische Straßenbauamt (Texas State Dept. Hwys. and Public Trans.) am Beginn der Straße vor Hochwasser in diesen Senken (Bild 3.24). In jedem Dip steht dann eine Flutbake (Flood Gauge, Bild 3.25) an der man ggf. den Wasserstand über der Fahrbahn ablesen kann, um nicht mit dem Auto darin abzusaufen und/oder weggespült zu werden. Ansonsten hatte die Fahrt auf dieser etwa 80 km langen Farm Road mit ausgezeichneter Straßendecke einem schönen Sonnenuntergang entgegen etwas von einer Achterbahntour, weil die Fahrbahn ohne jegliches Nivellement (wie Dämme, Brücken, Einschnitte) dem Höhenprofil des Geländes folgt. Wo findet man hierzulande schon mal eine so schöne Strecke?
Im Grenzort Presidio hatte uns dann die Zivilisation wieder, in Form einer nachgeschalteten US-Grenzkontrolle am Ortausgang der US-67 in Richtung Marfa. Drei uniformierte Grenzschützer, von denen zwei mit schußbereitem Gewehr den nötigen Nachdruck vermittelten, befragten uns nach dem Woher und Wohin unserer Reise und wollten uns zunächst nicht glauben, daß wir über eben diese Farm Road aus den Big Bend NP gekommen seien. Statt dessen standen wir trotz unseres amerikanischen Mietwagens offensichtlich unter dem Verdacht, auf irgendeine illegale Weise aus Mexiko in die USA gekommen zu sein. Unsere Pässe, die wir nun vorzeigen sollten, steckten wegen der Wärme in Annes Handtasche bzw. meiner Jacke im Kofferraum. Also von der Durchfahrtspur an den Rand, langsam aussteigen, Kofferraum vorsichtig öffnen und dann ohne hektische Bewegungen die Pässe herausnehmen. Dabei war es sehr beruhigend, daß die Gewehre die ganze Zeit auf den Boden zeigten und nicht bereits auf uns angelegt waren. Nachdem sich dann alle drei Grenzer insbesondere von den in unseren Pässen vorhandenen (unbegrenzt gültigen, zur mehrfachen Einreise berechtigenden) Dauervisa überzeugt hatten, hellten sich ihre Mienen sichtbar auf. Der Sprecher der drei entschuldigte sich wortreich, unsere Angaben angezweifelt zu haben, und wir wurden mit den besten Wünschen für die Weiterfaht und militärischem Gruß verabschiedet. [‹ Index]
Magic Lights of Marfa (Marfa TX) [22.06.1994]
Abends beim Einchecken erfuhren wir im Motel, daß es in der Nähe von Marfa
eine mysteriöse Lichterscheinung geben solle, die man nahezu an jedem Abend
von der Dämmerung bis in die Nacht hinein beobachten könne. Die Antworten
der Motel-Managerin auf entsprechende Rückfragen über Art und Ursache dieser
"Magic Lights of Marfa" waren derart geheimnisvoll, daß wir sie
zunächst in den Bereich von Seemannsgarn oder Jägerlatein verbannten. Nach dem
Studium eines vom Motel kostenlos herausgegebenen Informationsblattes [1] und
einer erworbenen Broschüre [2] wurden wir jedoch neugierig. Das als
"Mysterious Delight" bezeichnete jährliche "Marfa Lights
Festival" am Labour Day Weekend mochte ja noch eine kommerzielle Attraktion
zum Anwerben von Touristen sein, so wie die Walpurgisnacht im Harz, in
der mit viel Spektakel Hexen und Teufel als böse Geister des Winters vertrieben
werden. Allerdings stimmte uns nachdenklich, daß die Straßenbauverwaltung des
Texanischen Verkehrsministeriums (Texas Highway Department) 9 Meilen östlich
von Marfa an der US-90 einen öffentlichen Parkplatz gebaut hatte, von dem aus
diese Lichterscheinung über dem Mitchel Flat am südwestlichen Horizont in
Richtung des 7738 ft (2359 m) hohen Chinati Peak fast jeden Abend gut zu
beobachten sein sollte.
Nach übereinstimmenden Angaben in [1] und [2] sollen die Marfa Lights 1883 von dem 16-jährigen Robert Ellison entdeckt worden sein, der dabei half, eine Herde Rindvieh von Alpine aus über den Paisano-Pass nach Westen zu treiben. Er hielt die Lichter zunächst für die Flammen von Signal- oder Camp-Feuern der Apache-Indianer. Ein anschließender Ritt bei Tage durch die Gegend, wo die Lichter zuvor gesehen worden waren, ergab jedoch keinerlei Anzeichen von Camps oder Feuerstellen. So kam Ellison zu dem Schluß, daß diese Lichter nicht menschlichen Urprungs sein konnten (not man-made). Sie wurden später auch von anderen Siedlern bestätigt und man fand sie auch in den Mythen der Apaches. Außerdem gibt es inzwischen wohl zahlreiche unterschiedliche Fotos von diesen Lichterscheinungen, von denen zwei in [2] dargestellt sind. Da wir nach dem Abendessen nichts besseres vorhatten, machten wir uns also mit leicht gemischten Gefühlen zu dem beschriebenen Parkplatz an der US-90 auf. Unsere Befürchtungen, wir könnten die einzigen Leichtgläubigen sein, die sich auf ein zweifelhaftes Naturschauspiel hatten neugierig machen lassen, wurden jedoch nicht bestätigt. Obwohl noch keine Ferienzeit war, herrschte auf dem Parkplatz reger Betrieb, wobei einige Besucher auch ein für Nachtaufnahmen unerläßliches Fotostativ dabei hatten. Und wir alle wurden nicht enttäuscht, denn es gab in der genannten Richtung vor dem Horizont tatsächlich etliche der beschriebenen Lichter zu sehen. Mangels Fotostativ konnten wir natürlich keine eigenen Aufnahmen davon machen.
Es bleibt also die Frage nach der Ursache dieser "magischen" Lichter. In [2] sind insgesamt 15 großenteils seriös anmutende Literaturstellen, teilweise auch mit kurzen Inhaltsangaben genannt, die wir jedoch nicht selbst im Original durchgesehen haben. Unstrittig ist die Luft über der dünn besiedelten heißen Gegend besonders klar und trocken, was günstige Beobachtungsbedingungen für das nur etwa 30 Meilen nördlich gelegenen McDonald Observatory der University of Texas schafft. So haben sich auch Wissenschaftler dieses Observatoriums mit den "Marfa Lights" beschäftigt und ihre Ergebnisse veröffentlicht. Über den Chinati Mountains bilden sich offenbar regelmäßig Inversionsschichten, die zu Luftspiegelungen wie bei einer Fata Morgana führen. Danach sind die Marfa Lights ursprünglich das durch Luftbrechung und -spiegelung unter dem Horizont erscheinende Licht von Sternen und Planeten. Wie man durch Triangulation festgestellt hat, kommt dazu heute jedoch als überwiegender Anteil das auf gleiche Weise gebrochene und gespiegelte Licht von Autoscheinwerfern auf der US-67 etwa 24 Meilen südlich von Marfa. Wohlgemerkt, man sieht die Autoscheinwerfer nicht direkt, sondern ihr durch die Inversionsschichten in der Luft an anderer Stelle erscheinendes Licht. Diese Scheinwerfer und die US-67 gab es natürlich vor über 120 Jahren zur Zeit Ellisons und der Indianermythen noch nicht. Sie führen heutzutage jedoch dazu, daß interessierte Besucher praktisch an jedem Abend diese geheimnisvollen flirrenden Lichter beobachten können.
| [1] | The Unsolved Mystery of the Marfa Ghost Lights Informationsblatt, Holiday Capri Inn, Marfa TX, 1994 |
| [2] | Dennis Stacy: The Marfa Lights, A Viewer's Guide Seale & Stacy, San Antonio TX, 1989 |
Spanische Mission (El Paso TX) [23.06.1994]
Von Marfa ging es über die US-90 und I-10 zunächst nach El Paso, wo wir nun
endlich eine ehemals spanische Mission anschauen wollten. An der Strecke
waren die typischen um diese Jahreszeit blühenden Yuccas zu sehen
(Bild 3.26). In El Paso haben wir die dortige
Mission Corpus Christi de Ysleta auf Anhieb gefunden, anders als zuvor eine Mission
in Santa Fe. Nicht nur die Kapelle war beeindruckend, sondern auch ein im Freien
mitten auf dem asphaltierten Parkplatz stehender Schrein, der aus Feldsteinen
gemauert und mit Rosen geschmückt war (Bild 3.27).
Schwierig war es jedoch, einen arbeitswilligen Mexikaner davon zu überzeugen,
daß ich lediglich ein deutscher Tourist und kein reicher amerikanischer
Geschäftsmann war, bei dem er irgend einen dringend benötigten Job antreten
konnte.
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Space Museum (Alamogordo NM)
[23.06.1994]
Von El Paso führte uns der Weg über die US-54 direkt nach Alamogordo, dem
größten Ort in der Nähe des White Sands NM in New Mexico. Überrascht waren wir
über das dortige Space Museum (Raumfahrt-Museum) das wir am späten Nachmittag
noch vor dem Abendessen besichtigen konnten. Neben zahlreichen interessanten
Ausstellungsstücken im Innenbereich und einer Würdigung des deutschen
Raketenpioniers Wernher von Braun waren die Raketen im Freigelände besonders
beeindruckend (Bild 3.28).
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White Sands NM & Missile Range (NM)
[24.06.1994]
Das White Sands NM (National Monument) in NM (New Mexico) ist eine Gipsdüne
mit vier örtlich verschiedenen Formationen (Dome, Barchan, Traverse und
Parapolic Dunes) entsprechend dem lokalen Windeinfall. Durch das warme
trockene Klima im Südwesten von New Mexico bleibt diese ausgedehnte Ansammlung
von lockerem Gips wie eine "normale" Sanddüne bestehen, da der
Gips mangels Wasser nicht abbindet. Die Straße zum Visitor Center im
landestypischen Adobe-Baustil (Bild 3.29)
zweigt knapp 20 Meilen südwestlich von Alamogordo von der US-70/US-82 ab.
Von dort aus führt eine etwa 8 Meilen lange Straße (Dunes Drive) mit einer
Fahrbahn aus abgebundenem Gips (Bild 3.30)
zum Herz der Dünen (Heart of the Sands). Der Straßenrand und die weißen Hänge
haben starke Ähnlichkeit mit Schneewehen und erschweren in der gleißenden
Sonne die Orientierung. Der lockere Gips der Düne fühlt sich an wie feiner
Estrichkies, besonders, wenn man barfuß darin umherstapft.
| __________ | |
| *) | Albert Natalis ließ ab 1866 in Braunschweig sehr erfolgreich zunächst Nähmaschinen herstellen, deren Fabrikation und weltweiter Vertrieb auf die 1871 gegründete Firma Grimme, Natalis & Co. überging. Ab 1892 wurde unter dem erfindungsreichen Betriebsdirektor Franz Trinks nach Übernahme eines entsprechenden Patents die Produktion von Sprossenradrechenmaschinen aufgenommen, die sich ab 1900 zum einzigen Produkt dieser Firma entwickelten. Der Markenname "Brunsviga" wurde seinerzeit in Deutschland zum Synonym für den Begriff "Rechenmaschine" schlechthin. Bis zum Ende der Produktion 1957 wurden mehr als 500 000 Stück aus einer Produktpalette von über 80 Typen hergestellt. Das begründete damals gemeinsam mit den Fotoapparaten von Vogtländer und Rollei den Ruf Braunschweigs als Hochburg der Feinmechanik. |
Copper Mines (Silver City NM)
[25.06.1994]
Von White Sands ging es im Südwesten von New Mexico weiter über die
US-70/US-82 - Las Cruces - I-10 - Deming - US-180 - Santa Rita -
Silver City. In der Umgebung von Santa Rita und Silver City sollte es
ein paar historische Kupferminen geben, die wir uns ansehen wollten. Die
Santa Rita Copper Mine bei dem gleichnamigen Ort kurz vor Silver City
erwies sich als eingezäunter aufgelassener Kupfertagebau ohne bemerkenswerte
Besonderheiten. Weitere historische Minen haben wir trotz der Angabe
"Copper Mines" (im Plural) dort jedoch nicht gefunden. Dafür
erwies es sich wegen eines Feuerwehrtreffens zunächst als schwierig, am
Nachmittag in einem der vier in Silver City vorhandenen Motels ohne
Reservierung ein Zimmer zu bekommen. In dieser dünn besiedelten Gegend
war in der vorgesehenen Richtung Nordwesten auf den nächsten gut 100 Meilen
kein Ort mit Motels zu erwarten. Anstatt also etwa 50 Meilen zurück nach
Deming oder die gleiche Stecke in die falsche Richtiung nach Südwesten bis
Lordsburg zu fahren, gingen wir einkaufen, um die zwei Stunden bis 18.00 Uhr
zu überbrücken. Zu diesem Zeitpunkt verfielen die einfachen Reservierungen
aller bis dahin nicht eingetroffenen Gäste, und wir hatten, wie einige andere
wartende Interessenten auch, kein Problem mehr, im örtlichen Supermotel 8
noch ein Zimmer zu bekommen. Damit war es dann nicht mehr erforderlich, einen
größeren Umweg zu fahren.
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Catwalk im Whitewater Canyon (Glenwood NM)
[25.06.1994]
Auf dem Weg von Silver City (NM) nach Holbrook (AZ) zum Petrified Forest NP
über die US-180 kamen wir gegen Mittag durch Glenwood (NM) und wurden dort
auf den in der Nähe gelegenen Whitewater Canyon mit seinem sehenswerten
Catwalk (Bild 3.32) aufmerksam. Wie
auf dem Bild zu sehen, entspricht der enge Canyon etwa einer alpinen Klamm.
Er hat uns gut gefallen und sein interessanter Anfangsteil kann großenteils
auf den als Catwalk bezeichneten Stegen in einer knappen Stunde hin und
zurück durchwandert werden.
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Petrified Forest NP (Holbrook AZ)
[26.06.1994]
Kurz vor Holbrook, dem nächsten Ort mit zahlreichen Motels, sind wir auf
der US-180 gegen Abend bereits am Südeingang des Petrified Forest NP
vorbeigefahren. Holbrook liegt an der historischen Route 66, die unter dem
Namen Navajo Blvd durch den Ort führt. Der morbide Charme der zahlreichen
Motels und Restaurants an dieser ehemals zu Amerikas Mother Road gehörenden
Business Route wird an dem Reklametransparent unseres Motels besonders deutlich
(Bild 3.33). Trotz der Nähe des Petrified
Forest NP und der dadurch immer noch angelockten Übernachtungsgäste scheint
hier die Zeit seit dem Niedergang der Route 66 stehengeblieben zu sein. Diese
Stimmung hat wesentlich dazu beigetragen, unsere folgende Reise dieser
historischen ersten Fernstraße der USA zu widmen.
Im Petrified Forest NP kann man versteinertes Holz in vielerlei Gestalt und Größe besichtigen. Besonders eindrucksvoll sind die langen Baumstämme (long logs, Bild 3.34). Der komplizerte Versteinerungsprozeß ist in der Erläuterung des Bildes angegeben und soll hier in den Tagebuchnotizen nicht wiederholt werden. An einigen versteinerten Baumstücken ist die Holzstruktur im Stadium des Vermoderns noch gut zu erkennen (Bild 3.35). Auf das Verbot, Sammlerstücke aus dem Nationalpark mitzunehmen, wird man am Eingang eindringlich hingewiesen, und die Einhaltung dieses Verbots wird auch beim Verlassen überprüft. Erinnerungsstücke werden auf privatem Gelände außerhalb des Parks gesammelt und dort relativ teuer verkauft. [‹ Index]
Canyon de Chelly NM (AZ) [26.06.1994]
Vom Petrified Forest NP fuhren wir am Nachmittag über die I-40 - Chambers -
US-191 nach Chinle am Canyon de Chelly NM. Solche Cattle Guards (Viehsperren)
quer zur Straße wie am Canyon-Eigang (Bild.3.36)
findet man auch im übrigen Westen überall dort, wo ein Weidezaun die Straße kreuzt,
um die Rinder am Verlassen des Weidegebietes zu hindern. Der Canyon de Chelly
diente als "Fels-Canyon" mit seinen bis zu 1000 ft (333 m) hohen fast
senkrecht abfallenden Felswänden bereits vorgeschichtlichen Navajo-Indianern
als Festung und enthält daher mehrere hundert prähistorische Indianerdörfer
und zahlreiche Felsmalereien. Die Flüsse in den verschiedenen Canyons führen
nur in den Regenzeiten und zur Schneeschmelze Wasser und sind ansonsten
ausgetrocknet. Nach einer wechselvollen Geschichte treiben heute einige Nvajos
in dem zwar fruchtbaren, jedoch wasserarmen Canyon Landwirtschaft
(Bild 3.37). Als Tourist kann man eine
Stichstraße am Südrand des Canyon befahren, von der aus auch dieses Bild
aufgenommen wurde, und eine durchgehende Straße am Nordrand. Im Canyon selbst
ist lediglich das sog. White House über einen Wanderweg zu erreichen. Alle
anderen Sehenswürdigkeiten sind nur nach besonderer Vereinbarung mit einem
Führer zu besuchen, damit die vorhandenen Ruinen erhalten bleiben. Da wir
vormittags bereits im Petrified Forest NP waren, sind wir nur auf den
Randstraßen des Canyon de Chelly mit zahlreichen Aussichtspunkten
entlanggefahren, erst die Stichstraße im Süden und dann die Durchgangsstraße
im Norden weiter über Lukachukai nach Round Rock an der US-191. Dort haben
wir jedoch kein Motel gefunden und sind deshalb über die US-191 - US-160
vorbei an Four State Corner bis Cortez CO weitergefahren, um dort zu
übernachten. Da wir erst gegen abend an Four State Corner verbeigekommen
sind, haben wir den bereits 1987 besichtigten gemeinsamen Eckpunk der vier
Staaten Colorado, New Mexico, Arizona und Utah nicht nochmals aufgesucht.
[‹ Index]
Stand: 09.09.2009 / © MG