Hinweis: Die Tagebuchnotizen sind in chronologischer Reihenfolge angegeben. Zum einfacheren Auffinden markanter Sehenswürdigkeiten ist der folgende Index mit Verweisen auf die betreffenden Notizen in acht getrennten Kategorien jeweils alphabetisch geordnet. Zu den Verweisen in diesem Reisebericht kann man mit dem Rückpfeil des Browsers zurückkehren.
Hinflug (Hannover - Denver CO) [13.06.1994]
Der gesamte Hinflug dauerte von 11.35 Uhr Ortszeit ab Hannover Langenhagen bis
21.50 Uhr Ortszeit an Denver CO International Airport, also 10 h 15 min + 8 h
Zeitdifferenz, d.h. 18 ¼ Stunden, die Zufahrt von Braunschweig mit Bahn
und Flughafenbus nicht mitgerechnet. Faszinierend war wieder einmal der
Verpflegungsservice in dem recht kleinen Cityhopper (Turboprop-Maschine) der
KLM auf dem nur einstündigen Zubringerflug von Hannover nach Amsterdam Schipol.
Mit welcher Selbstverständlichkeit und Sicherheit die niederländischen
Stewardessen bereits im Steigflug der Maschine die Essenwagen durch den
Mittelgang rollen, ist jedes Mal wieder beeindruckend und könnte mancher
anderen Fluggesellschaft als leuchtendes Beispiel dienen. Der im Ticket mit
nur einer Flugnummer ausgewiesene Transatlantikflug von Amsterdam nach Denver
mit der Northwest Airline als Kooperationspartner der KLM wurde für die
Einreiseformalitäten mit Wechsel des Flugzeugs (und der Flugnummer) in
Minneapolis / St. Paul MN unterbrochen. Wegen eines für den Weiterflug von dort
nach Denver im Flugschein nicht vorhandenen Blattes zeigten sich zunächst auch am
Schalter der Northwest ratlose Gesichter, zumal Abflugzeit und Flugnummer dieses
Anschlußfluges zunächst nicht bekannt waren. Schließlich gab es dann aber doch
einen Mitarbeiter des Northwest, dem diese ungewöhnliche Praxis seiner
Gesellschaft vertraut war und der uns mit der erforderlichen Information und
auch ohne zugehöriges Ticketblatt mit den unverzichtbaren Bordkarten versorgte.
Auf Grund hartnäckiger Schwierigkeiten des Gepäck-Transportsytems war der neue
International Airport in Denver noch nicht in Betrieb genommen, obwohl längst
überfällig. Deshalb sind wir noch auf dem alten aber sehr ordentlichen
Stapleton Airport gelandet und auch von dort wieder abgeflogen. Bei einer
Höhenlage von einer Meile (1609 m) über dem Meeresspiegel reicht dessen
längste Startbahn für einen zum Transatlantikflug vollgetankten Jumbo nicht
aus, so daß seinerzeit von Denver aus keine Direktflüge nach Europa angeboten
wurden. Daher bei unserem Hin- und Rückflug die Zwischenlandung in Minneapolis
/ St. Paul (bei anderen Flügen oft auch in Chicago).
[‹ Index]
Übernahme des gebuchten Mietwagens
(Denver Stapleton Airport) [13.06.1994]
Die nächste Überraschung gab es am Schalter des Autovermieters, dessen
Computer Mietverträge nur bis zu einer Laufzeit von einem Monat, nicht aber
von fünf Wochen ausstellen konnte, die in dem vorausbezahlten Gutschein (Voucher)
ausgewiesen waren. Zunächst verlangte die junge Schalterangestellte, daß wir nach
spätestens einem Monat wieder genau zu dieser Niederlassung kommen sollten, um
den Anschlußvertrag ausfertigen zu lassen. Bei einer Rundreise ist das natürlich
nicht so praktisch, aber auf das Aufsuchen einer anderen Niederlassung dieses
Autovermieters wollte sie sich keinesfalls einlassen. Schon bald wurde unser
Gepäckträger, ein großer Farbiger, der mit unseren Koffern auf seiner
Transportkarre geduldig wartete, auf diesen Disput aufmerksam und erkundigte
sich, wo es denn klemme. Er wußte als Außenstehender offensichtlich besser
Bescheid als die wohl noch unerfahrene Angestellte. Für ihn war völlig klar, daß
in einem solchen Fall mit dem Computer ein Mietvertrag über vier Wochen und
zusätzlich von Hand ein Vertrag über die fehlende fünfte Woche auszufüllen sei.
Während die junge Angestellte noch guckte wie ein verängstigtes Tier bei Gewitter,
kam zum Glück endlich eine ältere Kollegin aus den Tiefen der Niederlassung, ließ
sich das Problem erklären und bestätigte dann genau diese Vorgehensweise, was den
Gepäckträger zu einem breiten Schmunzeln veranlaßte. Danach gab es hinter dem
Vermietschalter geballten Nachhilfeunterricht, und dann ging alles ganz schnell.
Das von Deutschland aus gebuchte Auto der Kategorie E (Full Size 4-Door), zu dem wir auf dem Vermieterparkplatz gegen 22.30 Uhr in der Dunkelheit gebracht wurden, war ein Oldsmobile Cutless Ciera S mit nur 6 Meilen auf dem Wegstreckenzähler. Statt eines richtigen Kennzeichens aus Blech an der dafür vorgesehenen Stelle gab es im Heckfenster nur ein mit Hologramm und Siegel "authentifiziertes" Pappschild als vorläufige Zulassung, die glücklicherweise noch etwas über die Mietdauer hinaus gültig war. So schön ein fabrikneuer Mietwagen auch ist, beim Beladen des Kofferraums auf dem an dieser Stelle nicht gerade üppig beleuchteten Parkplatz landete das am Schließblech für die Kofferraumklappe reichlich vorhandene Fett großenteils an den eigenen Fingern. An der Parkplatzausfahrt erlebten wir bei der Kontrolle erstmals die inzwischen eingeführte Sicherheitsverriegelung amerikanischer Autotüren bei laufendem Motor und eingelegter Fahrstufe des Automatikgetriebes. Als der Pförtner prüfen wollte, ob das Auto zum Mietvertrag paßt, fanden wir in dem fremden dunklen Gefährt weder die Bedienungsknöpfe für die elektrisch betriebenen Seitenfenster noch den Schalter für die Innenbeleuchtung. Wegen der neuen noch unbekannten Verriegelung bekamen wir auch die Türen nicht auf. Also Zündung aus und Gang raus, damit sich wenigstens die Türen öffnen ließen und die Innenbeleuchtung automatisch anging. Nun konnten wir auch die Hinweise des Pförtners verstehen und kamen danach auch mit der neuen ungewohnten Technik überraschend gut klar. [‹ Index]
Das einzige für die gesamte Reise reservierte Motelzimmer
(Wheat Ridge CO) [13.06.1994]
Wegen der späten Ankunftszeit hatten wir für die erste Nacht das Zimmer in
einem Motel 6 direkt über das Nationale Reservierungszentrum dieser Motelkette von
Deutschland aus per Fax als "Garanteed Reservation" gebucht und per
Kreditkarte bezahlt. Die Fahrt nach Wheat Ridge, einem westlichen Vorort von Denver,
verlief mit einmaligem Verfahren und einem daraufhin etwas ungewöhnlichen Weg durch
ein größeres Autobahnkreuz im Norden Denvers problemlos, weil dort zu nachtschlafener
Zeit nur noch wenig Verkehr herrschte. Die nahezu verstopfte Toilette in dem
erhaltenen Motelzimmer konnte uns etwa 23 Stunden nach Verlassen des heimatlichen
Hauses kaum noch erschüttern. Zum Glück bemerkten wir das noch vor dem Auspacken der
Koffer und konnten daher einfach in ein sofort bereitgestelltes Ersatzzimmer
umziehen. [‹ Index]
Coors Brauerei (Golden CO) [14.06.1994]
Erfahrungsgemäß übersteht man den langen Anreisetag und das viele Herumsitzen im
Flugzeug sowie die erhebliche Zeitverschiebung am besten, wenn man es am nächsten
Tag sinnig angehen läßt, sich dabei ein bißchen bewegt und nicht gleich auf Tour
geht (Route: Bild 3.01). Da wir die Stadt Denver
am Schluß der Reise anschauen wollten, bot sich Golden, nur wenige Meilen westlich
von Denver als erstes Ziel an. Das bekannteste Besichtigungsobjekt ist die 1873 von
dem 26-jährigen deutschen Einwanderer Adolph Coors (ehemals deutsche Schreibweise
Kohrs) aus Barmen gegründete Brauerei, die nicht nur die Prohibition (1916 - 1933)
überstanden, sondern sich inzwischen zur drittgrößten Brauerei der USA entwickelt
hat. Bei der Besichtigung dieser "Bierfabrik" mit eigener Mälzerei und
40 Braupfannen (Bild 3.02), deren letzte vier
Ziffern der Telefonnummer selbstverständlich den vier Buchstaben "BEER"
auf der Telefontastatur entspricht, wird den Besuchern das Produktspektrum sowie
das Aussehen der zugehörigen im Handel erhältlichen "Sixpacks" besonders
nahe gebracht. Dafür ist die Besichtigungstour einschließlich Busfahrt vom Parkplatz
und Bierprobe auch für Einzelbesucher ohne Voranmeldung institutionalisiert und
kostenlos. Wieviel Geld man dann noch im Souvenirshop für allerlei Erinnerungsstücke
mit Coors-Logo ausgibt, bleibt jedem einzelnen überlassen. Weitere aktuelle
Einzelheiten, z.B. Besichtigungstage und -zeiten, sind inzwischen im Internet
unter www.coors.com zu finden.
Da in den USA Alkohol (einschließlich Bier) erst ab 21 Jahre getrunken werden darf,
muß man natürlich beim Aufruf der Coors-Seite durch Anklicken bestätigen, bereits
21 Jahre alt zu sein. [‹ Index]
Colorado Railroad Museum (Golden CO) [14.06.1994]
Am Ortsrand von Golden ist "Delay Junction", eine ehemalige Ausweichstelle
zum Abwarten des Gegenverkehrs auf einer eingleisigen Bahnstrecke, zu einem
Eisenbahnmuseum ausgebaut worden. Das Museumsgebäude im Stil eines historischen
Wildwest-Bahnhofs beherbergt allerlei Erinnerungsstücke an die amerikanische
Eisenbahn. So wird die Eintrittskarte in Form eines alten Bahntickets mit einer
entsprechenden historischen Stempelmaschine entwertet. Im Freigelände stehen
zahlreiche Waggons verschiedenster regulärer und Sonderbauformen sowie mehrere
Lokomotiven, die in einer eigenen Werkstatt restauriert und teilweise wieder
fahrbereit gemacht werden. Zu den Ausstellungsstücken gehört auch eine Dampflock
der Zahnradbahn auf den Pikes Peak (Bild 3.03),
ein Kühlwagen der Brauerei Coors sowie Straßenbahnwagen, Schneefräsen und ältere
Schienenbusse. [‹ Index]
Mineralienausstellung der School of Mines
(Golden CO) [14.06.1994]
Ansonsten ist Golden durch den Gangerz-Bergbau in den Rocky Mountains geprägt. So
gibt es hier auch heute noch ein Bergamt (Bureau of Mines) und eine Bergschule
(School of Mines), die im Nachbarort Idaho Springs sogar ein Ausbildungsbergwerk
(Edgar Mine) unterhält. Diese Edgar Mine und die in Golden ohne Führungen öffentlich
zugängliche Mineralienausstellung der Bergschule dürften für entsprechend Interessierte
sehenswert sein. An diesem Tag reichte die Zeit nur noch für die Mineralienausstellung,
die Edgar Mine haben wir dann gegen Ende der Reise besichtigt.
[‹ Index]
Leadville (CO) [15.06.1994]
Die Fahrt von Golden nach Leadville CO führte uns auf der US-6 durch den recht
malerischen Clear Creek Canyon und dann weiter auf der I-70 über Idaho Springs durch
den Eisenhower Tunnel zum Summit Pass (Bild 3.04)
mit einem herrlichen Blick auf den Peak 1 mit dem kleinen Ort Frisco im Vordergrund.
Auf dem Highway CO-91 ging es dann weiter über den Fremont Pass (11318 ft = 3450 m)
vorbei an den Klärteichen der Climax Molybdenum Mine
(Bild 3.05), gegenüber deren Werksgelände neben
einem Rastplatz einige Bergwerksgerätschaften ausgestellt waren. Der (ehemalige)
Bergwerksort Leadville CO (Bild 3.06) liegt ca.
10200 ft (= 3109 m) hoch. Für uns als Bewohner der Norddeutschen Tiefebene war der
Luftdruck hier schon so ungewohnt niedrig, daß vom Schnauben der Nase das
Taschentuch rot wurde. Zum Glück verlor sich diese Erscheinung nach wenigen Tagen
der Gewöhnung an diese Höhelage in den Rockies. Außer dem offensichtlich noch
betriebenen Climax Molybdänbergwerk gibt es in der Umgebung von Leadville
zahlreiche aufgelasssene Schächte, deren Fördertürme als respektable Zeugen einer
glorreichen Bergbauvergangenheit in allen Stadien des Verfalls zu bewundern sind.
Neben der als Sehenswürdigkeit gepriesenen, ansonsten aber kaum bemerkenswerten
Matchless Mine kann man "Baby Doe's Cabin" besichtigen. Das ist die
spartanische Unterkunft einer vor etwa einem Jahrhundert in Leadville gestrandeten
namenlosen Frau, die dort nach vielen Jahren eines Winters auf dem Weg aus der
Stadt zu ihrer außerhalb gelegenen Bleibe auf ungeklärte Weise verschwunden ist
und seitdem als Mythos fortbesteht. Die in älteren Reiseführern noch als Museum
genannte historische Druckerei des "Herald Newspaper" ist inzwischen
umgezogen, modernisiert und als Besichtigungsobjekt nicht mehr vorhanden. Einen
Einblick in die Geschichte dieses Bergwerksortes bietet das Heritage Museum. Bei
der Weiterfahrt über die US-24 nach Süden boten die schneebedeckten Gipfel der
Rocky Mountains am Ortsausgang von Leadville ein herrliches Panorama
(Bild 3.07).
[‹ Index]
St. Elmo Ghost Town (CO) [16.06.1994]
Auf der Fahrt von Leadville nach Süden über die US-24 in Richtung Cripple Creek
liegt die nur auf einer detaillierten Karte von Colorado verzeichnete St. Elmo
Mining Ghost Town nicht weit vom Wege ab. In Johnson Village (ca. 2 Meilen südlich
von Buena Vista) folgt man nicht der US-24, sondern fährt auf der US-285 noch
ca. 6 Meilen weiter nach Süden bis Nathrop, wo eine Gebirgsstraße nach St. Elmo
abzweigt, die zunächst asphaltiert ist, weiter im Gebirge nur noch eine gut
festgefahrene Schotterdecke aufweist. Schon im Tal auf der US-24 bzw. US-285
fielen uns zahlreiche historische Autos mit zeitgemäß gekleideten Passagieren
auf, die sich offenbar an einer Oldtimer-Rallye beteiligten. Erstaunt waren
wir jedoch, als uns solche Autos auch auf der Straße nach St. Elmo entgegenkamen
und wir etliche davon in dieser Ghost Town hautnah miterleben konnten
(Bild 3.08). Die Teilnehmer der Oldtimer-Rallye
mußten den General Store in St. Elmo als "Checkpoint" anfahren, um dort
ihre "Laufkarte" abstempeln zu lassen. Ansonsten sieht die etwas über
3000 m hoch gelegene ehemalige Bergwerkssiedlung mit nur wenigen Holzhäusern noch
wie zur Wildwestzeiten aus, obwohl es darüberhinaus nicht viel zu sehen gab. Als
Zugeständnis an heutige Touristen ist wohl die am behelfsmäßigen Galgen neben dem
"General Store" aufgeknüfte lebensgroße Puppe zu verstehen sowie die
schnurrige Angabe der Einwohnerzahl von
107/9 auf dem Ortsschild,
also offenbar 10 Leute, davon eine Frau im siebten Monat schwanger (in dieser
wachsenden Boomtown). Die Teilnehmer der Oldtimer-Rallye waren der eigentliche
Knüller und paßten viel besser in diese Kulisse als der zwischendurch eintreffende
moderne Paketwagen von UPS mit einer Lieferung für den General Store.
[‹ Index]
Mollie Kathleen Mine (Cripple Creek CO)
[16.06.1994]
Cripple Creek und Victor sind zwei historische Bergbauorte in den Rockies,
die ebenfalls nur auf einer detaillierten Karte von Colorado zu finden sind.
Man erreicht sie, wenn man von St. Elmo zurück zur US-24 fährt und dann
in Divide, etwa 20 Meilen westlich von Colorado Springs, von der US-24 nach
Süden abbiegt und der CO-67 bis zu seinem Ende folgt. In Victor, ganz am
Ende des Hwy 67 sind uns keine besonderen Sehenswürdigkeiten aufgefallen,
sondern der Ort machte auf uns den typischen Eindruck einer weit
fortgeschrittenen Ghost Town. Im Gegensatz dazu wirkte Cripple Creek wie
das blühende Leben. In seinem Ortskern, wo offenbar zahlreiche Casinos
genügend Einnahmen erwirtschaften, sind kostenlose Parkplätze rar. Es gibt
alledings die Möglichkeit, sein Auto auf einem der kostenpflichtigen
Parkplätze abzustellen, dessen Parkgebühr in dem zugehörigen Casino
erstattet wird, wenn man anschließend dort spielt. Die in einer
detaillierten Karte angegebene "Cripple Creek & Victor Narrow
Gauge Railroad" haben wir jedoch nicht besichtigt.
Als besonders sehenswert fanden wir die Mollie Kathleen Mine (Bild 3.09), ein stillgelegtes Goldbergwerk kurz vor Cripple Creek, bei dem es im Gegensatz zu vielen anderen Besucherbergwerken in einem normalen Schacht immerhin 1000 ft (305 m) nach Untertage geht. Fördermaschine und Schachtausbau waren offensichtlich restauriert, wenngleich der altgediente verknittert wirkende Fördermaschinist so aussah, als könnte er die Wiederausfahrt der Besuchergruppe möglicherweise nicht mehr erleben. Die Führung durch einen ehemaligen Bergmann machte einen sehr kompetenten Eindruck, zumal auch Fragen über die Standarderklärungen hinaus fachkundig beantwortet wurden. Wegen der Ähnlichkeit dieser typischen "Colorado Hardrock Mine" (Abbau von Gold) zu den Gangerzbergwerken im Oberharz und im Erzgebirge (Abbau von Silber, Blei und Zink) bekam die Mitautorin hier zum ersten Mal einen lebendigen Eindruck, auf welche Weise ihr Vater im Harz unter Tage sein Geld verdient hat. Dort waren nämlich seinerzeit die noch aktiven Bergwerke für Frauen tabu. Außerdem erwiesen sich die Erklärungen in diesem Bergwerk als wahre Fundgrube für zahlreiche bergmännische Fachausdrücke, die in die anschließende Vokabelliste für Bergbaubegriffe aufgenommen worden sind. Gefallen hat uns auch das "Cripple Creek District Museum", in dem zahlreiche Exponate aus der Bergbauvergangenheit und den Lebensbedingungen der damaligen Bergleute ausgestellt sind. Erstaunt waren wir, in diesem Museum auch ein Exemplar der klassischen deutschen Illustrierten "Die Gartenlaube" vorzufinden. [‹ Index]
Western Museum of Mining & Industry
(Colorado Springs CO) [17.06.1994]
Die US-24 führt direkt nach Colorado Springs. Diese Stadt liegt wie Denver am
östlichen Fuß der Rocky Mountains, jedoch mit 1800 m noch 200 m höher als die
Mile-High City Denver. Ganz in der Nähe gibt es den Pikes Peak (4299 m), auf
den eine Zahnradbahn (Cog Wheel Train) und eine Schotterstraße führen, die für
ihre früheren Bergrennen berühmt ist. Im Juli ist diese Straße jedoch wegen
der vielen Bergwanderer für Autos gesperrt. Da wir das bedauerlicherweise
vorher nicht wußten, konnten wir die gegen Ende unserer Reise geplante
Autofahrt auf den Pikes Peak leider nicht mehr unternehmen. Im nahegelegenen
Garden of the Gods können fantastische Felsformationen bewundert werden, die
ein Tummelplatz der Götter zu sein scheinen. Uns selbst hat allerdings mehr
das "Western Museum of Mining & Industry" im Norden der Stadt
nicht weit von der I-25 interessiert und gut gefallen. Neben zahlreichen
Ausstellungsstücken in einem großzügigen Freigelände
(Bild 3.10) ist die Geschichte von Bergbau
& Industrie in mehreren Hallen gut dargestellt. Gegen einen zusätzlichen
Obulus für das möglicherweise zu findende Gold kann man dort üben, wie Gold
gewaschen wird (Gold Panning). Während der Führung werden einige der
imposanten und sehr gepflegten Maschinen zu Demonstrationszwecken mit
Druckluft (statt mit Dampf) in Bewegung gesetzt. Das geschieht jedoch nicht
mit voller Leistung, sondern eher in "Zeitlupe", wodurch man jedoch
die beeindruckenden Bewegungsabläufe gut verfolgen kann.
[‹ Index]
Royal Gorge (Cañon City CO)
[17.06.1994]
Von Colorado Springs gelangt man in südwestlicher Richtung über die CO-115
nach Cañon City. Royal Gorge ist ein kleiner Vergnügungspark ganz in der
Nähe dieser Stadt mit einer immer noch spektakulären Hängebrücke
(Bild 3.11) über den 321 m tiefen Canyon des
Arkansas River als Hauptattraktion. Die Brücke hat inzwischen ihre Bedeutung
für den Straßenverkehr wohl weitgehend verloren, da man mit modernen Autos den
ganzen Canyon bequem umfahren kann. Im Parkeintritt ist jedoch enthalten, die
einspurige Brücke mit dem eigenen PKW auf ihrem klappernden (hölzernen)
Bohlenbelag im Schrittempo zu überfahren. Die Fahrt mit einer vorhandenen
Seilbahn über die Schlucht und mit einer Standseilbahn hinunter zum Fluß muß
wegen des entsprechenden Andrangs extra bezahlt werden. Bemerkenswert sind die
Reste einer 8 Meilen (knapp 13 km) langen hölzernen Wasserleitung am
Steilhang des Canyons (Bild 3.12), durch
die der flußab liegende Ort Cañon City mehr als 70 Jahre lang bis 1974
mit Trinkwasser versorgt wurde. Beeindruckend ist auch der Blick vom Ufer des
Arkansas River hinauf zur Brücke, die 321 m höher die Schlucht überspannt
(Bild 3.13). Im Park kann man neben der
Landschaft und der Brücke noch einige historische Ausstellungsstücke und
Kuriositäten besichtigen. Dazu gehören unter anderem ein im Originaldurchmesser
von 30" (= 76 cm) nachgebautes Stück der aus einzelnen Redwood-Dauben und
Eisenreifen wie der Mantel eines "langen zylindrischen Holzfasses"
geböttcherten Wasserleitung, eine der um 1925 gebauten, für die
Schmalspur-Bergstrecken in den Rockies geeigneten leistungsfähigen Dampfloks
der Denver & Rio Grande Line, deren Schwesterloks heute noch auf der
Durango & Silverton Narrow Gauge Railroad im Einsatz sind, und eine
hölzerne mit Wasser angetriebene Uhr. Außerdem ist die Rundfahrt mit einer
Miniatureisenbahn durch den Park im Eintrittspreis enthalten. Gegen Abend
sind wir noch über die US-50 nach Salida weitergefahren, wo uns das
rustikale Restaurant "Windmill" mit angeschlossenem Souvenirshop
gut gefallen hat.
[‹ Index]
Great Sand Dunes NM (CO)
[18.06.1994]
Die Great Sand Dunes im Süden von Colorado erreicht man von Salida über die
US-50 - Poncha Springs - US-285 - Poncha Pass (9010 ft = 2746 m) - Mineral
Hot Springs - CO-17 und (etwa 6 Meilen nach dem Ort Hooper) über eine
landschaftlich schöne schnurgerade Verbindungsstraße (ohne Nummer), von der
aus man die Dünen bereits immer wieder links voraus am Horizont erkennen
kann. Diese Verbindungsstraße trifft kurz vor dem Parkeingang auf die
dorthin führende von Süden kommende CO-150. Dort haben sich im San Luis
Valley am Westrand der Sangre de Cristo Mountains teilweise über 200 m hohe
Sanddünen gebildet (Bild 3.14). Diese
höchsten Sanddünen in Nordamerika sind durch den überwiegend aus Südwest
über die San Juan Montains quer durch das Tal wehenden Winde entstanden.
Viele Legenden ranken sich um diese fremdartige Landschaft, die als
National Momument geschützt ist.
Interessant fanden wir den Erfahrungsaustausch mit einem deutschen Paar, das wir dort zufällig getroffen haben. Dieses Paar hatte eine etwa dreiwöchige, detailliert ausgearbeitete Mietwagenreise "Coast to Coast" von New York nach Los Angeles gebucht. Die beiden stöhnten allerdings über die recht langen Tagesetappen zwischen den mit der Reise verbindlich gebuchten Hotels/Motels, die kaum genügend Zeit für die vorgesehenen Besichtigungen längs der Route ließen. Es stellte sich heraus, daß wir die Nacht zuvor in demselben Ort (Salida CO), jedoch in verschiedenen Motels verbracht hatten. Der Gedanke, sich ohne Buchung bzw. Reservierung einfach am Wegesrand einzuquartieren, rief bei unseren Gesprächspartnern ungläubiges Staunen bis leichtes "Entsetzen" hervor. Als wir dann auch noch berichteten, daß wir am Vorabend in dem außen wie innen einigermaßen rustikalen, aber gut besuchten Restaurant Windmill hervorragend gegessen hätten, gab der Mann zu bedenken, dieses Restaurant bei einer Rundfahrt durch Salida zwar gesehen zu haben, sich dort aber keinesfalls hineingetraut hätte. Dabei war das keineswegs die erste USA-Reise dieses Paares, und Sprachprobleme schien es auch nicht zu geben. Wir haben dann nur noch ein bißchen über unseren Reisestil ohne Vorausbuchungen erzählt, ohne jedoch unseren Gesprächspartnern ihre "perfekt" organisierte Reise zu vermiesen. Ob man dabei außer anderen Touristen in den oft außerhalb der Orte gelegenen Hotels mit angeschlossenem Restaurant auch Land und Leute kennenlernt, erscheint uns eher zweifelhaft. Uns persönlich würde das nicht so richtig gefallen, aber vielleicht ist diese Art zu reisen für jemanden mit zuviel Angst vor der eigenen Courage ja genau das Richtige.
Von den Great Sand Dunes sind wir nach Süden in Richtung Los Alamos gefahren, über die CO-150 - US-160 - Alamosa - US-285 zunächst bis Antonito CO. Da wir dort jedoch kein passendes Motels finden konnten, haben wir (bereits gegen Abend) die von dort nach Chama NM verkehrende Cumbres & Toltec Scenic Railroad bewußt ausgelassen und sind abends noch ca. 100 Meilen auf der US-285 bis Española NM in der Nähe von Los Alamos weitergefahren. [‹ Index]
Los Alamos, Santa Fe (NM)
[19.06.1994]
In Los Alamos wurde im zweiten Weltkrieg die Atombombe entwickelt,
weil sich die Existenz der betreffenden Forschungseinrichtungen in der
abgeschiedenen Bergwüste von New Mexico seinerzeit gut verstecken und
geheimhalten sowie der Zugang zu dem gesamten Ort über die landschaftlich
reizvolle heutige NM-4 effektiv überwachen ließ. Das Bradbury Science
Museum of the Los Alamos National Laboratory ist diesen Forschungen
gewidmet. Leider war es zu der von uns vorgesehenen Zeit am Sonntag vormittag
geschlossen, so daß wir dafür einen halben Tag Wartezeit verloren hätten.
Deshalb haben wir mit Bedauern auf seinen Besuch verzichtet und sind über
die NM-4 - US-285/US-84 nach Santa Fe weitergefahren. Auf jeden Fall sind
uns jedoch genügend Einzelheiten des Ortes und seiner Umgebung in Erinnerung
geblieben, so daß wir noch mehr als vier Jahre später bei der Lektüre des
Romans von Joseph Kanon, "Die Tage vor Los Alamos", über die
Entwicklung der Atombombe eine anschauliche Vorstellung von Ort und
umliegender Landschaft an der NM-4 vor Augen hatten.
Santa Fe ist eine bereits 1610 von Spaniens Kolonisten gegründete und damit sehr alte Stadt in den USA, die ihren ursprünglichen Adobe-Baustil weitgehend beibehalten hat. So gibt es dort zahlreiche sehenswerte Gebäude und Museen. Trotz Übersichtsstadtplan und Angabe ihrer Lage hat sich jedoch die San Miguel Mission, die vermutlich älteste Kirche aus dem frühen 17. Jahrhundert, durch verwinkelte Straßen mit fehlenden Parkmöglichkeiten und lückenhafte bis irreführende Wegweisung erfolgreich unserer Suche widersetzt. Dafür standen wir plötzlich auf dem Parkplatz zu einem modernen "eleganten" Gebäude, das eigentlich gar nicht zu der historischen Stadt paßt und sich als ein von Indianern betriebenes Casino erwies. Später haben wir erfahren, daß in den USA das Glücksspiel keineswegs auf Nevada beschränkt ist, sondern von Indianern auch in vielen (möglicherweise allen) übrigen Bundesstaaten betrieben werden darf. Offenbar war dieser Sonntag für uns der Tage besten einer nicht, aber trotzdem haben wir zum guten Schluß wenigstens noch den Bahnhof von Santa Fe als Endstation der seinerzeit berühmten gleichnamigen Bahnlinie gefunden. Jedoch zeigt sich hier trotz des im Adobe-Stil restauterten Emfangsgebäudes (Bild 3.15) wie anderswo auch, daß die große Zeit der amerikanischen Eisenbahn ganz offensichtlich passé ist.
Von Santa Fe führt die US-285 in südlicher Richtung über Clines Corners, Vaughn, Roswell und Artesia nach Carlsbad. Nach etwa 50 Meilen kreuzt man in Clines Corners die I-40 (vormals Route 66), wo ein größeres Travel-Center mit Tankstelle, Schnellrestaurant und Kuriositäten-Shop in der Wüste von New Mexico liegt. Auf unserer Fahrt durch die Wüste nach Carlsbad zu den sehenswerten Tropfsteinhöhlen haben wir in Roswell übernachtet, wo abends gegen 19.00 Uhr noch 98 °F (= 37 °C) herrschten. [‹ Index]
Stand: 09.09.2009 / © MG