Hinweis: Die Tagebuchnotizen sind in chronologischer Reihenfolge angegeben. Zum einfacheren Auffinden markanter Sehenswürdigkeiten ist der folgende Index mit Verweisen auf die betreffenden Notizen in sechs getrennten Kategorien jeweils alphabetisch geordnet. Zu den Verweisen in diesem Reisebericht kann man mit dem Rückpfeil des Browsers zurückkehren.
Reiseroute & Zahlungsmittel
[gesamte Reise]
Um einen Eindruck von der durchgeführten Reise zu vermitteln, ist die
Route in eine USA-Karte geeigneten Maßstabs eingetragen
(Bild 1.01), auf die im Laufe dieser
Tagebuchnotizen bei Bedarf immer wieder verwiesen wird. Unter dem Bild
sind die markantesten Reisemerkmale angegeben. Weitere Einzelheiten folgen
in diesen Tagebuchnotizen. Für Planung und Fahrt wurden selbstverständlich
detailliertere Karten benutzt, zur großräumigen Übersicht vor allem ein
handlicher Straßenatlas (RM 01) und zum
Auffinden der 'Nebenstrecken' und Sehenswürdigkeiten Faltkarten der einzelnen
Staaten, sowohl vor Ort gekaufte (RM 10)
als auch solche, die von den staatlichen Fremdenverkehrsämtern herausgegeben
werden (RM 11). Oft wurden auch die
darin enthaltenen bzw. eigens erworbene Stadtpläne verwendet. Die angegebenen
Kurzbezeichnungen von Fernstraßen
(z.B. US-395) sind unter dem betreffenden Hinweis erläutert.
Die in den USA gebräuchlichen Zahlungsmittel (Bargeld, Reiseschecks und Kreditkarte) sind bereits unter den betreffenden allgemeinen Hinweisen ausführlich beschrieben worden. Hier sollen lediglich Abbildungen der üblichen Münzen, einer der in allen Werten gleich großen und gleich grünen $-Banknoten sowie der von uns verwendeten Reiseschecks und Kreditkarte gezeigt werden (Bild 1.02). Auf die Verwechslungsgefahr der nur durch die Angabe ihres Wertes (in Zahlen und in Worten) zu unterscheidenden Banknoten sei auch hier nochmals ausdrücklich hingewiesen. [‹ Index]
Hinflug (Hamburg – Los Angeles CA)
[26.06.1987]
Der gesamte Hinflug dauerte von 9.00 Uhr Ortszeit ab Hamburg Fuhlsbüttel
(HAM) bis 21.59 Uhr Ortszeit an Los Angeles CA International Airport
(LAX), also 13 h + 9 h Zeitdifferenz, d.h. 22 Stunden, die Anfahrt von
Braunschweig mit dem Auto nach Hamburg nicht mitgerechnet. Dieser erste
Urlaubsflug in die Vereinigten Staaten war seinerzeit mit der 'größten'
amerikanischen Charterfluggesellschaft, der American TransAir (ATA) am
preiswertesten. Dafür mußten wir allerdings bereits 2 Stunden vor der
Abflugzeit zum Einchecken am Schalter sein. Überraschenderweise war es
seinerzeit nicht möglich, am Morgen des Abflugtages mit der Bahn von
Braunschweig nach Hamburg zu fahren und rechtzeitig zu diesem Termin am
Flughafen anzukommen. Anstatt am Vortag anzureisen und uns noch eine
Übernachtung für drei Personen in Hamburg zu 'gönnen', sind wir morgens
mit dem Auto hingefahren und haben stattdessen für 29 Tage 29 ×
6,00 DM = 174,00 DM Parkgebühren für den relativ preiswerten
Langzeitparkplatz am Hamburger Flughafen bezahlt, zuzüglich Benzin für ca.
2 × 250 km (Hin- und Rückfahrt). Der Transatlantikflug mit der ATA
verlief in unserem Fall planmäßig, im Gegensatz zu späteren Flügen von
einigen Bekannten, die bei dieser Gesellschaft Verspätungen bis zu fast
einem Tag erlebt haben. Überraschend war jedoch, daß die ATA mit ihrer
Lockheed Tri-Star nicht einmal von Hamburg nach New York nonstop flog,
sondern in Gander auf Neufundland (Canada) zwischenlandete (vermutlich,
um Treibstoff zu sparen). Durch die Uhren in der Wartehalle wurden wir
deutlich darauf hingewiesen, daß die Ortszeit in Gander nicht um ganze
Stunden gegenüber der Weltzeit UTC (vorm. GMT) verschoben ist, sondern um
– 3½ Stunden gegenüber Londoner Zeit WESZ
(Bild 1.03), bzw.
– 4½ Stunden gegenüber deutscher Zeit MESZ. Der
Aufenthalt in Gander betrug ca. 40 Minuten, bevor es nach New York (JFK)
weiterging (Ankunft 13.00 Uhr Ortszeit). Da der ursprüngliche
Vertragspartner des Reiseveranstalters für die US-Inlandsflüge ausgefallen
war, wurde unser Weiterflug nach Los Angeles noch vor Erhalt der
Originalflugscheine auf eine Linienmaschine der Delta Air umgebucht.
Dadurch hatten wir in New York gut 4¾ Stunden Aufenthalt, bevor wir in Richtung Los Angeles starten konnten (ab JFK 17.50 Uhr Ortszeit). Nachdem wir die Einreisekontrolle (Immigration) passiert und unser Gepäck am Delta-Air-Schalter aufgegeben hatten, konnten wir erleben, wie ordentlich der Wartebereich von einer ausgesprochen hübschen und adretten farbigen Putzfrau saubergehalten wurde. Die junge Dame war akkurat geschminkt, trug einen gestärkten kniefreien weißen Kittel mit Firmenlogo und kam bei ihrer Arbeit offensichtlich nicht in Schweiß. Ihr Bereich war ohne Hektik in etwa 45 Minuten zu schaffen, denn dann kam sie mit ihrem Putzwagen wieder vorbei, sammelte evtl. herumliegende Reste von den Tischen und wischte dort bei Bedarf, fegte ggf. Abfälle vom Fußboden mit einem Miniaturbesen zusammen und dann auf eine Klappkehrschaufel mit langem Stiel, ohne sich dabei zu bücken, prüfte die örtlichen Abfallbehälter, entfernte, falls erforderlich, deren Plastiksäcke mit Müll in den gleichartigen Behälter auf ihrem Wagen und brachte neue Säcke an, und das alles auf eine Weise, als ob sie sich ganz natürlich auf einem Laufsteg bewegte und diese Tätigkeit nur ein Alibi für die Präsentation ihrer ansehnlichen Figur in dem weißen Kittel sowie ihres aufgetragenen Make-ups wäre. Sicherlich war der Lohn für diese Arbeit nicht zum Reichwerden geeignet, und wir konnten uns damals nicht vorstellen, daß in Deutschland zur Zeit der Vollbeschäftigung jemand bereit gewesen wäre, diese Arbeit mit solcher Würde zu erledigen. – Eine weitere Zwischenlandung gab es in Salt Lake City (SLC), wo Passagiere nach San Francisco (SFO) umsteigen mußten. Obwohl Delta Air in Atlanta GA (ATL) beheimatet ist, war die Ansammlung von Delta-Air-Maschinen in Salt Lake City genau so beeindruckend wie Landung und Start auf bzw. von diesem in einem Talkessel gelegenen Flughafen. Nach Einbruch der Dunkelheit war auf dem Flug über die Wüste von Nevada die Spielerstadt Las Vegas sehenswert, die durch das hell erleuchtete unsymmetrische Kreuz aus den beiden großen Casinostraßen 'Las Vegas Blvd.' (Las Vegas Strip) und 'Fremont St.' besonders auffällt. Gegen 22.00 Uhr Ortszeit landeten wir planmäßig auf dem LA International Airport (LAX), bei dessen Landeanflug wir das Lichtermeer von Los Angeles bestaunen konnten. [‹ Index]
Übernahme des gebuchten Mietwagens
(Los Angeles International Airport) [26.06.1987]
Nach dem Passieren der Einreise-, Paß- und Visakontrolle begaben wir uns zu
den Haltestellen, von denen aus die Busse der Autovermieter ihre Kunden
kostenlos zu den entsprechenden Flughafenschaltern fahren. Das Anmieten des
von Deutschland aus gebuchten Autos der Kategorie C (Intermediate 4-Door)
am Avis-Schalter lief ohne Besonderheiten ab. Selbstverständlich wurden wir
gefragt, ob wir wirklich das reservierte Auto der bestellten Kategorie oder
nicht doch lieber ein größeres haben möchten und welche der zusätzlichen
Versicherungen, Haftpflicht-Höherversicherung (ALI = Additional Liability
Insurance), Vollkasko-Versicherung (CDW = Collision Damage Waiver, später
oft LDW = Loss Damage Waiver) und Insassen-Unfallversicherung (PAI =
Passenger Accident Insurance) wir noch abzuschließen wünschten. Eine
Haftpflicht-Höherversicherung bis seinerzeit 1 Million DM (ca. 500.000 $)
war durch die Buchung über DER-Tour bereits als Gruppenversicherung bei
einem deutschen Unternehmen enthalten, und zwar für eine deutlich
günstigere Prämie als beim Autovermieter selbst (siehe auch Hinweise zu
Mietwagenreisen). Es
war allerdings nicht ganz einfach, der amerikanischen Angestellten am
Vermietungsschalter diesen Sachverhalt mit eigenen Worten und anhand des
deutschsprachigen Versicherungsscheins klarzumachen. Sie gab sich aber
schließlich zufrieden, da wir zumindest die damals in der deutschen Buchung
noch nicht enthaltene Vollkasko-Versicherung (CDW) zu immerhin 9,00 $ pro
Tag zuzüglich VAT (MWSt), d.h. für immerhin 272,59 $ für 4 Wochen bei ihr
abschlossen. Auf die ebenfalls wärmstens empfohlene Insassen-Unfallversicherung
(PAI) haben wir jedoch guten Gewissens verzichtet. Auf Nachfrage wurde uns
bestätigt, daß die Ehefrau (Spouse) bei Avis ohne besondere Angabe im
Mietvertrag und ohne Zusatzkosten als 'zweiter Fahrer' automatisch
eingeschlossen sei, und unsere alten grauen deutschen Führerscheine wurden
erwartungsgemäß ohne Probleme anerkannt. Nach Verrechnen des Vouchers für die
in Deutschland bereits entrichtete Automiete sowie Vorlage der Kreditkarte
zum Bezahlen der Vollkasko-Versicherung und als Kaution für das überlassene
Auto und eventuelle Zeitüberschreitungen wurde der Mietvertrag unterschrieben.
Daraufhin bekamen wir den Vertrag mit Angabe des Autokennzeichens und einer
Stellplatznummer sowie die Autoschlüssel ausgehändigt. Außerdem wurde uns die
Lage dieses Stellplatzes neben der Vermietstation beschrieben und der Autotyp
"Chrysler LeBaron" genannt. Da wir diesen amerikanischen Typ
natürlich nicht kannten, half nur, auf dem zu nachtschlafender Zeit hell
beleuchteten Gelände die Stellplätze abzuschreiten und am Ziel Autokennzeichen
und -typ zu überprüfen. Nachdem dann auch noch der Schlüssel paßte, konnte
ich mit dem Mietwagen an der Station vorfahren, wo Frau und Sohn beim Gepäck
gewartet hatten, damit wir es nicht bis zum Stellplatz tragen mußten.
[‹ Index]
Das einzige für die gesamte Reise reservierte
Hotelzimmer (Los Angeles CA) [26.06.1987]
Wegen der späten Ankunft hatten wir von Deutschland aus für die erste Nacht
ein erschwingliches Hotelzimmer aus dem Angebot desselben Veranstalters
(DER-Tour) reserviert und bezahlt, über den wir auch den Mietwagen gebucht
hatten. Die Fahrt zu diesem "Hollywood Roosevelt Hotel" in
Hollywood gelang sogar etwa 30 Stunden nach dem Aufstehen anhand eines
bereits vorhandenen Stadtplans von Los Angeles, Hollywood und etlichen
umliegenden Gemeinden recht problemlos. Das Hollywood Roosevelt erwies
sich als restauriertes älteres Hotel, vor dessen Haupteingang keinerlei
Parkmöglichkeit in Sicht war und kurz vor Mitternacht auf dem Fußweg noch
eine Amateurkapelle musizierte. Bei der Fahrt um den Block entdeckten wir
die Hofeinfahrt des Hotels, an der wir von einem uniformierten
Hotelangestellten empfangen wurden, der nach den klassischen
Gepflogenheiten auch für das "Valet Parking" der Gästeautos
zuständig war. Er alarmierte den sog. Bellman, der sich um unser Gepäck
kümmern würde, übernahm den Autoschlüssel und schickte uns dann über einen
Treppenaufgang vom Hof zum Front Desk (Rezeption) des Hotels. Dort wurde
mit uns zunächst erörtert, ob wir zu dritt mit dem gebuchten Zimmer
auskämen, oder ob wir nicht doch lieber für unseren 16-jährigen Sohn
(gegen zusätzliche Bezahlung) ein separates Zimmer wünschten. Nachdem wir
mit dem einen Zimmer zufrieden waren und auch alles Übrige an der Rezeption
erledigt war, kam meiner redlich übermüdeten Frau (Anne) wieder ins
Bewußtsein, daß sie die Behandlung des Autos und unseres Gepäcks noch nicht
so richtig verinnerlicht hatte. Sowohl das Valet Parking als auch den
in solchen Hotels üblichen Gepäcktransport durch einen Bellman erlebte sie
hier zum ersten Mal, weil ihr so etwas im damaligen Deutschland zur Zeit
der Vollbeschäftigung bisher noch nicht widerfahren war. Im Gegensatz zu
ihr hatte ich (Manfred) bei einer 6 Jahre zurückliegenden Dienstreise
bereits erlebt, wie selbstverständlich die Amerikaner mit diesen für sie
gewohnten Dienstleistungen umgehen. Daraufhin entwickelte sich zwischen uns
beiden folgender kurze Dialog, an den wir uns auch heute noch gut erinnern,
weil die an Stimme und Blick meiner Frau deutlich erkennbare 'Panik' bei
meinen Antworten noch weiter zunahm.
Anne: "Wo ist denn jetzt unser Auto?" – Manfred: "Inzwischen vermutlich auf dem Hotelparkplatz." – Anne: "Aber du hast doch wenigstens den Autoschlüssel?" – Manfred: "Nein, denn sonst hätte der Hotelangestellte das Auto ja nicht dort parken können." – Anne: "Huch, aber was ist denn mit unserem Gepäck?" – Manfred: "Dann dreh' dich mal langsam um, aber erschrick nicht gleich!" – Trotz dieser Warnung war meine Frau redlich überrascht, denn inzwischen war der Bellman, ein großer breiter Farbiger, der mich um etwa einen Kopf überragte, mit all unseren Koffern und Taschen auf einem entsprechend großen Gepäckwagen herangekommen. Ich hatte ihn während unserer kurzen Unterhaltung über die Schulter meiner Frau bereits kommen sehen und konnte auch deshalb gut gelassen bleiben. – "Good evening, Madam", strahlte er über das ganze Gesicht, als sich meine Frau zu ihm umdrehte. Daraufhin führte er uns in unser Zimmer, und wir konnten uns nach Entrichten des obligatorischen Tip endlich zur längst überfälligen Nachtruhe begeben. Zum Hotel gehörte auch ein Restaurant, in dem wir am nächsten Morgen das für meine Frau und unseren Sohn erste amerikanische Frühstück zu uns nehmen konnten, das nach landesüblicher Praxis nicht im Übernachtungspreis enthalten war. Obwohl das Hotel von Preis und Ausstattung durchaus akzeptabel war und wir zum Gewöhnen an die Zeitumstellung von 9 Stunden noch zwei Tage im Großraum Los Angeles bleiben wollten, sind wir nach dem Frühstück weitergezogen, weil uns die Wartezeiten und Trinkgelder für Valet Parking und Bellman sowie der fehlende unmittelbare Zugang zum geparkten Auto nicht so sehr zusagten.
Da das mir bekannte preiswerte Sixpence Inn an der Kreuzung Sepulveda Blvd / Harbor Freeway ausgebucht war, zogen wir auf diesem Boulevard zwei Gemeinden weiter bis Torrance und quartierten uns dort im TraveLodge ein (Bild 1.04). Dabei handelte es sich um ein zweigeschossiges Motel mit Swimmingpool, bei dem man sein Auto auf dem Motelparkplatz in der Nähe der Zimmertür bzw. einer Treppe zum Obergeschoß selbst parken und dort jederzeit an den Kofferraum gelangen konnte. Deshalb ließen wir hier den größten Teil des Gepäcks im Kofferraum und nahmen nur das mit ins Zimmer, was wir wirklich brauchten. Dort blieben wir noch zwei Nächte, um uns an die Zeitumstellung zu gewöhnen und dabei ein paar Sehenswürdigkeiten im Großraum Los Angeles zu erkunden. Zum Essen sind wir in LA meistens zu einem mir bekannten einfachen Restaurant der Kette Tiny Neighbor's in Harbor City gefahren, das im Stil einer Windmühle gebaut war. Hier wurde unser 16-jähriger Sohn Oliver von Gästen an den Nachbartischen ziemlich ungeniert bestaunt, wie manierlich und sicher er mit Messer und Gabel essen konnte. Im Gegensatz dazu nahmen viele Amerikaner die Gabel nur dann in die linke Hand, wenn sie auf ihrem Teller ein Stück Fleisch abschneiden wollten. Der fliegende Wechsel der Gabel von rechts nach links und dann wieder zurück nach rechts, um das abgeschnittene Fleischstück zum Mund zu führen, hat wiederum uns beeindruckt. Bei einigen der Versuche von Kindern, aber auch von Erwachsenen an Nachbartischen, mit der Gabel in der linken Hand den Mund zielsicher zu treffen, nötigte uns einige Selbstbeherrschung ab, damit unser Schmunzeln nicht zu offensichtlich wurde. Als wir an einem der Abende ein rustikales Mexikanisches Restaurant zum Essen aufsuchten, bekam unser Sohn bestätigt, daß er dort erst ab 21 Jahre Bier zum Essen erhalten hätte, obwohl das, genau wie die Diskobesuche, in Deutschland bereits ab 16 zulässig ist. (Als wir bei unserer vierten Reise 10 Jahre später noch einmal nach Harbor City kamen, war dort nicht nur ein am Sepulveda Blvd gelegenes größeres Brachgelände vollständig bebaut worden, sondern auch das Sixpence Inn und die 'Windmühle' von Tiny Neighbor's waren anderen Neubauten gewichen.) – Wenn man wie wir ohne Zimmerreservierungen reist, nimmt man aus den Motels der verschiedenen interessierenden Ketten zweckmäßigerweise je einen der ausliegenden Kataloge mit, um in den nächsten Orten ein Motel / Hotel dieser Kette ggf. auch einmal gezielt anfahren zu können. Dadurch sammeln sich im Laufe einer solchen Reise natürlich einige dieser Kataloge an (Bild 1.05). Damit auf deren Titelseiten noch Details zu erkennen sind, enthält das Bild jedoch nur eine Auswahl von fünf derartigen Katalogen. [‹ Index]
Del Amo Fashion Square (Torrance CA)
[27.06.1987]
Das Shopping Center (Mall) des Del Amo Fashion Square in Torrance mit
derart vielen Läden unter einem Dach hat uns damals durch seine Größe
mächtig beeindruckt. Obwohl es inzwischen auch hierzulande ähnliche
Shopping-Center gibt (in unserer Heimatstadt Braunschweig seit etlichen
Jahren den City-Point und seit 2007 das recht beachtliche ECE-Center),
ist die Größe des Del Amo Mall auch heute bei weitem noch unerreicht.
Man findet vom Sepulveda Blvd*) aus am einfachsten über den Hawthorne
Blvd (CA-107) dorthin. Etwa ½ Meile nördlich des Sepulveda Blvd
sieht man die ausgedehnten Gebäude und die (gegen die Sonne) teilweise
überdachten Parkplätze rechts der Straße liegen. Nach seinem Namen
(Fashion) nahmen dort Modegeschäfte breiten Raum ein, aber es waren
natürlich auch zahlreiche Läden für vieles andere vorhanden
(einschließlich einer Filiale für deutsche Gesundheitssandalen von Dr.
Scholl). Nach unserem morgendlichen Umzug in die TraveLodge sind wir
fast den ganzen restlichen Tag (bis kurz vor dem Abendessen) durch dieses
Mall gewandert, um das dortige Warenangebot auf uns wirken zu lassen, die
eine oder andere Kleinigkeit zu kaufen und zu überlegen, was wir
von dort am letzten Tag ggf. als Reisemitbringsel sowohl für uns selbst
als auch für Familienangehörige und ein paar gute Freunde mit nach Hause
nehmen könnten. Besonders erfrischend fanden wir "Bob's Old-Fashioned
Lemonade", die dort an einigen Getränketheken und an den in weiten
Teilen des Mall verteilten Verkaufswagen auf Bestellung in dem jeweiligen
Becher (aus frisch gepreßtem Zitronensaft, granuliertem Eis, Zucker und
Wasser) zubereitet wurde. Überrascht waren wir von den Roastbeef-Sandwiches,
die wir mittags an einer Imbißtheke bestellt hatten, als die dortige
Verkäuferin äußerst routiniert für jedes Sandwich eine unerwartet große
Menge dünner Roastbeef-Scheiben abwog. Dadurch war die Lage Roastbeef etwa
genau so dick war wie jede der beiden Weißbrotscheiben und das ganze
Sandwich eine recht sättigende Mahlzeit.
| __________ | |
| *) | Der Sepulveda Blvd, der sich im Westen durch Los Angeles und zahlreiche Nachbargemeinden schlängelt, ist eigentlich kaum zu verfehlen, obwohl er über kurze Strecken auch mal andere Namen hat. Einerseits verläuft er in einem Tunnel unter den Rollbahnen des LA International Airport hindurch und kann nördlich davon über den Century Blvd oder südlich über den Imperial Hwy erreicht werden. Andererseits kreuzt er, wie bereits oben erwähnt, in Harbor City den Harbor Freeway (CA-11). |
Universal Studios (Hollywood CA)
[28.06.1987]
In den Universal Studios werden nach wie vor nicht nur die
verschiedensten Filme gedreht, sondern auch allerlei markante
Kulissen und Aufbauten zum Hervorrufen bestimmter Illusionen erhalten
und Besuchern zugänglich gemacht. An unserem zweiten Tag zur Gewöhnung
an den Zeitunterschied von 9 Stunden haben auch wir diese sehenswerte
"Traumfabrik" besucht. Aus dem südlichen Großraum Los Angeles
(in unserem Fall aus Torrance) fährt man zu diesen Studios in Universal
City am einfachsten (vom Spulveda Blvd aus) auf dem Harbor Freeway
(CA-11) nach Norden bis zum Hollywood Freeway (US-101). Der führt nach
etwa 8 mi an Universal City entlang, bis man ihn am Exit Lankershim
Blvd verlassen kann. Der Parkplatz war schon damals riesig, so daß man
bei der Einfahrt einen Zettel mit dem Parkbereich (Parking Lot A)
ausgehändigt bekam, auf dem man selbst noch die Stellplatznummer
notieren konnte, damit man nach der ereignisreichen Besichtigungstour
sein Auto überhaupt wiederfand. Der Eintrittspreis für einen Tagesbesuch
betrug pro Person 15 $ (netto), so daß wir zu dritt insgesamt 47,85 $
(incl. VAT) losgeworden sind. Obwohl dieser Betrag nicht einmal alle
möglichen Shows einschloß, war das für einen Tag Unterhaltung
einschließlich Rundfahrtbus mit amerikanischer "Reiseleitung"
und den eingeschlossenen Veranstaltungen ein durchaus angemessener
Preis. Das Gelände, auf dem die Kulissenstadt Universal City steht,
ist recht gebirgig (Bild 1.06).
Dreharbeiten finden je nach Bedarf sowohl in den fensterlosen Hallen
als auch auf dem Freigelände statt, aus verständlichen Gründen allerdings
unter Ausschluß der Öffentlichkeit.
Die Besucher werden mit überdachten, aber ansonsten offenen Rundfahrtbussen (Bild 1.07) mit Anhänger, die an die von der Hannover-Messe bekannten 'Messeblitze' erinnern, durch das Außengelände und auch durch einige der größeren Hallen gekarrt. Rechts neben dem Fahrer sitzt (entgegen der Fahrtrichtung) die Führerin Cheryl, die in akzentuiertem Amerikanisch die Sehenswürdigkeiten entlang der Route erklärt hat. Frau und Sohn konnten das meiste davon zumindest dem Sinn nach unmittelbar verstehen, und wenn sie zwischendurch einmal fragend guckten, konnte ich meistens mit einer oder zwei Schlüsselvokabeln bzw. mit einem halben Satz auf Deutsch erreichen, daß sie den weiteren Erläuterungen wieder folgen konnten. Nachdem wir zunächst einige Figuren aus dem seinerzeit noch recht aktuellen Film "Krieg der Sterne" am Straßenrand bewundern konnten, bekamen wir vorgeführt, wie die Illusion eines brennenden Hauses erzeugt wird. Als der Bus hielt, schlugen aus den offenen Fensterhöhlen eines an der Straße stehenden Hauses plötzlich die Flammen, zunächst nur kleine aus einem Fenster, dann immer größere Flammen aus immer weiteren Fenstern, bis schließlich das gesamte Haus in lodernden Flammen zu stehen schien. Allgemeine Verblüffung machte sich breit, als der Bus dann weiterfuhr und man das vermeintliche Haus von der Seite sehen konnte. Es bestand nämlich nur aus einer feuerfesten Fassade, hinter der Gasleitungen zu den unter deren Fensteröffnungen angebrachten Gasbrennern führten. Auch ein für die Besucher insziniertes Unwetter über der Kulisse einer steilen Gasse in "Klein-Mexiko" konnte uns beeindrucken. Unter Blitz und Donner verdüsterte sich der Himmel, den man wegen mehrerer Laubbäume am Straßenrand nicht so genau sehen konnte. Von dem anschließenden wolkenbruchartigen Regen traf jedoch kein Tropfen auf den Rundfahrtbus. Auch der beeindruckende Wasserschwall, der anschließend die steile Gasse herabstürzte und den Bus von der Straße zu schwemmen drohte, verschwand schließlich doch gerade so eben in dem vor der Straße vorhandenen Gully. Von solchen Wasserspielen einmal abgesehen, halten wegen des trockenen Klimas in Hollywood sogar im Freien aufgestellte weitgehend ungeschützte Kulissen von Hausfassaden (Bild 1.08) erstaunlich lange, die hierzulande bereits innerhalb kurzer Zeit verrotten bzw. vermodern würden. Die Stahltragwerke, die den Häuserkulissen die nötige Standfestigkeit verleihen, sind natürlich bei den betreffenden Aufnahmen nicht zu sehen. Auf diese Weise ist u.a. für einen bestimmten Film sogar ein Teil einer Münchener Straße nachgebaut worden. Bemerkenswert waren auch die vielen "Aaahhhs" und "Ooohhhs" der amerikanischen Besucher, wenn sie beim Vorbeifahren die Kulissen ihrer beliebten Seifenopern wiedererkannten.
In einigen der Hallen bekamen wir entweder nachgebildete Horrorszenarien zu sehen, z.B. einen abgestürzten in Flammen aufgehenden Hubschrauber, oder wir bekamen vorgeführt, wie bestimmte Aufnahmeszenen hergerichtet werden, um im Film eine realistisch erscheinende Illusion hervorzurufen. Dazu gehörten u.a. Darstellungen, wie jemad die Wand hochgeht oder durchs Weltall fliegt. Im ersten Fall wurde ein um 90° gedrehtes Zimmer als Kulisse aufgebaut, d.h. der tatsächliche Fußboden sah wie eine Wand aus, und auf einer als Fußboden dekorierten Seitenwand war das Mobiliar festgeschraubt. Um die Szene noch realistischer zu gestalten, saß eine Person ganz entspannt auf einem speziellen hergerichteten Schreibtischstuhl, d.h. sie lag in Wirklichkeit auf dessen langer Lehne, die von der Kamera nicht sichtbar war. Selbstverständlich wurde uns Besuchern zunächst der aufgenommene Filmclip gezeigt, um die Illusion unvoreingenommen auf uns wirken zu lassen. Erst dann wurde der Vorhang vor der daneben aufgebauten tatsächlichen Szene zur Seite gezogen, um zu demonstrieren wie so etwas gemacht wird. Für das vermeintliche Fliegen durch den Weltraum wurde eine junge Frau aus dem Publikum als Aktrice ausgesucht. Sie bekam ein wallendes Gewand an und legte sich damit auf eine von hinten abgestützte Unterlage. Der auf eine dahinterliegende Leinwand projizierte bewegte Sternenhintergrund, das Spotlicht auf die scheinbar fliegende Person und ein leichter Luftzug von vorne durch einen Ventilator vervollständigten das Arrangement. Da die Unterstützung durch das im Winde leicht flatternde helle Gewand für die Kamera verdeckt blieb, wirkte das auf dem Monitor sichtbare bewegte Bild dieser Szene äußerst realistisch. Natürlich gab es noch weiteren "Nachhilfeunterricht" dieser Art, deren Aufzählung jedoch eher müßig wäre, zumal die Licht- und Entfernungsverhältnisse in den betreffenden Hallen mit einem normalen Fotoapparat kaum brauchbare Aufnahmen ergeben hätten. Eindrucksvoll war im Freigelände diese "Collapsing Bridge" (Bild 1.09), die unter dem lautstarken Geräusch berstenden Holzes zusammenzubrechen schien. Die Geräusche kamen selbstverständlich aus versteckt angebrachten Lautsprechern, und der Zusammenbruch wurde wohldefiniert durch entsprechende Hydraulikantriebe gesteuert, konnte wieder rückgängig gemacht und beliebig oft wiederholt werden. Trotzdem waren die spitzen Schreie der Insassen durchaus echt, als die Fahrbahn der Brücke unter dem Rundfahrtbus mit der entsprechenden Geräuschkulisse etwa ¼ bis ½ m durchsackte. Kurz danach durchfuhr der Bus auf fester Fahrbahn einen "rotierenden Tunnel", dessen als Felsen dekorierte bogenförmige Wände sich ähnlich wie die vom Jahrmarkt bekannten Rollenden Tonnen um die feststehende(!) Fahrbahn mit Bus und Passagieren drehte. Allein dieser optische Effekt reichte aus, um den Gleichgewichtssinn des Autors nachhaltig zu stören. Da sich die Fahrbahn nicht mitbewegte, genügte es jedoch, die Augen zu schließen, damit diese Beeinträchtigung unwirksam wurde.
Im Freigelände gab es so allerlei Kulissen bzw. Aufbauten aus früheren Filmen, an denen man seine Begleiter fotografieren konnte, soweit das zwischen den Besuchermassen möglich war. So gelang es dem Autor, "seine Familie (Frau und Sohn) zu schrumpfen" und diesen Erfolg durch ein entsprechendes Foto zu dokumentieren (Bild 1.10). Das Verfahren ist natürlich denkbar einfach, weil in Wirklichkeit nicht etwa die Familie so klein geworden, sondern das Telefon entsprechend groß ist. Ansonsten konnte man seine Famile, insbesondere den Sohn, bei besonderen Kraftakten fotografieren, z.B. beim Hochkanten eines Kleinbusses, der in Wahrheit an den beiden Rädern einer Seite unter dem Boden durch ein geeignetes Gegengewicht weitgehend austariert war, oder beim Verbiegen eines Gefängnisgitters, dessen Eisenstäbe an passender Stelle aus gleich dickem und gleich schwarzem Gummi bestand. Die weitere Rundfahrt führte durch einen künstlichen See, in dem binnen etwa einer Minute das Wasser aus einer Durchfahrt für den Bus ablief. Dabei blieb der Wasserspiegel rechts und links davon durch geeignete Unterwasserwände auf seinem ursprünglichen Pegel, der während der Durchfahrt etwa auf Augenhöhe der Buspassagiere lag. In diesem und anderen Teichen lagen ein Wasserflugzeug und ein Mississippidampfer, die als ehemalige Kulissen ausgedient hatten. Bemerkenswert dramatisch war auch die Fahrt auf einer Art Bootssteg an einem Teich entlang, in dem der weiße Hai (zumindest als mechanische Attrappe) sein Unwesen trieb. Zunächst kippte durch den Seegang ein Angler (als Puppe) aus seinem kieloben schlagenden Ruderboot und wurde nach den hervorgerufenen Wellen unter Wasser vermeintlich vom Hai gefressen. Dann schnaubte dieser Hai an dem Rundfahrtbus entlang und bespritzte die Passagiere mit Wasser. Dabei wurde der Bootssteg unter dem Bus mit einem Ruck etwas zum Wasser hin geneigt, als sollten die Insassen dem Hai direkt in den Rachen geschleudert werden. Zu guter Letzt ging dann auch noch die an dem Steg liegende (natürlich feuerfeste) Nachbildung einer Bootstankstelle in Flammen auf. Da diese Aktion für jeden der Rundfahrtbusse wiederholt wurde, drehte sich das Ruderboot durch entsprechende Unterwasserantriebe mit dem Kiel nach unten, und "wie von Zauberhand" tauchte auch die Puppe des Anglers unversehrt wieder auf, sobald man diese Stätte des Grauens verlassen hatte und sich nochmals umdrehte.
Um die Erinnerung an den Horror wachzuhalten, lag natürlich auch noch die Kulisse von Norman Bates' unverkennbarem Wohnhaus aus dem Alfred-Hitchcock-Thriller "Psycho" von 1960 am Wegesrand. In (dem eher unscheinbaren) Bates' Motel erstach der schizophrene Bates seinerzeit den weiblichen Gast Marion Crane. Diese weltberühmte Mordszene unter der Dusche, die im Film nur insgesamt 2 Minuten dauert (der eigentliche Mord nur 45 Sekunden) wurde seinerzeit mit 70 Kameraeinstellungen eine Woche lang gedreht und mit 50 Filmschnitten in seine endgültige Form gebracht. Auf dem folgenden Überblick über die Kulissenstadt Universal City (Bild 1.11) sind im Vordergrund die Tragwerke der als Kulissen dienenden Hausfassaden und im Hintergrund Teile der Stadt Los Angeles zu sehen. Den berühmten Hollywood-Schriftzug an der Bergflanke, den man oft als Bild sieht, haben wir bei unserer ersten Reise nicht entdeckt, da er von Universal City aus nicht zu sehen ist. Interessant war hingegen die im Eintrittspreis enthaltene Stuntman Show (Bild 1.12), bei der wir bewundern konnten, wie etliche derartiger Stunts vor der Kamera ablaufen. Alles in allem war dieser Besuch der Universal Studios ein erlebnisreicher und interessanter Tag, der uns gut gefallen hat. [‹ Index]
Highway 1 (Pazifikküste CA)
[29.06.1987]
Nach zwei Tagen Gewöhnung an den Zeitunterschied von 9 Stunden und das
heißere Klima im Großraum Los Angeles, d.h. auf einer geografischen Breite,
die etwa Rabat in Marokko bzw. Beirut im Libanon entspricht, gingen wir
endlich auf Tour (Bild 1.01). In
der Karte ist LA links davon im Pazifik durch die beiden Pfeile
–› und ‹– für Hin- bzw. Rückflug
markiert. Wie aus der eingetragenen Route ersichtlich, sind wir von LA
auf dem Highway 1 direkt an der Pazifikküste entlang bis nach San Francisco
gefahren und dort nach Osten ins Landesinnere abgebogen. Wir haben diese
Strecke bewußt von Süd nach Nord zurückgelegt, um die Sonne im Rücken und
nicht die ganze Zeit durch die Windschutzscheibe auf dem Schoß zu haben und
nicht bei jedem Blick auf den Pazifick deren blendende Spiegelungen zu sehen.
Im Südwesten des Großraums Los Angeles heißt der Hwy-1 Pacific Coast Hwy und
unterquert den LA International Airport als Sepulveda Blvd. Danach brauchten
wir nur noch der Straßennummer CA-1 zu folgen,ohne vom vorgesehenen Wege
abzukommen. An der Santa Monica Bay verläuft der Hwy-1 als "Palisades
Beach Rd" direkt am Strand entlang, um dann weiter nördlich ab Oxnard
CA streckenweise mit dem Freeway US-101 auf einer gemeinsamen Trasse geführt
zu werden, der die Küstenlinie ab Santa Barbara vorerst verläßt. Von dort bis
San Luis Obispo gibt es zwar immer wieder kurze individuelle (zweispurige)
Straßenstücke des Hwy-1, von denen man jedoch den Pazifik nicht sehen kann
und die wir daher bewußt ausgespart haben. In San Luis Obispo zweigt der
Hwy-1 nach Nordwesten ab und verläuft die nächsten ca. 100 mi von Cayucos
bis Monterey an der Flanke der Coast Ranges (des Küstengebirges) direkt am
Pazifik entlang. In diesem Bereich wird er seinem Ruf als Traumstraße der
Welt völlig gerecht (Bild 1.13).
Obwohl diese Strecke auch an anderen Stellen immer wieder interessant wirkt,
möge dieses eine als typisch anzusehende Bild genügen.
Auf dieser kurvenreichen zweispurigen Straße sind wir ganz gut vorangekommen, weil wir dort meistens ziemlich allein waren. Nur hin und wieder kam uns ein Auto entgegen, und Überholvorgänge, die bei der über weite Strecken durchgezogenen Mittellinie ohnehin verboten waren, wurden durch den dünnen Verkehr nur ganz selten erforderlich. Der Hwy-1 war durchgehend gut ausgebaut. Er verlief zunächst nur wenig über dem Meeresspiegel (Danger of Flooding by Stormy Weather), und später wie auf dem Bild ca. 50 bis 100 m hoch an der Bergflanke, fast ausschließlich ohne Leitplanken. Auch Brücken wie die im Bild waren eher selten, sondern meistens führte der Highway an den Bergflanken in nicht zu lange Seitentäler hinein, um auf derselben Höhe zu bleiben. Ein Absturz würde hier sicher kaum bemerkt, sofern das Auto dabei nicht in Brand geriete. In diesen Bereichen standen am Straßenrand statt der Warnungen vor Überflutung solche vor Steinschlag (Falling Rocks) und Erdrutschen (Constant Terrain Movements). Geröll und frisch ausgebesserte Fahrbahnstücke belegten die Ernsthaftigkeit dieser Warnungen. Außer der CA-46 kurz hinter Cayucos gab es nach unserer Karte bis Monterey keine weitere befestigte Straße (paved road) über das Küstengebirge zum dahinter verlaufenden Freeway US-101 für den Fernverkehr und zu den dortigen größeren Ortschaften. Die entlang des Hwy-1 liegenden Küstenorte wie San Simeon, Gorda, Pacific Valley, Lucia, States Hot Springs und Big Sur sind als Ortschaften unter 1000 Einwohner in die Straßenkarte eingezeichnet, und das ist durchaus ernstzunehmen. Im Hinterland (bzw. in den Seitentälern) des Gebietes um Big Sur sollen zwar insgesamt etwa 1000 Leute wohnen, und es gibt auch Restaurants und Lodges. Dort jedoch ohne Reservierung absteigen zu wollen, haben wir genau wie innerhalb der Nationalparks gar nicht erst versucht. Stattdessen sind wir bis zur südlichen Monterey Bay weitergefahren, an der wieder größere Städte wie Monterey und Seaside liegen. An der Business Route von Seaside CA konnten wir abends den Rauch von Holzfeuern deutlich riechen. Hier warben die Motels seinerzeit mit "Real Woodburning Fires" in den bereits zum Anzünden vorbereiteten Kaminen ihrer Gästezimmer. Selbstverständlich hing eine längere Liste mit Brandschutzregeln daneben, damit man insbesondere den langflorigen Teppichboden vor dem Kamin nicht gleich mit in Brand setzte. Da der Abend so mild war, daß wir noch im Außenpool baden konnten, haben wir jedoch freiwillig auf die Beheizung unseres Zimmers durch ein Kaminfeuer verzichtet. [‹ Index]
17-Miles Drive (Pazifikküste CA)
[30.06.1987]
Der 17-Miles Drive ist eine mautpflichtige Küstenstraße (Toll Road)
dieser Länge um die Halbinsel von Monterey am Südende der gleichnamigen
Meeresbucht (Monterey Bay). Die "wahren Schönheiten" der
malerichen Punkte (Bird Rock, Seal Rock, Cyprus Point, Sunset Beach,
Pebble Beach), die in mehreren der bei unserer Planung vorliegenden
Reiseführern so hoch gelobt wurden, sind uns an diesem noch trüben
Morgen Ende Juni offenbar gründlich verborgen geblieben. Den weitläufigen
Golfplatz mit zwei einsamen Spielern haben wir genau so bemerkt wie den
fauligen Geruch des Meerwassers in den strandnahen Tümpeln. Im Nachhinein
wäre stattdessen ein Besuch der musealen Cannery Road (nach John Steinbecks
"Straße der Ölsardinen") in Monterey lohnender gewesen, auf den
wir aus Zeitgründen verzichtet haben.
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San Francisco (CA)
[30.06./01.07.1987]
Nach 100 Meilen Hwy-1 und dem 17-Mile Drive war unser Bedaf an Küstenstraßen
zunächst einmal gedeckt, und wir sind nicht auf dem Hwy-1, sondern durch das
Silicon Valley in Richtung San Francisco weitergefahren, d.h. über die
CA-68 von Monterey nach Salinas und dann auf dem Freeway US-101 bzw. seinen
Business Routes weiter über San Jose, Santa Clara, Sunnyvale, Mountain View,
Palo Alto, Menlo Park (CA) bis nach San Mateo, etwa 22 mi vor San Francisco.
Die meisten dieser Ortsnamen und deren Lage waren dem Autor bereits vor der
Reise von Berufs wegen als Firmensitze von Halbleiter- und Geräteherstellern
bekannt. So war es in diesem Fall von speziellem Interesse, einmal zu sehen,
was für eine Ebene zwischen zwei Bergketten das bekannte Silicon Valley
tatsächlich ist. Ab Sunnyvale grenzen die Außenbezirke der Städte bereits
an den Südzipfel der San Francisco Bay. Von Menlo Park führt die CA-84 auf
der Dumbarton Bridge nach Newark (CA) über die Bay und von San Mateo die
CA-92 auf der San Mateo Bay Bridge nach Hayward. Alle größeren Brücken um
San Francisco sind mautpflichtig (Toll Bridges). Allerdings wird die Maut
nur in einer Fahrtrichtung erhoben, weil man offenbar davon ausgeht, daß
fast alle Brückenbenutzer, insbesondere die Berufspendler, hin- und
zurückfahren. Nachdem wir uns am frühen Nachmittag in San Mateo einquartiert
hatten, sind wir noch nach San Francisco hineingefahren. Das Stadtzentrum
liegt auf einer Halbinsel zwischen dem Pazifik und der San Francisco Bay
unmittelbar südlich des Golden Gate, der natürlichen Zufahrt zur Bay
(Bild 1.14). Auf dem Bild sind die
1937 erbaute 2,7 km lange Golden Gate Bridge, die unbebauten Gebirgszüge
nördlich davon (oben im Bild) sowie die Stadt südlich davon (unten im
Bild) deutlich zu erkennen. Die dort ohne Rücksicht auf den teilweise
recht gebirgigen Untergrund fast ausschließlich schachbrettartig
angeordnete Stadt gibt den "Straßen von San Francisco" ihr
typisches Gepräge mit starken Steigungen bzw. Gefällen zwischen den
horizontal angelegten Kreuzungen
(Bild 1.15). Wie an dem Haus im
Hintergrund leicht zu erkennen, hat die Hyde Street auf dessen Breite
etwa den Höhenunterschied des Sockelgeschosses. Der Waggon im
Vordergrund gehört zu einer von drei Linien der Cable Car, dem für
San Francisco typischen öffentlichen Verkehrssystem, das heute wohl
hauptsächlich als geradezu umlagerte Touristenattraktion immer noch
betrieben wird. Interessante Details zur Funktionsweise und Geschichte
der Cable Car als Wahrzeichen der Stadt sind unter dem Bild angegeben.
Die (südliche) Halbinsel ist am Golden Gate noch ca. 10 km breit, und das Stadtzentrum von San Francisco nimmt etwa die ersten 10 km südlich des Golden Gate ein. Neben dem Satellitenbild (Bild 1.14) ist ein Verweis auf Google Maps angegeben, bei dem ein vergleichbarer Kartenausschnitt angezeigt wird. Die San Francisco Oakland Bay Bridge (US-80) ist auf dem Satellitenbild gerade so eben nicht mehr enthalten. Sie zweigt dort ab, wo die Bay-Küste den rechten Bildrand erreicht. Die einzige nördlich des Golden Gate über die Bay führende Richmond San Rafael Bridge (US-580 / CA-17) ist ebenfalls nicht mehr auf dem Bild enthalten. Diese beiden Brücken haben je zwei Fahrbahnebenen übereinander (Two-Level Structure), was wir in dieser Form zuvor noch nicht gesehen hatten. Wie bereits erwähnt, wurde nur in einer Fahrtrichtung Brückenmaut (Toll) erhoben, so daß wir bei unserer Rundfahrt über die drei Brücken Golden Gate Bridge, Richmond San Rafael Bridge und San Mateo Bridge nur bei der letzten einmal 75 ¢ Maut bezahlen mußten. Von dem Aussichtspunkt (Vista Point) an Nordende der Golden Gate Bridge führt eine schmale Straße unter der US-101 hindurch auf den Berg an der Westseite der Straße in Richtung Pazifik. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick nach Südosten über die Golden Gate Bridge auf die Stadt San Francisco (Bild 1.16). An diesem späten Nachmittag lag die Spitze des südlichen Pylons bereits im Nebel. Am nächsten Tag haben wir uns etwas mehr von San Francisco angesehen. Die Piers von Fisherman's Warf sind weitestgehend als Touristenattraktion hergerichtet, wie man neben zahlreichen Schnellrestaurants und Souvenirläden auch an den Blumenarrangements in der Umgebung von Pier 39 sehen kann (Bild 1.17). Dafür betrug die Parkgebühr bereits damals 1 $ für 30 Minuten. Nicht weit davon entfernt befindet sich im Bereich der Grant Ave. die allgemein als "China Town" bekannte größte zusammenhängende Ansiedlung (Enklave) von ca. 80 000 Chinesen auf dem gesamten amerikanischen Kontinent. In den dortigen Läden wurden alle nur denkbaren Waren aus Fernost zu erstaunlich niedrigen Preisen angeboten, wobei das Fotografieren in dem Gedränge jedoch nicht so ganz einfach war. Außerhalb von China Town konnten wir aus der Sansome St. diesen Blick auf die Transamerica Pyramid erhaschen, eines der Wahrzeichen von San Francisco (Bild 1.18), natürlich nicht ohne die für einen deutschen Elektroingenieur immer wieder faszienierenden Freileitungen der so ambulant anmutenden amerikanischen Elektroinstallation. Beeindruckt haben uns weiterhin eine steile Straße in der Nähe von Chinatown, deren Fußweg als Treppe ausgebildet war (Bild 1.19), der Blick vom Laubengang unseres Motels in San Mateo auf den durchgehenden Freeway US-101 und die daneben verlaufende Anliegerstraße (Bild 1.20) sowie ein geparkter US-Truck im Größenvergleich zu unserem Sohn Oliver (Bild 1.21). Ein paar andere Sehenswürdigkeiten haben wir jedoch aus Zeitgründen verpaßt. Die ehemalige Gefängnisinsel Alcatraz hinter dem Golden Gate kann man zwar besichtigen, aber Tickets für die umlagerten Fährschiffe dorthin gab es nur einen bis zwei Tage im voraus, was uns persönlich zu lange dauerte. Die berühmte (recht lange) Lombard Street haben wir zwar gefunden, allerdings nicht die nur einen Häuserblock langen einspurigen steilen Serpentinen, deren Ränder mit Blumen bepflanzt sind. Dafür hat die Mitautorin Anne ihre ersten Erfahrungen in dem amerikanischen Waschsalon des dortigen Motels gesammelt. [‹ Index]
Yosemite NP (CA)
[02./03.07.1987]
Das Herzstück des Yosemite National Park ist das Yosemite Valley, ein von
Gletschern geformtes alpines Tal in der Sierra Nevada mit einem engen, fast
ebenen Talboden und schroff aufragenden Granit-Felswänden, von denen mehrere
hohe Wasserfälle des Merced River und seiner Nebenflüsse zu Tal stürzen. Am
Morgen des 2. Juni sind wir von San Mateo aus auf folgendem Wege (Straßen
und Orte) nach Osten möglichst direkt dorthin gefahren
(Bild 1.01): CA-92 (über die San
Mateo Bridge), Hayward, I-580, Livermore, I-580, I-205, I-5, CA-120,
Oakdale, CA-108 vorbei am Tulloch Reservoir bis Sonora, wo wir kurz nach dem
Mittag ankamen und Quartier bezogen. Damals war uns nicht bekannt, daß sich in
Modesto CA, kurz vor Oakdale nur wenige Meilen südlich der CA-120, die größte
Weinkellerei der Welt von Ernest und Julio Gallo befindet. Daher haben wir
dort auch nicht Station gemacht. Sonora liegt an der Nordwestecke der kleinen
U-förmigen Schleife, die auf der Karte über den beiden Buchstaben F und O des
Staatsnamens CALIFORNIA eingezeichnet ist. Noch am Nachmittag sind wir von
Sonora auf der CA-49 und CA-120 über den Big Oak Flat Entrance in den
Yosemite NP gefahren. Die ins Yosemite-Tal führende Big Oak Flat Road verlief
dort streckenweise ohne Leitplanke an der felsigen Talkante entlang, die dort
etwa 950 m tief steil abfällt. Lediglich eine niedrige Bruchsteinmauer, etwa
halb so hoch wie eine übliche Leitplanke, markierte diesen durchaus gefährlichen
Abgrund. An der nächsten Ausweichstelle trafen wir eine Familie mit zwei Kindern
und einem gemieteten Wohnmobil, die ein Baum vor einem solchen Absturz bewahrt
hatte. Der Vater war durch die Faszination der Landschaft abgelenkt,
hatte umhergeguckt und war dabei zur Talseite von der Straße abgekommen.
Zum Glück(!) stand dort ein hinreichend dicker Baum, der den Sturz aufgehalten
und den Fahrer schlagartig in die rauhe Wirklichkeit zurückgeholt hat. Wegen
der geringen Geschwindigkeit ist den Insassen außer einem gehörigen Schock
nichts passiert. Allerdings war der Bug der Wohnmobils genau so zerdeppert wie
die beiden quer davor in einem Halter transportierten Fahrräder. Jedenfalls
kam ein Abschleppwagen, um das haverierte Wohnmobil und seine Passagiere
abzuholen. Nach Angaben des Unglücksfahrers war diese Urlaubsreise (evtl.
wegen unzureichender Vollkasko-Versicherug und/oder nervlicher Belastung der
Betroffenen) damit bereits zu Ende, noch bevor sie überhaupt richtig begonnen
hatte. Trotz dieses Schrecks in der Nachmittagsstunde kamen wir jedoch
wohlbehalten auf dem ca. 1000 m tiefer gelegenen Talboden an und konnten die
Blicke auf die umgebenden Berge und Wasserfälle unbeschwert genießen. Der recht
ebene Boden des Yosemite Valley liegt etwa 1300 m über dem Meeresspiegel. Einer
der bekanntesten Berge, die man von dort aus bewundern kann, ist El Capitan
mit einer Höhe von 2307 m (Bild 1.22),
dessen fast senkrechte Granitwände von Steilwandkletterern besonders geschätzt
werden. Wie eingangs bereits erwähnt, ist das Yosemite Valley ein Tal mit
besonders vielen hohen Wasserfällen, die ungünstigerweise in dem 1987 verteilten
Faltblatt "Official Map and Guide" des staatlichen National Park
Service nur sehr unvollständig angegeben sind. Deshalb haben wir die folgende
Liste der bekanntesten Wasserfälle mit ihren beeindruckenden Fallhöhen
zusammengestellt.
| Fluß | Wasserfall | Fallhöhe | |
|---|---|---|---|
| Merced River | Nevada Fall Zwischenlauf Vernal Fall insgesamt |
594 ft 269 ft 317 ft 1180 ft |
181 m 82 m 97 m 360 m |
| Yosemite Creek | Upper Yosemite Fall Middle Cascades Lower Yosemite Fall insgesamt |
1430 ft 675 ft 320 ft 2425 ft |
436 m 206 m 97 m 739 m |
| Ribbon Creek | Ribbon Fall | 1612 ft | 491 m |
| Meadow Creek | Silver Strand Fall | 1170 ft | 357 m |
| Bridalveil Creek | Bridalveil Fall | 620 ft | 189 m |
| Illilouette Creek | Illilouette Fall | 370 ft | 113 m |
Der Merced River mit der meisten Wasserführung sürzt in zwei Stufen über den Nevada Fall und den Vernal Fall, die man z.B. vom Glacier Point gut sehen kann, in das Yosemite Valley. Der Flußlauf dazwischen mit seinen immerhin 82 m Gefälle und dem Emerald Pool ist jedoch von dort nicht zu erkennen. Von den Yosemite Falls sind Upper und Lower Fall besonders eindrucksvoll (Bild 1.23), während die Middle Cascades mit mehreren Stufen weniger spektakulär sind. Mit seiner Gesamtfallhöhe von 739 m ist dieser Wasserfall selbst dann noch außergewöhnlich, wenn er nach Abfluß des Schmelzwassers im Sommer fast trockenfällt. Die weiteren vier Wasserfälle in der Tabelle sind 'einstufig' und nach Fallhöhe geordnet. Am Bridalveil Fall (Brautschleier-Fall) führt der Weg zwangsläufig vorbei, da er an der Straße nahezu gegenüber dem Berg El Capitan liegt. Vom bereits erwähnten Glacier Point, der nur im Sommer zugänglich ist, hat man nicht nur einen guten Blick auf die beiden Wasserfälle des Merced River, sondern vor allem schräg gegenüber auf den Half Dome mit einer Höhe von 2695 m (Bild 1.24), den zweiten bekannten Granitfelsen des Nationalparks.
Unvorhergesehen lange dauerte unsere Rückfahrt nach Sonora. Wir waren noch zu Beginn der Abenddämmerung am Glacier Point und wollten nicht dieselbe Strecke zurückfahren, die wir am Nachmittag gekommen waren. Also verließen wir den Park auf der CA-140 entlang des Merced River durch den ebenfalls westlichen Arch Rock Entrance. Die CA-140 führt aber doch recht weit nach Süden, bevor sie nach gut 30 mi in Mariposa auf die CA-49 trifft, der wir dann weitere ca. 50 mi bis Sonora folgen konnten. Das liest sich zunächst noch nicht besonders dramatisch, allerdings sind gut 80 mi vom Parkaugang bis zum Quartier in Sonora eben doch etwa 130 km, über die wir uns auf der Faltkarte von California im Maßstab ca. 1 : 1 300 000 bei der Routenwahl keine Rechenschaft abgelegt hatten. Außerdem war uns die Vorgeschichte nicht klar, wie die CA-49 zu dieser Nummer gekommen ist. Sie ist nämlich nach dem Goldrausch von 1849 benannt worden und verbindet die ehemaligen Goldgräberstädte am Westrand der Sierra Nevada anscheinend längs einer Elchsfährte. Nach Einbruch der Dunkelheit strahlte auf dieser kurvenreichen Straße das Licht unserer Scheinwerfer entweder rechts gegen die Felswände oder verlor sich links im Dunkel über den Abgründen, die durch keinerlei Leitplanke gesichert waren. Überholt haben uns in der Dunkelheit auf diesen 50 mi der CA-49 genau zwei andere Autos, deren Fahrer die Strecke offensichtlich besser kannten als wir, und die entgegenkommenden Fahrzeuge konnten wir an den Fingern einer Hand abzählen. So haben wir bis Mitternacht gebraucht, bis wir endlich an unserem Quartier in Sonora ankamen. Diese historische Route des 1849-er Goldrausches hätten wir gerne einmal bei Tageslicht befahren, aber die Gelegenheit dazu hat sich bis heute leider noch nicht ergeben.
Während wir am ersten Tag (02.07.) im Yosemite Valley waren, haben wir am zweiten Tag (03.07.) den Park auf der sog. Tioga Road (CA-120) durchquert. Diese Überquerung der Sierra Nevada durch den Yosemite Park, die über den östlichen Tioga Pass Entrance mit einer Höhe von 9945 ft (= 3031 m) führt, ist im Winter nicht befahrbar. Wir haben in dieser schroffen hochalpinen Landschaft unter anderen auch den Yosemite Creek oberhalb der Wasserfälle gekreuzt und sind durch die Hochwiesen von Tuolumne Meadows gefahren. Nach der Abfahrt vom Tioga Pass trifft die CA-120 bei dem Ort Lee Vining CA auf die US-395, die in einem malerischen Längstal östlich der Sierre Nevada im Grenzgebiet zwischen California und Nevada verläuft. Bei Winterreisen sollte man sich darüber im Klaren sein, daß die Sierra Nevada mit dem Auto kaum zu überqueren ist. Zwischen der US-50 bzw. CA-88 im Norden und der CA-58 im Süden gibt es über etwa 280 mi (ca. 450 km) keine der wenigen Ost-West-Straßen über die Sierra, die nicht duch "Winter Closures", also durch Sperrungen wegen Schnee und Eis betroffen wären, und das in einem Bereich geographischer Breite der in Europa einem solchem Gebiet in Südspanien entspricht. [‹ Index]
Mono Lake (Lee Vining CA)
[03.07.1987]
Östlich von Lee Vining liegt der abflußlose Mono Lake, der etwa dreimal so
salzig ist wie Meerwasser. Von seinen ursprünglich sieben Zuflüssen sind
vier zur Trinkwasserversorgung von Los Angeles abgeleitet worden, so daß
sein Wasserspiegel seitdem um 13 m gesunken ist. Dadurch ist eine große
Zahl von sehenswerten bizarren Kalktuff-Formationen trockengefallen, die
diese Gegend geradezu unwirklich erscheinen lassen. Hunderttausende von
Seemöwen und Zugvögeln nutzen den See und dessen Inseln als Brutplatz,
Zwischenstation oder Winterquartier und leben von den Garnelen, die in
diesem salzigen Wasser gedeihen. Der See genießt inzwischen als State
Reserve einen gewissen Schutz, und Naturschützer kämpfen weiterhin darum,
die Wasserentnahme zu beenden.
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Wüste von Nevada (Tonopah NV)
[03.07.1987]
Von Lee Vining CA sind wir noch an diesem Tag auf folgendem Weg nach
Tonopah NV weitergefahren: US-395 nach Süden und dann auf der CA-120 am
Mono Lake vorbei bis Benton CA und weiter auf der US-6 über die Grenze
nach Nevada und den Montgomery Pass (7167 ft = 2185 m) bis nach Tonopah
(Bild 1.01). Bei diesem
Kartenmaßstab verläuft die Route hier nahezu geradlinig nach
Osten über die Staatsgrenze von California nach Nevada, wo Tonopah durch
den kleinen offenen Kreis O über dem B von GREAT BASIN markiert ist. Die
US-6 heißt in Nevada "Grand Army of the Republic Highway" und
ist auf den letzten 47 mi (75 km) vor Tonopah als landschaftlich schöne
Strecke (Scenic Road) gekennzeichnet. Die Wüste in Nevada ist nämlich
keineswegs eine reine Sandwüste ohne Vegetation, so wie man z.B. die
Sahara aus der Schule kennt. Sie ist statt dessen eher felsig mit
spärlicher Vegetation, die sich zwar mit wenig Wasser begnügt, dafür
jedoch, z.B. nach Beschädigungen, äußerst langsam wächst
(Bild 1.25). So brauchen Pflanzen,
die hier durch Autoreifen zerfahren wurden, normalerweise mehrere Jahre,
um sich zu regenerieren. Der Berg im Hintergrund auf dem Bild ist der
Boundary Peak, mit 13140 ft = 4080 m der höchste Punkt in Nevada, und
das Auto im Vordergrund ist unser Mietwagen, ein Chrysler LeBaron. Wegen
ihrer gewaltigen Ausdehnung ist der Autor von der Reise von seinem
Chef, der 6 Jahre in den USA gelebt hat, ausdrücklich davor gewarnt
worden, sich längere Autofahrten durch die Wüste anzutun. "Vorne
Wüste, links Wüste, rechts Wüste, 3D-Wüste, und das tagelang",
waren seine warnenden Worte. Wir haben uns jedoch nicht bangemachen
lassen, und so haben wir als Einwohner des dicht besiedelten Deutschlands
diese Erfahrung der ausgedehnten Wüstenstrecken auf hervorragend
ausgebauten Straßen durchaus genossen.
Südöstlich von Tonopah liegt das ausgedehnte, für die Öffentlichkeit nicht zugängliche Militärgebiet "Nellis Air Force Range". In unserer damals verwendeten Faltkarte von Nevada sind auch die beiden Testgelände "Tonopah Test Range A.E.C." (im Norden) und "A.E.C. Nuclear Testing Site" (im Süden) verzeichnet. A.E.C. ist die Abkürzung der US Atomic Energy Commission, die von 1946 bis 1974 bestanden hat. Die Nuclear bzw. Nevada Test Site (NTS) wurde 1950 angelegt und hat eine Größe von 1350 square miles (ca. 3500 km²). Ihr südlichster Punkt liegt etwa 65 mi (ca. 105 km) nordwestlich von Las Vegas, von wo aus sie durch die US Nuclear Forces als eine Art Freiluft-Labor betrieben wird. Dort wurden zahlreiche Tests von Nuklearwaffen durchgeführt, zunächst oberirdisch (von 1951 bis 1958) und später unterirdisch (von 1961 bis 1992). Auf dem im Norden gelegenen Testgelände (Tonopah Test Range) von 624 square miles (ca. 1620 km²) werden vorwiegend ballistische Flugbahnen von (Fallschirm-)Abwürfen (airdrop of ballistic shapes) untersucht. 1996 waren für beide Testgelände insgesamt ca. 3700 Leute beschäftigt. Das übrige Militärgebiet "Nellis Airforce Base" dient hauptsächlich als Pufferzone zwischen den Testgebieten und der für die Öffentlichkeit zugänglichen Umgebung. Dieses Sperrgebiet ist mit 5470 square miles (ca. 14200 km²) das größte unbesiedelte Areal der USA. Diese Fläche entspricht 5,7 % von Westdeutschland und ist damit etwa 5½-mal so groß wie das Saarland bzw. fast so groß wie Schleswig-Holstein (ca. 90 % von 15700 km²) oder ²/3 von Hessen. [‹ Index]
Stand: 10.09.2009 / © MG