Hinweis: Die Tagebuchnotizen sind in chronologischer Reihenfolge angegeben. Zum einfacheren Auffinden markanter Sehenswürdigkeiten ist der folgende Index mit Verweisen auf die betreffenden Notizen in sechs getrennten Kategorien jeweils alphabetisch geordnet. Zu den Verweisen in diesem Reisebericht kann man mit dem Rückpfeil des Browsers zurückkehren.
Four State Corner (CO/NM/AZ/UT) [11.07.1987]
Von Cortez CO sind wir auf der US-160 über Four State Corner nach Arizona
gefahren (Bild 1.01). Den in der
Nähe von Cortez gelegenen Mesa Verde NP und die aus dem nur 47 mi östlichen
Durango durch den wildromantischen Animas Canyon nach Silverton CO verkehrende
Schmalspurbahn haben wir wegen einer Kombination aus Unkenntnis und Zeitplanung
auf dieser Reise nicht besucht. Das haben wir auf unserer dritten Reise 1994
nachgeholt und dort auch beschrieben. Von Four State Corner ging es weiter auf
der US-160 vorbei am Monument Valley bei Kayenta und dann über die AZ-98 nach
Page am Lake Powell. Von dort aus sind wir am nächsten Tag über die US-89 und
die AZ-64 zum besser erschlossenen Südrand (South Rim) des Grand Canyon (nach
Grand Canyon Village) gefahren (J-förmiger Abstecher nach Süden etwa mitten
unterhalb der Nordgrenze Arizonas) und abends wieder zurück nach Page zur
zweiten Übernachtung, um dort am nächsten Tag den Colorado nach Norden zu
überqueren. – Four State Corner ist der einzige Punkt in den USA, an
dem vier Bundesstaaten mit ihren Ecken aneinanderstoßen, weil sich nur hier
eine durchgehende Nord-Süd- mit einer Ost-West-Staatengrenze kreuzt. Diese
vier Staaten sind im Uhrzeigersinn Colorado (CO), New Mexico (NM), Arizona
(AZ) und Utah (UT). Dadurch war es unserem Sohn Oliver leicht möglich, sich
im Liegestütz in allen vier Staaten gleichzeitig aufzuhalten
(Bild 1.57). Wegen der Besucher gab
es in dieser ansonsten öden Gegend natürlich einige Verkaufsstände mit
indianischen Handarbeiten, u.a. Schmuck, Webwaren und Sandpaintings
(Sandmalereien).
[‹ Index]
Monument Valley (AZ) [11.07.1987]
Gleich hinter Four State Corner steht an der US-160 ein Willkommensschild
von Arizona (Bild 1.58). In dieser
Wüstengegend muß es wohl ziemlich windig sein, weil dieses Schild von
immerhin fünf Stangen gehalten wird. Durch das eigentliche Monument Valley,
dessen bizarre Felsformationen in vielen Wildwestfilmen als Kulisse gedient
haben, führt die US-163, die in Kayenta von der US-160 nach Norden abzweigt.
Wir haben jedoch bereits an der streckenweise schnurgeraden US-160 genügend
rostrote Erosionsmonumente zu sehen bekommen
(Bild 1.59), daß wir auf den
Abstecher zur US-163 verzichtet haben. Auch beim Näherkommen sehen
diese Monumente noch erstaunlich realistisch aus, z.B. wie eine
"Kathedrale" (Bild 1.60),
und man erwartet beinahe, jeden Moment müsse John Wayne oder irgendein
anderer Western-Filmheld um die Ecke geritten kommen. Der rote Sand, der
dort auf den Parkplätzen abseits der asphaltierten Straße überall herumliegt,
ist dermaßen fein und farbig, daß man ihn noch nach Jahren in allen Nähten
der dort getragenen Kleidung findet und sein Rostrot besonders aus Strümpfen
auch durch häufiges Waschen nicht wieder vollständig herausbekommt. Insofern
hätten wir in dem damaligen Schlager "Ich hab' noch Sand in den Schuhen
von Hawaii" die Insel 'Hawaii' gut und gerne durch 'Monument Valley'
ersetzen können.
[‹ Index]
Lake Powell, Glen Canyon NRA &
Glen Canyon Dam (Page AZ) [11.07.1987]
Als wir auf der AZ-98 nach Page hineinfuhren, kamen wir an 11 Kirchen
verschiedener Religionsgemeinschaften vorbei. Da beim Bau des nahe gelegenen
Glen Canyon Dam zahlreiche Bauarbeiter nur in Page wohnen konnten,
sollten die Kirchen den Wüstenort wohl für Arbeitskräfte dieser
Glaubensrichtungen attraktiv machen. Der Glen Canyon Dam ist von 1956 bis
1964 gebaut worden. Er ist insgesamt 710 ft (ca. 216 m) hoch,
davon 583 ft (ca. 178 m) über dem Flußbett, und staut den Colorado
River zu dem fjordartigen Lake Powell mit einem Stauziel von 1131 m
über dem Meeresspiegel. Dieser Stausee ist 180 mi (ca. 290 km) lang,
die nur zu einem ganz geringen Teil in Arizona, zum überwiegenden Teil jedoch
in Utah liegen. Der Lake Powell dient als Wasserspeicher, dessen Stauvolumen
von 33,3 Mrd. m³ eine zyklische Langzeitspeicherung und maximale
Nutzung des Wassers ermöglicht. Die in dem Wasserkraftwerk installierten
acht Generatoren haben eine Spitzenleistung von insgesamt 1296 MW
(1,76 Mio. hp). Die ersten beiden Einheiten von je 162 MW
(220 000 hp) gingen im Sept. 1964 ans Netz und die achte (und
letzte) Einheit im Feb. 1966. Der Lake Powell und seine jedoch nur teilweise
erschlossenen Uferregionen gehören zur Glen Canyon NRA (National
Recreation Area), die wir aus Zeitgründen genau so ausgelassen haben wie eine
Bootsfahrt auf dem Stausee. Empfehlenswert mit entsprechenden Freizeitangeboten
soll der Erholungsort Wahweap an der gleichnamigen Bay nördlich des Colorado
River etwas abseits der US-89 sein. Sehenswert fanden wir die Glen Canyon
Bridge (Bild 1.61), auf der die
US-89 hoch über dem Damm den Glen Canyon überquert. Diese Brücke ist vor dem
Dammbau errichtet worden, um bei dessen Bauarbeiten mit Fahrzeugen zwischen
beiden Rändern des Canyon hin- und herfahren zu können. Außerdem waren wir
noch kurz vor dessen Schließung am Abend in dem interessanten Visitor Center
am Glen Canyon Dam.
[‹ Index]
Grand Canyon NP (AZ) [12.07.1987]
Der "Grand Canyon of the Colorado River" ist ein weltbekannter
'Canyon', den dieser große Fluß im Laufe von Jahrmillionen in den Sandstein
des Colorado Plateaus eingeschnitten hat. Daher gelten die Flanken des Canyon
bei Geologen als Fundgrube erdgeschichtlicher Entwicklung aus den
verschiedensten Epochen, angefangen vom frühen Präkambrium an den tiefsten
Stellen der Schlucht. Für Touristen ist der Ostteil dieses Nationalparks
erschlossen, hauptsächlich an seinem Südrand (South Rim) von Desert View bis
zur Gegend um Grand Canyon Village und (außerhalb des Winters) auch am
Nordrand (North Rim) um Grand Canyon Lodge mit zwei Stichstraßen zu mehreren
Aussichtspunkten. Der Grand Canyon hat keine durchgehenden Wände von den Rändern
bis zum Fluß, sondern bei etwa ¹/3 der Gesamttiefe
hat sich ein Zwischenplateau gebildet. Zwischen Grand Canyon Village (Yavapai
Point) am Südrand und Grand Canyon Lodge am Nordrand liegen die Ränder, das
Zwischenplateau und der Fluß etwa auf folgenden Höhen über dem Meeresspiegel,
aus denen sich die Tiefe des Grand Canyon bis zum Zwischenplateau und zum Fluß
abschätzen läßt. Ergänzend ist die Höhe von Desert View an der Ostecke des
Südrandes in die folgende Höhentabelle aufgenommen worden:
| Niveau | über dem Meeresspiegel |
Tiefe unter | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Des.V. | Yavap. | Nordr. | |||
| Südrand (Desert View) | 7438 ft | 2267 m | 0 m | ||
| Südrand (Yavapai Pt.) | 7082 ft | 2159 m | 0 m | ||
| Nordrand (G C Lodge) | 8255 ft | 2516 m | 0 m | ||
| Zwischenplateau | 5309 ft | 1618 m | 649 m | 541 m | 898 m |
| Colorado River | 2402 ft | 732 m | 1535 m | 1427 m | 1784 m |
Lediglich der Colorado River fließt mit etwas ungleichmäßigem Gefälle, d.h. mit geringem Höhenunterschied, durch die Granitschlucht (Granite Gorge) des Canyon. Die Ränder und das Zwischenplateau sind demgegenüber jedoch ziemlich uneben, so daß die Höhenunterschiede (bzw. Tiefenangaben) abhängig von den gewählten Referenzpunkten stark schwanken können. Eine in der Werbung für den Grand Canyon häufig genannte Gesamttiefe ist 1 Meile (= 5280 ft), d.h. 1609 m.
Unsere Besichtigung des Nationalparks "Grand Canyon of the Colorado River" von Page aus ist nur auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich. Da wir anschließend weiter nach Norden zum Bryce Canyon und Zion NP wollten, bietet sich die Glen Canyon Bridge bei Page AZ zur Überquerung des Colorado River an. Auf den nächsten 277 mi (ca. 446 km) stromab bis zum Hoover Dam bei Las Vegas NV gibt es nämlich keine Straßenbrücke über den Grand Canyon. – Auf der Fahrt von Page nach Grand Canyon Village führt die AZ-64 zunächst am Canyonanfang des Little Colorado River entlang, der sich als Geländeeinschnitt neben der Straße auftut (Bild 1.62). Bei Desert View führt die Straße zum ersten Mal an den Colorado River heran. Von hier aus hat man einen guten Ausblick nach Westen, d.h. stromab, in den Canyon (Bild 1.63). Man sieht links im Bild den South Rim, darunter und ganz rechts das etwa 600 m tiefer liegende Zwischenplateau mit etlichen Querschluchten und etwa mitten in der linken Bildhälfte die Granite Gorge (Granitschlucht) bis zum Colorado River, der hier etwa 1 Meile unter den Canyonrändern liegt, je nachdem von wo man mißt. Die Breite des Canyon zwischen seinen Rändern schwankt von 600 ft (ca. 180 m) bis 18 mi (ca. 29 km), so daß er an diesen breiten Stellen mehr wie ein Bergland wirkt und nicht so sehr wie ein tiefes Flußtal. In der Nähe von Grand Canyon Village hat man verschiedene imposante Aussblicke in den Canyon, der dort so breit ist, daß man dieses Panorama mit einer einfachen Kamera mit fester Brennweite kaum so wirkungsvoll aufnehmen kann, wie es sich in der Natur darbietet. Sofern man nicht wenigstens den gegenüberliegenden Rand und möglichst auch noch den Fluß aufs Bild bekommt, kann man sich auf dem Foto meistens nur schwer orientieren. Der folgende Überblick (Bild 1.64) zeigt verschiedene Erosionsformationen auf dem Zwischenplateau gegenüber von Grand Canyon Village und im Vordergrund die Kante der Granitschlucht. Auf dem nächsten Überblick (Bild 1.65) ist es gelungen, sowohl etwas mehr Himmel als auch den Colorado River unten in der Granitschlucht mit auf das Bild zu bekommen.
Die unterschiedlichen Farbtöne bzw. Farbstiche auf den Bildern vom Grand Canyon werden durch Gesteinsfarben und Sonnenstand hervorgerufen und verändern sich immer wieder im Laufe des Tages. Deshalb ist diese Landschaft ein dankbares Experimentierfeld für Profifotografen. Besucher wie wir, die an einem Tag möglichst viel sehen möchten und nur eine einfache Amateurkamera haben, können natürlich nur Schnappschüsse der gerade bestehenden Lichtverhältnisse einfangen. nahezu alle Bilder dieser Reise sind mit derselben Kamera und dem gleichen Diafilmen aufgenommen worden. – Mit dem eigenen Auto (Mietwagen) konnten wir nur bis Grand Canyon Village fahren. Zu den weiter westlich gelegenen Aussichtspunkten gab es jedoch einen kostenlosen Linienverkehr mit Kleinbussen, die alle von den zahlreichen Angehörigen der Familie Holland gefahren wurden. An einiger der Aussichtspunkte gab es auch Museen bzw. Ausstellungen, in denen wir einiges über die Geschichte des Grand Canyon erfahren konnten. Bei ausreichender Kondition kann man den Canyon auf einem Trail zu Fuß durchqueren. In der Nähe der Phantom Ranch gibt es unten in der Ganite Gorge zwei Campingplätze und eine Brücke über den Colorado River. Ein selbst nur teilweiser Abstieg in den Canyon unter der heißen Sonne Arizonas kam jedoch weder für mich noch für meine Frau Anne aus gesundheitlichen Gründen nicht in Frage. Lediglich unser Sohn Oliver wollte es wissen, und ist in der Mittagszeit von Grand Canyon Village die etwa 540 m bis zum Zwischenplateau ab- und wieder aufgestiegen. Von der Gallone Trinkwasser, die er auf diese Wanderung mitgenommen hat, sind im wesentlichen beim Aufstieg etwa ²/3 verbraucht worden, also etwa 2,5 Liter.
Ansonsten wurden vom Airport außerhalb des Village für 50,00 $ pro Person (ab 12 Jahre) Rundflüge mit Kleinflugzeugen durch den Canyon veranstaltet, für die es sogar Wartezeiten gab. Aus Zeit- und Kostengründen (150,00 $ für 3 Personen) haben wir jedoch darauf verzichtet. Außerdem wurden Hubschrauberflüge von Las Vegas aus angeboten, die jedoch deutlich teurer waren. Die klassischen Übernachtungsorte für Besuche den Grand Canyon sind Williams und Flagstaff, die südlich des Canyon an der I-40 liegen und nicht ganz so weit davon entfernt sind wie Page im Nordosten. Von Williams nach Grand Canyon Village und zurück fuhr seinerzeit immer noch ein Zug der Grand Canyon Railroad, der im Sommerhalbjahr mit einer historischen Dampflok aus der Zeit der Jahrhundertwende (um 1900) bespannt war und unterwegs als Touristenattraktion von berittenen "Eisenbahnräubern" überfallen wurde. Das wußten wir damals allerdings noch nicht, aber allein deswegen wären wir sicher nicht über Williams gefahren. (Ein paar weitere Details mit einem Bild des dampfbespannten Zuges sind unter dem Punkt "Grand Canyon RR (Williams AZ) vom 14./15.07.1997" in dem Reisebericht über unsere vierte USA-Reise enthalten.) – Der Grand Canyon ist ganz sicher eine große und überaus beeindruckende Flußlandschaft in dem felsigen Gebiet des Colorado Plateau und auf seine Weise einzigartig. Er ist jedoch stellenweise mit knapp 30 km dermaßen breit, daß wir nicht mehr den Eindruck hattem, vor einem Canyon zu stehen. Dieses Gefühl drängte sich uns nach der Besichtigung des Black Canyon of the Gunnison zwei Tage bei manchen Ausblicken in den Grand Canyon geradezu auf. Gegen Abend sind wir dann zur Übernachtung nach Page zurückgefahren. [‹ Index]
Bryce Canyon NP (UT) [13.07.1987]
Von Page ging es auf der US-89 in Richtung Nordwesten, zunächst auf der Glen
Canyon Bridge über den Colorado River, dann weiter nach Utah und dort über
Kanab, Mount Carmal Jct., bis 8 mi nördlich von Hatch die UT-12 nach
Osten abzweigt, auf der wir nach 14 mi die Einfahrt zum Bryce Canyon NP
erreicht haben (Bild 1.01, Abstecher
nach Norden etwa mitten von dem Routenstück im Süwesten Utahs). Abends ging
es zurück bis Mount Carmel Jct., einem Ort mit 150 Einwohnern als letzter
Übernachtungsmöglichkeit vor dem Zion NP, den wir am nächsten Tag auf
der UT-9 nach Westen durchfahren haben, um dann der I-15 bis Las Vegas NV
zu folgen. – Im Bryce Canyon NP ist eine außergewöhnliche Vielfalt
von typischen Erosiosformationen aus rostrotem bis fast weißem Kalkstein
entstanden, die dennoch als Säulen, Nadeln und Zinnen ganz typisch für
diesen Nationalpark sind. Das Visitor Center liegt knapp 4 mi südlich
der UT-12 an der Zufahrtsstraße zum Park. Von dort aus führt am Westrand
des Canyon bis zum Rainbow Point eine 17 mi (ca. 27 km) lange
Straße entlang, an der zahlreiche Aussichtspunkte liegen und von der mehrere
Trails in den Canyon und eine Stichstraße abzweigen. Zu den typischen
Erosionsgebilden gehören z.B. Bögen
(Bild 1.66), unter denen nie Flüsse
oder Bäche hindurchgeflossen sind, sowie Felssäulen und Gebilde, in denen
man mit einiger Phantasie bestimmte Figuren oder Bauwerke erkennen kann,
wie Jäger und Hase (Bild 1.67) oder
die vermeintlichen Zinnen einer größeren Burganlage
(Bild 1.68).
Nach seinen Erfahrungen vom Vortag im Grand Canyon war unser Sohn Oliver wild entschlossen, ebenfalls allein für ungefähr 1½ Stunden auf einem Rundtrail von der etwa 2400 m hoch gelegenen Randstraße in den auf diesem Wanderweg knapp 160 m tiefer gelegenen Canyon abzusteigen. Nach seiner nahezu pünktlichen Ankunft am vereinbarten Treffpunkt wurde uns nachträglich klar, daß diese Wanderung ohne Begleitung ein paar unerwartete Risiken enthielt. Zum einen waren damals (1987) die Trails nicht überall gut erkennbar und Abzweigungen kaum beschildert, so daß man ohne Wanderkarte leicht in die Irre laufen konnte. Zum anderen waren dort im Gegensatz zum Grand Canyon kaum andere Wanderer unterwegs, so daß man bei einer Verletzung, und sei es nur ein kräftig umgeknickter Fuß, vermutlich erst nach längerer Zeit oder einer gezielten Suche, dort gefunden worden wäre. Und last, not least ist unser Sohn im Canyon einer Klapperschlange (Rattle Snake) begegnet, von der er sich jedoch langsam entfernen konnte, ohne von ihr angegriffen zu werden. Dieses Erlebnis hat seinen Enthusiasmus für weitere Alleinwanderungen auf unbekannten Trails zwar wirkungsvoll gedämpft, aber trotz alledem war und ist der Bryce Canyon eine sehenswerter Naturpark. Da es für den Zion NP an diesem Tag zu spät geworden wäre, haben wir gegen Abend in Mount Carmel Jct., dem letzten Ort vor diesem Nationalpark, Quartier bezogen. In dieser Ansiedlung von nur 150 Einwonern, wo die UT-9 durch den Zion NP von der US-89 abzweigt, gab es immerhin ein Best Western Hotel und das kleinere Golden Hill Motel. Übernachtet haben wir in dem preiswerteren Motel und zum Abendessen und Frühstück das einzige Restaurant des Ortes von Best Western aufgesucht. [‹ Index]
Zion NP (UT) [14.07.1987]
Der Zion Canyon im gleichnamigen National Park ist ein beeindruckendes Flußtal
mit steilen Felswänden aus teils rotem (eisenhaltigen) und teils weißem
Kalkstein. Da die Mormonen die ersten weißen Menschen in dieser Gegend waren,
tragen Berge und Flüsse in diesem Park fast ausschließlich biblische Namen.
Nach dem Frühstück sind wir von Mount Carmel Jct. auf der UT-9 nach Westen
durch den Nationalpark gefahren und dann der I-15 bis Las Vegas NV gefolgt.
Da die Kassenhäuschen an beiden offenen Parkeingängen so früh am Morgen
noch nicht besetzt waren, sind wir trotz guten Willens kein Eintrittsgeld
losgeworden. Gleich hinter dem 5700 ft (ca. 1737 m) hoch gelegenen
Osteingang steht der 6670 ft (ca. 2033 m) hohe Checkerboard Mesa
(Bild 1.69), ein weißer Tafelberg,
der sich knapp 300 m aus der Hochebene erhebt und dessen Flanken von
schachbrettförmig verlaufenden Erosionsspalten durchsetzt sind. Die UT-9
führt dann durch einen kurzen und einen längeren Tunnel und dann über
Serpentinen (Bild 1.70) hinunter
ins Tal des Pine Creek. Bemerkenswert fanden wir den mit rotem Split
hergestelltem Asphalt, durch den der Straßenbelag im Park eine ungewohnt
rote Farbe zeigte. Das Tal des Pine Creek führt von der Seite in den
Zion Canyon des North Fork Virgin River, das Haupttal des Zion NP. Die
weißen und rötlichen Steilwände am oberen Ende dieses Canyon waren in der
Natur äußerst beeindruckend, wirken jedoch auf Bildern, die wir mit einer
normalen Kamera aufgenommenen haben, wegen der eingeschränkten Standortwahl
nicht so recht und sind deshalb hier weggelassen worden. Auf der Rückfahrt
aus dem Zion Canyon fiel uns ein kleiner Wegweiser an einer Parkbucht auf,
der über einen kurzen Fußweg zu einem nicht näher bezeichneten
"Photographer's Point" führte. Neugierig geworden, wurde ich nach
der Wegbiegung von diesem formatfüllenden Ausblick auf den 6744 ft
(ca. 2056 m) hohen Great White Throne überrascht
(Bild 1.71), der sich gut 700 m
über der Canyon-Sohle erhebt.
[‹ Index]
Valley of Fire SP (NV) [14.07.1987]
Die I-15, die von Südwest-Utah durch einen Zwickel von Nordwest-Arizona
nach Las Vegas im Süden von Nevada führt, ist auf neueren Straßenkarten
großenteils als landschaftlich schöne Strecke (Scenic Route) gekennzeichnet
(Bild 1.01). Wir sind zunächst in
diese Spielerstadt hineingefahren und haben gegen Mittag in einer TraveLodge
am berühmten Las Vegas Blvd (Las Vegas Strip) schräg gegenüber des bekannten
Casino-Hotels Caesars Palace Quartier bezogen. Da Las Vegas sein typisches
Flair erst im Dunkeln entfaltet, sind wir am Nachmittag noch durch den Valley
of Fire State Park an der Nordwestecke des Lake Mead gefahren. Den Hoover
Dam, hinter dem der Lake Mead gestaut wird, haben wir dann am nächsten Tag
besichtigt. – Der Valley of Fire SP grenzt im Osten an den Nordzipfel
der Lake Mead NRA an. Also sind wir auf der I-15 wieder nach Norden
zurückgefahren. Vom Exit 75 führt die landschaftlich schöne NV-169 durch den
Valley of Fire State Park. Das Gestein in diesem Wüstenpark leuchtet in
unterschiedlich intensiven Rottönen, und das in einer Geländemulde Ton in
Ton gebaute Visitor Center hat geradezu Tarnfarbe und ist von weitem kaum
zu erkennen. In vielen Felsen befinden sich durch Erosion entstandene
unterschiedlich große und tiefe Löcher, in die man jedoch tunlichst nicht
hineinfassen sollte. Darin könnten sich nämlich auch giftige Tiere wie
Schlangen oder Skorpione aufhalten, die sich gegen eine derartige Störung
natürlich wehren. Fasziniert hat uns ein Hinweisschild am Straßenrand
(Bild 1.72), das auf die Grenze eines
Jagdgebietes hinweist (No Hunting Area) und das Mitführen geladener Waffen
verbietet. Einen derartigen Hinweis können wir uns in Deutschland kaum
vorstellen. Nach dem Valley of Fire SP führt die NV-169 an einem Seitenarm
des Lake Mead entlang, in den der Virgin River aus dem Zion NP mündet. Unter
dem Namen Overton Boat Landing gab es dort am Lake Mead eine Slipanlage und
zahlreiche Liegeplätze für Sportboote zu sehen. Unmittelbar am Rande des
Stausees begann jedoch die von der Sonne glühend heiße felsige Wüste ohne den
geringsten Streifen von Vegetation. Durch die Wüstenorte Overton an einem
kleineren Ausläufer des Lake Mead und Logandale führt die NV-169 zum Exit 93
der I-15, über die wir nach Las Vegas zurückgefahren sind. Dabei ist
anzumerken, daß die Freeway-Ausfahrten hier nicht durchnumeriert, sondern nach
dem jeweils nächsten Meilenstein benannt sind. Die Exits 75 und 93 sind also
etwa 18 mi voneinander entfernt.
[‹ Index]
Las Vegas (NV) [14./15.07.1987]
Wie oben bereits erwähnt, haben wir in Las Vegas NV in einer TraveLodge
am Las Vegas Blvd schräg gegenüber Caesars Palace für zwei Nächte Quartier
bezogen (Bild 1.73). Das Bild
zeigt einen Blick von der Kreuzung vor unserem Motel schräg über den Las
Vegas Strip auf dieses Casino-Hotel. Auffällig sind hier, wie an vielen
anderen Kreuzungen des "Strip", die im Vordergrund des Bildes
erkennbaren Zeitungskästen, denen man kostenlose Werbeschriften entnehmen
kann (Bild 1.74). Darin wird sowohl
für sog. "Darling Dancers" geworben, die in der Privatsphäre
(Privacy) des eigenen Hotelszimmers strippen, als auch für Bordelle aller
Art, die im Umland von Las Vegas (Nye County) unter mehr oder weniger
verklausulierten Bezeichnungen (Chicken Ranch, Cat Houses, Brothels, Whore
Houses) ihre Dienste z.T. einschließlich Hin- und Rückfahrt in Edelkarossen
(sog. Limousines) anbieten. Nach [RF 50]
wurden nach dem Niedergang des Edelmetallbergbaus in Nevada zur Sanierung
der Staatsfinanzen Glücksspiel und Prostitution legal zugelassen, jedoch
nach Counties getrennt. Damit ist in der Spielerhochburg Las Vegas die
Prostitution offiziell verboten. Was einzelne "Darling Dancers"
außer ihrem Striptease gegen entsprechendes Honorar sonst noch alles
mitmachen, wissen wir nicht, aber nach einschlägigen Berichten über Las
Vegas hat bezahlter Sex innerhalb der Stadtgrenzen durchaus unerwartete
Risiken. Eine potentielle Hure könnte dort nämlich auch ein weiblicher
Polizeispitzel sein, um die Einhaltung der einschlägigen Bestimmungen zu
überprüfen und mit empfindlichen Strafen gegen mögliche Freier durchzusetzen.
Als Familie mit 16-jährigem Sohn haben wir uns von derart fragwürdigen
Vergnügungen allerdings ferngehalten, obwohl sich in Nevada ein junger Mann
bereits mit 16 Jahren in Bordellen austoben darf, sofern er das nötige Geld
dafür hat. Allerdings wußten wir das während dieser Reise noch nicht. Dagegen
darf man jedoch erst ab 21 Jahre Alkohol trinken, eine Bestimmung, auf die
in den USA (auch in den Bordellen Nevadas) offenbar ziemlich strikt geachtet
wird. Es bleibt anzumerken, daß Nevada der einzige von den 50 Staaten der USA
ist, in dem die Prostitution offiziell legalisiert ist. In den anderen 49
Bundsstaaten wird der käufliche Sex hingegen mehr oder weniger kaschiert, je
nachdem wie konsequent er von den Behörden verfolgt und geahndet wird. So
werden Callgils u.a. auch von etlichen Begleitagenturen (Escort Services)
vermittelt. Dabei hat die Agentur von allem, was über die offizielle
Begleitung eines "Kunden" zum Essen, ins Theater oder wohin auch
immer hinausgeht, natürlich nicht die geringste Ahnung, weil das als absolute
Privatsache behandelt und direkt bei der betreffenden "Begleiterin"
bar bezahlt wird.
Die Glitzerwelt der Casinos und großen Hotels hat uns beim abendlichen Spaziergang auf dem Strip ziemlich beeindruckt. Wir sind von unserem Motel knapp 2,5 km nach Norden und zurück gewandert, vorbei an so illustren Etablissements wie Ceasars Palace, Imperial Palace Hotel, Holiday Inn Casino, Sands Hotel, The Castaways Hotel, Frontier Hotel, Desert Inn, Silver Slipper, Royal Las Vegas, Stardust Hotel, Riviera Hotel bis kurz vor Circus Circus Hotel-Spa. Der Hinweg in der warmen Abendluft vorbei an allerlei Licht- und Wasserspielen war nicht weiter anstrengend. Dabei hatten wir allerdings nicht bemerkt, daß wir dabei den trockenen Wüstenwind im Rücken hatten. Der machte sich beim Rückweg jedoch um so stärker bemerkbar, als er uns ins Gesicht blies und wir unversehens einen trockenen Mund und Rachen bekamen. Die Getränkebars waren in den Casinos natürlich ganz hinten, so wie die Fleischtheken in den Supermärkten, damit man an allem anderen vorbeikommt, was sonst noch angeboten wird. Aber nach einem stellenweise schwierigen Parcours zwischen den Spielautomaten und -tischen hindurch waren wir doch erfolgreich und haben etwas zu trinken bekommen. Dabei war uns allerdings nicht klar, ob unser Sohn, den wir nicht am Eingang stehen lassen wollten, dort überhaupt hineindurfte. Allerdings sind wir auf unserem Weg zur Getränketheke nicht an einem Verbotsschild vorbeigekommen und auch nicht auf ein mögliches Fehlverhalten angesprochen worden. – Bei Nacht wäre es schwierig gewesen, diese eindrucksvollen Lichterspiele ohne Stativ auf Film zu bannen. Deshalb sind wir am nächsten Morgen den Strip mit dem Auto abgefahren, um zumindest die bekanntesten Werbetransparente durch die Windschutzscheibe aufzunehmen. Stellvertretend für alle anderen sei hier nur das Frontier Hotel (Bild 1.75) gezeigt, in dem seinerzeit schon jahrelang die bekannte Show von Siegfried und Roy als Zugnummer stattfand. Weiter nördlich am Strip folgen die für Las Vegas ebenfalls berühmten Hochzeitskapellen (Wedding Chapels, Bild 1.76), die sich hier wie Perlen auf einer Schnur aneinanderreihen. [‹ Index]
Lake Mead NRA & Hoover Dam (NV/AZ)
[15.07.1987]
Am zweiten Tag unseres Aufenthaltes in Las Vegas haben wir einen Abstecher
zum Hoover Dam gemacht, hinter dem der Colorado River zum Lake Mead
aufgestaut wird. Dabei war ich als Elektroingenieur natürlich besonders an
dem Wasserkraftwerk unten im Hoover Dam interessiert. Von Las Vegas aus
gelangt man auf der US-93 über Henderson und Boulder City direkt dorthin,
denn diese Straße führt über den Hoover Dam weiter nach Arizona. Dies ist
der erste Übergang über den Colorado River westlich des Grand Canyon
277 mi (d.h. 446 km) von dem nächsten östlich gelegenen Übergang
bei Page entfernt. Von der 1244 ft (ca. 379 m) langen und
45 ft (ca.13,7 m) breiten Krone des 726,4 ft (ca.
221,4 m) hohen Hoover Dam kann man auf dessen Luftseite nach Süden in
den tiefen Black Canyon auf den Colorado River blicken
(Bild 1.77). Dort unten sieht man
die beiden Wasserkraftwerke auf der Arizona-Seite (links) und auf der
Nevada-Seite (rechts) mit je mehreren Dreiergruppen von Wechselstromtrafos
für die drei Phasen des Drehstromnetzes. Zwischen den Kraftwerken sind die
Wirbel vom Turbinen-Abwasser im Unterlauf des Colorado River deutlich zu
erkennen. Jedes der beiden Kraftwerke hat auf der Wasserseite des Damms
zwei Einlauftürme, die den Turbinen warmes Wasser von dicht unter der
Oberfläche zuführen (Bild 1.78).
Kaltes Wasser vom Grund des Lake Mead würden die Fische im Unterlauf des
Colorado River nämlich nicht vertragen. Am Hoover Dam bildet der Fluß die
Grenze zwischen Nevada und Arizona und damit zwischen den Zeitzonen
Pacific und Mountain Standard Time. Deshalb ist an jedem der beiden
dammnahen Türme eine Uhr mit der Nevada Time (Bild) bzw. der Arizona Time
(ohne Bild) angebracht. Bei unserem Aufenthalt im Sommer (Mitte Juli)
zeigten jedoch beide Uhren dieselbe Zeit an (im Bild etwa 14.40 Uhr) und
nicht wie erwartet eine Stunde Unterschied (z.B. 15.40 Uhr Arizona Time).
Die Erklärung war ganz einfach: In Nevada galt Sommerzeit (PDT = Pacific
Daylight saving Time), während in Arizona nicht auf Sommerzeit umgestellt
wurde und dort ganzjährig die lokale Standardzeit galt (MST = Mountain
Standard Time). Dadurch ist es nur in Nevada bereits eine Stunde später
als im Winter, und diese beiden Zeiten sind deshalb gleich (PDT = MST,
siehe auch Zeitzonen). Wenn man am
Hoover Dam die schrägen Hochspannungs-Gittermasten am Westrand des Black
Canyon zum ersten Mal sieht
(Bild 1.79), wird man das Gefühl
nicht los, die Sonne hätte der eigenen Sinneswahrnehmung bereits
geschadet. Das ist aber keineswegs der Fall, denn diese Masten lenken
am Rand des Canyon die links steil von unten kommenden
Hochspannungsleitungen in die nach rechts fast waagerecht weiterführenden
Leitungen um.
Beeindruckend ist auch der Blick von unten auf den Hoover Dam (Bild 1.80), z.B. von der Außenanlage des Arizona-Kraftwerks nach Norden. Die 221,4 m hohe, oben 13,7 m und unten 201 m dicke Bogengewichtsmauer enthält ca. 2,5 Mio m³ Beton, eine Menge, die ausgereicht hätte, um eine zweispurige Betonstraße (two-lane highway) von San Francisco nach New York zu bauen. Die beiden Kraftwerke haben zusammen 17 Turbo-Generatoren mit einer Gesamtleistung von 1443 MW = 1,443 GW plus zwei Generatoren für den Eigenverbrauch von je 2,4 MW. Die Sperrmauer ist von 1931 bis 1935 gebaut worden, 2 Jahre schneller als geplant, und zu Ehren des Ingenieurs, damaligen Wirtschaftsministers und späteren 31. US-Präsidenten Herbert Hoover benannt worden. Obwohl dieser Name ursprünglich vorgesehen war, hieß dieser Damm während und nach der Bauzeit zunächst Boulder Dam, weil dieses sog. Boulder-Projekt nach ersten Planungen in dem 16 km stromab gelegenen Boulder Canyon gebaut werden sollte. Tatsächlich steht der Hoover Dam jedoch nicht dort, sondern etwa 16 km stromauf im Black Canyon des Colorado River, wo die Tragfähigkeit des felsigen Untergrundes eine höhere Staumauer zuließ. Seinen ursprünglich vorgesehenen heutigen Namen erhielt er durch einen Kongressbeschluß erst 1947. Die Kraftwerksbauten wurden 1936 fertig, und der erste Generator nahm noch in demselben Jahr seinen Betrieb auf. Der 17. und letzte Generator ging 1961 ans Netz. Der Hoover Dam hatte seinerzeit kein Vorbild, und er ist noch heute der höchste Betondamm in der westlichen Hemisphäre. Der dahinter aufgestaute Lake Mead ist Amerikas größtes Reservoir. Bis zum Stauziel gefüllt (372,3 m über dem Meer), ist er maximal 152 m tief und 177 km lang, mit einer Küstenlinie von 1323 km. Er bedeckt eine Fläche von 639 km² und hat ein Stauvolumen von 35,2 Mrd m³ (28,537 Mio acre-feet*). Bevor wir für 1 $ pro Person das Kraftwerk besichtigen konnten, mußten wir auf dem Damm unter einem Sonnensegel warten, bis wir dran waren. Da der Hoover Dam etwa auf der Breite von Gibraltar in der Wüste liegt, war uns trotz des Sonnensegels dermaßen warm, daß wir den mehrmaligen Service einer Sanitäterin, die uns auf Wunsch die Gesichter aus einer Sprühflasche anfeuchtete, sehr zu schätzen wußten. Der Mitautorin Anne war es dort trotzdem deutlich zu heiß, so daß sie es vorzog, sich statt des Kraftwerks die Ausstellung in der klimatisierten Halle auf der Nevada-Seite der Dammkrone anzuschauen. Staudamm und Kraftwerk sind nahezu symmetrisch in eine Nevada- und eine Arizona-Seite unterteilt. So sind Sohn Oliver und ich schließlich mit dem "Nevada Elevator" nach unten in die Turbinenhalle gefahren, wo uns ein Ranger zahlreiche Daten über Damm und Kraftwerk vorgetragen hat. Dabei ist mir deutlich in Erinnerung geblieben, wie die Vibration einer dicken Turbinenzulaufleitung auf Grund des hindurchströmenden Wassers zu spüren war, als ich von einem dicht darüber hinwegführenden Übergang einen Fuß auf diese Leitung stellen konnte. Von der Freifläche vor den Hochspannungstransformatoren auf der Arizona-Seite hatten wir den im Bild aufgenommenen Blick auf diese imposante Staumauer.
| __________ | |
| *) | acre foot: In den USA übliche Einheit für Stauvolumen in Talsperren Anschauliche Bedeutung: 1 acre (gut 0,4 ha) Gelände-Fläche steht 1 foot (gut 0,3 m) hoch unter Wasser 1 acre = 4840 square yards = ¹/640 square mile = 4046,86 m² = ca. 0,4047 ha (Flächenmaß) 1 foot = 12 inches = ¹/3 yard = 0,3048 m (Längenmaß, üblich für Höhenangaben) 1 acre foot = 1233,48 m³ (Volumenmaß, üblich für Stauvolumen) |
Death Valley NM (CA)
[16.07.1987]
Von Las Vegas im Süden Nevadas sind wir über die Grenze nach California
durch das Tal des Todes nach Barstow CA gefahren
(Bild 1.01), um von dort aus am
nächsten Tag die als Freilichtmuseum hergerichtete ehemalige Bergbaustadt
Calico Ghost Town zu besichtigen. Von Las Vegas aus ging es zunächst auf
der US-95 bis Beatty NV (Nordwestspitze im südlichen Zweig der Route an der
Grenze zwischen NV und CA). Dort zweigt die NV-374 nach Südwesten ab, vorbei
an ein paar spärlichen Ruinen von Rhyolite Ghost Town, über die Grenze nach
California und den 4315 ft (ca. 1315 m) hohen Daylight Pass. Von dort aus
führt die Straße auf einer Länge von nur 7 mi (ca. 11,2 km) quer in das Tal
des Todes (Death Valley NM) vorbei an einem Schild "Sea Level"
hinunter bis auf die unter dem Meeresspiegel liegende Talsohle. Dort sind
wir der Längsstraße CA-190 und CA-178 über Furnace Creek und Badwater, dem
tiefsten Punkt des Tals gefolgt, um es dann über den Jubilee Pass (1280 ft,
ca. 390 m) und den Salsberry Pass (3315 ft, ca. 1010 m) nach Osten wieder zu
verlassen. In einem Bogen nach Osten sind wir über Shoshone, CA-127 bis Baker
und von dort auf der I-15 nach Südwesten bis Barstow CA weitergefahren. Die
Straßen im und um das Death Valley sind größtenteils als landschaftlich
schöne Strecken (Scenic Roads) gekennzeichnet. Der kurze Abstecher von
Barstow nach Norden (auf der Routenkarte bis an das Ende des Ortsnamens
'Bakersfield') führte uns am nächsten Morgen nach Calico Ghost Town, bevor
es dann nach Süden weiterging. Doch nach dieser Routenbeschreibung nun ein
paar bemerkenswerte Einzelheiten aus der unwirtlichen Landschaft im Tal des
Todes.
Das hölzerne Hinweisschild auf dem gemauerten Sockel (zum Größenvergleich mit Sohn Oliver) stand an der Zufahrtstraße NV-374 von Beatty (Bild 1.81). An dem dargestellten Querschnitt durch das Tal und die umgebenden Bergketten (mit Blick nach Süden) kann man das dortige Wettergeschehen plausibel machen. Die Panamint Range im Westen (rechts auf dem Schild) ist mit gut 2000 m und Gipfeln bis zu 3368 m (Telescope Peak) wesentlich höher ist als die Amargosa Range im Osten (links auf dem Schild) mit etwa 1300 m und Gipfeln um 2000 m. Deshalb haben sich die vom Pazifik kommenden Wolken, die über dem Death Valley zu sehen sind, an der westlichen Gebirgskette längst abgeregnet und ziehen ohne weiteren Niederschlag über das Tal des Todes hinweg. Außerdem heizt die starke Sonnenstrahlung die Bergflanken an beiden Seiten auf, wodurch die erhitzte Luft aufsteigt. Diese beiden Luftmassen treffen sich über dem Tal und strömen in dessen Mitte wieder nach unten. Dadurch können sich bei Tage an beiden Bergflanken gegensinnig rotierende "Luftwalzen" ausbilden, deren Strömung an dem Tag unseres Besuchs so stark war, daß mir die Baseballkappe, die ich als Sonnenschutz aufhatte, mehrere Male beinahe vom Kopf geweht wäre. Hinter dem Schild führt die NV-374 auf 11,2 km von 1315 m auf etwa –50 m zum Talboden. Das entspricht auf dieser Länge einem mittleren Gefälle von 1365 m / 11200 m = 12,2 %. Aus diesem Grunde befanden sich links neben der Straße, also für die Bergfahrt auf der rechten Seite, mehrere Stahltanks mit "Radiator Water" zum Nachfüllen von verdampftem Kühlwasser für Automotoren, die bei Außentemperaturen von über 40 °C in der Steigung überlastet worden sind. Wir selbst hatten mit unserem recht neuen Mietwagen dabei nie Probleme. Offensichtlich verlassen sich jedoch genügend unbedarfte amerikanische Autofahrer auch in solchen Extremumgebungen zu sehr auf die Automatik ihres Autos und halten es nicht für nötig, für längere Steigungs- oder Gefällestrecken eine angemessen niedrigere Fahrstufe als D einzustellen. Statt dessen überhitzen sie dann entweder den Motor oder die Bremsen. Nicht von ungefähr haben damals nahezu alle Vermieter von Wohnmobilen verboten, damit im Sommer ins Death Valley zu fahren.
Auf der CA-190 in Richtung Furnace Creek sind wir zunächst an den Ruinen der "Harmony Borax Works" rechts der Straße vorbeigekommen. Hier wurde in den frühen 1870-er Jahren auf dem Talboden des Death Valley Borax gefunden, das als Zuschlagstoff zur Herstellung von Glas und Glasuren sowie als Flußmittel zum Hartlöten verwendet wird. Vor der Ruine der 1882 gegründeten Harmony Borax Works, konnten chinesische Gastarbeiter das Borax in der Anfangszeit einfach vom Talboden aufsammeln, das anschließend mit den legendären "20-Mule Trains", den von 20 Mulis gezogenen Zügen aus zwei schmalen hohen Wagen und einem unverzichtbaren Tankwagen für Wasser aus dem Tal transportiert wurde. Weitere Einzelheiten über diese Borax-Gewinnung und das zugehörige Freilichtmuseum enthält der Reisebericht unserer vierten Reise (von 1997), bei der wir das Death Valley nochmals besucht haben. In Furnace Creek wurden Überreste eines historischen Schmelzofens (furnace) gefunden. Heute befinden sich dort das Visitor Center mit dem Death Valley Museum (Bild 1.82) und die Furnace Creek Ranch mit dem bereits erwähnten Borax Museum. Beeindruckt hat uns der abrupte Übergang vom grünen Rasen zur steinigen Wüste an der Kante, wo die Bewässerung aufhört. Als wir am Visitor Center aus dem klimatisierten Auto gestiegen sind, konnten wir direkt spüren, wie sich in der heißen trockenen Luft alle Poren öffneten und wir mit einem Schlag am ganzen Körper schweißnaß waren und die Zunge anfing, am Gaumen zu kleben. Deshalb haben wir im Visitor Center das gekühlte Wasser aus der Trinkfontäne (drinking fawcett) genossen wie nie zuvor. Das Foto des im Schatten liegenden Thermometers gegen den sonnigen Hintergrund ist leider verunglückt, aber dort im Schatten waren 114 °F (= 45,6 °C), und aus dem Auto gestiegen waren wir zuvor in der prallen Sonne. – Badwater ist mit 282 ft (ca. 86 m) unter dem Meeresspiegel der tiefste Punkt der westlichen Hemisphäre (Bild 1.83). Je nach Jahreszeit steht hier eine mehr oder weniger große oder von der Oberfläche verschwundene Pfütze aus Salzwasser (bad water), umgeben von in der Sonne gleißenden Flächen aus Salzkristallen. Trotzdem gedeihen auch in dieser unwirtlichen Gegend noch Pflanzen, die sich mit Salzwasser begnügen und deren Wurzeln bis zu 22 m tief reichen. Oben an der Bergflanke in 86 m Höhe hängt ein weißes Schild mit der Aufschrift "Sea Level", das die Höhe des Meeresspiegels markiert (Bild 1.84). Dieses rechteckige Schild befindet sich etwas links der Bildmitte etwa ¼ der Bildhöhe vom oberen Rand entfernt. Als besondere Überraschung bekamen wir auf dem Parkplatz bei Badwater drei nagelneue mit Meßgeräten vollgestopte BMWs zu sehen, die dort offensichtlich zu Testfahrten unterwegs waren. Da es sich nach Meinung unseres Sohnes dabei um sog. Erlkönige handelte, haben wir sie bewußt nicht fotografiert, da unsere Fotoaktivitäten von den drei Testfahrern bereits äußerst aufmerksam beobachtet wurden.
Pest Exclusion (Inspektion gegen das mögliche Einschleppen von Pflanzenschädlingen nach CA): Bei unserer oben beschriebenen Weiterfahrt nach Barstow CA wurden wir etwa 8 Meilen vor diesem Etappenziel in Yermo, also bereits etwa 100 Meilen (ca. 160 km) tief in California von einer Kontrolle auf möglicherweise von Schädlingen befallenes Obst überrascht. Nachdem die Leute in dem Auto vor uns zwei Tüten Obst in den dort vorhandenen Abfallbehälter entsorgen mußten, bat ich meine Familie, nichts zu sagen und mich einfach gewähren zu lassen. Auf die Frage, wo wir zuvor gewesen seien, stellte sich unser Aufenthalt in Nevada offensichtlich als eine besondere Gefahr für den kalifornischen Obstanbau heraus, die eine Inspektion unseres Autos erforderlich machte. Also wurde ich gebeten, den Kofferraum zu öffnen, und als der Inspektor darin eine Kühlbox sah, diese Box ebenfalls. Nachdem er darin nur ein paar Dosen Cola entdeckt hatte, die zwischen den noch nicht geschmolzenen Eisstücken im Schmelzwasser schwammen, bekamen wir ein "Certificate of Inspection" (Bild 1.85) und durften weiterfahren. Keine Angabe, wonach gesucht wurde, und keine Frage, ob und ggf. was für Obst wir an Bord unseres Autos hätten. Offenbar war sich der Inspektor völlig sicher, daß man in dieser Hitze Obst gar nicht anders als in einer solchen Kühlbox mitführen könne, und da war ja nun wirklich keins. [‹ Index]
Calico Ghost Town (CA) [17.07.1987]
In der ehemaligen Bergbaustadt Calico etwa 10 mi nördlich von Barstow
wurden von 1881 bis 1907 reiche Silbererze und Borax abgebaut. Dabei
war die Silver King Mine die erste und reichste Fundgrube. In Glanzzeiten
wohnten entlang der einzigen Straße (Main Street) etwa 4000 Einwohner
in dieser Stadt mit damals 22 Saloons. 1950 wurde die Stadt mit den
umliegenden Mining Claims von Walter Knott (dem Inhaber von Knott's
Berry Farm) mit dem Ziel erworben und restauriert, sie als eine der
wenigen Original Geister-Bergbaustädte in Südkalifornien zu erhalten.
1966 wurde die Ghost Town dem San Bernardino County gestiftet und hat
damit heute den Status eines Regionalparks. Auch durch die
"Bewohner" in historischer Kleidung kann man dort einen
Eindruck über das Leben von vor 100 Jahren gewinnen und allerlei
Souvenirs im Stil dieser Zeit erwerben. Als Zugeständnis an die
Fotoleidenschaft von Touristen gab es natürlich auch eine
"Fotoschablone" für ein ungleiches Hochzeitspaar, der die
Mitautorin Anne und unser Sohn Oliver nicht widerstehen konnten
(Bild 1.86). Außerdem war in
den Mining Claims (Bild 1.87)
ein Teil der Stollen von Maggie's Mine als Museum hergerichtet, die
wir durchwandern konnten. Eine der ansonsten eigens als
Touristenattraktion veranstalteten Schießereien von Gesetzlosen
fand während unseres Besuchs bedauerlicherweise nicht statt. Das
erlebten wir erst, als wir Calico bei unserer vierten Reise (1997)
ein zweites Mal besucht haben.
[‹ Index]
Joshua Tree NM (CA) [17.07.1987]
Da wir fast wider Erwarten mit unserer Reise gut im Zeitplan lagen, konnten
wir die vorgesehene Südschleife der Route in voller Länge über San Diego
fahren (Bild 1.01). Im Falle von
Verzögerungen hatten wir mehrere Abkürzungen nach Westen vorgesehen, im
ungünstigsten Fall von Barstow direkt nach Los Angeles, was zum Glück
nicht erforderlich war. Also ging es von Barstow auf der landschaftlich
schönen Strecke (Scenic Road) CA-247 nach Südosten über den so malerischen
Wildwest-Wüstenort Lucerne Valley bis zur CA-62, über Twentynine Palms bis
zum Abzweig der CA-195 durch das Joshua Tree NM. An dieser ebenfalls als
Scenic Road markierten Strecke stehen in lockerer Folge diese Joshua Trees
(Bild 1.88), die als 'Yucca
brevifolia' botanisch zu den Palmlilien (Yuccas) gehören und die größte Art
dieser Gattung sind. Obwohl die Wüstenstrecke als solche recht sehenswert
war, konnten wir die Bergeisterung, mit der diese Jushua Trees in mehreren
Reiseführern beschrieben waren, nicht so recht teilen. Südlich des National
Monuments fuhren wir auf der I-10 nach Westen bis Indio CA, wo wir vor dem
Abendessen und Übernachten noch Zeit zum Waschen in der örtlichen Coin
Laundry hatten. (In der eingetragenen Route liegt Indio an der kleinen nach
Westen weisenden Spitze am rechten Teil dieser oben beschriebenen
Südschleife nach San Diego.)
[‹ Index]
Stand: 10.09.2009 / © MG